DIY: Adventkranz selber machen

Kränze gehören zum Advent wie Eier zu Ostern. Doch während Letztere schön bunt und liebevoll dekoriert daherkommen, fristet das runde Vorweihnachtssymbol ein ziemlich eintöniges Dasein in Tannengrün. Bis jetzt! So holen Sie mehr aus Ihrem Adventkranz raus!

Präsidentengattin Jackie Kennedy hat ihn zwar nicht erfunden. Ihm aber zum stylishen Durchbruch verholfen. Denn: Sie war ein großer Fan des Kranzes. Bis heute führt das Weiße Haus ihre vorweihnachtliche Schmück-Tradition fort. Alle Jahre wieder warten Interior-Victims weltweit darauf, wie die First Villa von oben bis unten mit Dekokränzen aufgehübscht wird - immer unter einem anderen (Farb-)Motto -, um sich davon inspirieren zu lassen.

Morgen Kinder ...

Bei uns in Europa werden freilich schon seit Jahrtausenden zu festlichen Anlässen Kränze gebunden - und verdiente Häupter (Caesar zum Beispiel) damit gekrönt. Dass auch verdiente Zeiten (wie der Advent) ihre Lorbeeren bekommen, ist jedoch auch bei uns ein relativ junger Brauch. 1833 kam der Hamburger Theologe Johann Heinrich Wichern als Erster auf die Adventkranz-Idee. Und zwar in seinem Erziehungsheim für sozial vernachlässigte Kinder. Zur Freude seiner Schützlinge hat er damals an jedem Adventstag ein neues Licht auf einem großen Wagenrad angesteckt.

Und diese Tradition wird bis heute in der abgespeckten 4-Kerzen-Version hochgehalten - nicht nur in Präsidentenwohnungen, sondern auch in Bohème-Lofts. Und so zieren Tannen-, Fichten- und Koniferenkränze Wände, Türen, Beistelltische.

... wird's ihn noch geben.

Inzwischen hat sich die etwas altbacken anmutende „Kranz mit vier Lichtern"-Variante deutlich weiterentwickelt: vom grünen Tannen- oder Fichtenflechtwerk, wie er um die Jahrhundertwende aufkam und von der katholischen Kirche zunächst abschätzig als „nicht ursprünglich" und „halbsakral" abgetan wurde, zum Interior-Designobjekt mit und ohne Kerzen, aber immer voller Bedeutung: Der Kreis, wie auch immer er geschmückt wird, ist eben ein Zeichen von Ewigkeit und Geschlossenheit.

Kaufen kann man Dekokränze inzwischen in jedem Blumengeschäft. Viel schöner ist es allerdings, sie selbst zu basteln. Wir haben drei Varianten für Sie zur Inspiration vorgemacht - und zeigen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Ein Tipp: Lassen Sie Ihren Kranz kühl „übernachten", draußen oder im Keller. Dann nadelt er nicht so schnell.

Drei wunderschöne Kranzvariationen finden Sie auf Seite 2!

Adventkranz
Adventkranz
"Der Kranz ist ein Symbol für Zeit. Denn der Kreis steht für die Ewigkeit und Geschlossenheit."

Der Eisige. Dieser Kranz (siehe Titelbild) hat sich seine Lorbeeren redlich verdient. Wunderschön fängt dieses silber-blaue Arrangement die winterliche Stimmung draußen für drinnen ein. Da wird es trotz Raureif-Optik jedem Dekoliebhaber warm ums Herz.
Lavendelzweige, Disteln, Protea, Wacholder, abgehobelte Fichtenzapfen und flechtenbewachsene Zweige (entweder im Blumengeschäft oder auf Bestellung beim Gärtner).

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Der Goldene. Das graue Dezember-Wetter ist beim Anblick dieses strahlenden Gestecks in der Sekunde vergessen. Die vergoldeten Baby-Ananasse bringen obendrein einen Hauch Morgenland in die gute Stube.
Blautannenzweige, Baby-Ananasse (alternativ: Artischocken), Physalis, Beerenzweige, Apfelbaumzweige, kleine Kiefernzapfen sowie getrocknete Schneeballhortensie (alles im Blumenfachhandel erhältlich).

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Der Rustikale. Der Wildlook ist im Winter 2010 / 11 der angesagteste Trend im Haus. Unser Deko-Tipp für Jagdeinsteiger: Ein paar Hirschkrickerl machen aus jedem Dekokranz eine schicke Trophäe.
Wacholder, Wintergrün, Koniferenzweige, Hagebutten (im Bild oben wurde die herkömmliche Variante verwendet, filigraner wirkt die kleinere Sorte), Walnüsse, Hirschkrickerl (Ersatz: knorrige Äste) und Vogelbeeren.

Die Anleitung zum Kranzbinden gibt's auf Seite 3.

Anleitung zum Kranzbinden

Die Basis. Plattenmoos (beim Gärtner), Strohkranz als Unterlage, Blumendraht, eventuell Gold- und Silberlack (alles im Bastelgeschäft) sowie Abdeck- und Dekomaterialien (siehe Punkt Materialwahl).

Farbwahl. Generell gilt: Bevor Sie sich ans Werk machen, sollten Sie zwei (kontrastierende) Farben wählen, die Ihren Kranz schmücken sollen. Klassisch: Rot und Gold. Edel: Blau und Silber. Warm: Braun und Bronze.

Materialwahl. Natürlich können Sie Ihr Gebinde aus einem einzigen Grundmaterial (etwa Tannenzweigen) fertigen, bei obigen Kränzen wurde jedoch die „Je mehr Holz in der Hütte, desto besser"- Faustregel beherzigt und verschiedene Abdeck- (beispielsweise Wacholderzweige, Lorbeerblätter, Polstermoos) sowie unterschiedliche Dekomaterialien (Beeren, Knospen, Zapfen, Früchte etc.) verwendet. Sie können Ihre Werkstoffe nicht selbst im Wald sammeln? Beim Gärtner Ihres Vertrauens werden Sie garantiert auch fündig.

Bauplan. Eine letzte Entscheidung, die Sie treffen müssen, bevor Sie zur Tat schreiten können: Wollen Sie Ihr dekoratives Material fortlaufend und gleichmäßig (wie bei der „eisigen" und „rustikalen" Variante) in Ihren Kranz einarbeiten oder mehrere Sträußchen als Eyecatcher platzieren (siehe „goldenes" Arrangement)?

Kranz binden. Ein nackter Strohkranz hat was von einem leeren Blatt Papier und flößt Binde-Anfängern erst mal Respekt ein. Aber keine Panik, spätestens beim dritten Anlauf flutscht es garantiert! Und zwar so: Umwickeln Sie den Strohkranz mit Plattenmoos, das gibt dem ganzen - fast wie ein Klettverschluss - Halt. Legen Sie das Abdeckmaterial büschelweise abwechselnd darüber, wickeln Sie den Draht herum und ziehen Sie von unten fest zu. Flechten Sie die Dekomaterialien dazwischen. Achten Sie beim Arrangieren stets darauf, dass der Draht verdeckt wird. Tipp: Arbeiten Sie im Stehen, damit Sie die Gleichmäßigkeit des Verlaufs stets im Auge behalten können.

Vergolden. Weniger ist mehr: Sprühen Sie Ihre Materialien nicht komplett mit Lack ein. Viel besser kommen sie zur Geltung, wenn die Grundfarbe noch durchscheint. Tipp: Besonders raffiniert wirkt Ihr Arrangement, wenn Sie mit (zwei) unterschiedlichen Goldtönen arbeiten, etwa matt und glänzend oder Rot- und Grüngold.

Korrigieren. Zweige sind meist sperrig, Sie können sie aber im Nachhinein noch problemlos zurechtstutzen. Ansonsten gilt: Überladen Sie Ihr Gesteck beim Flechten nicht zu sehr, es soll schließlich auch noch das dekorative Beiwerk seinen großen Auftritt haben.

Dekomaterial anbringen. Zapfen, Beeren und auch Hirschkrickerl oder knoorige Zweige umwickeln Sie am Stiel bzw. am Ende mit einem stärkeren Draht, den Sie entweder fortlaufend mit in den Kranz einbinden oder am Ende hineinstecken. (Wal-) Nüsse, Blüten und Früchte können Sie zum Schluss mit Klebstoff auf Ihrem Gesteck befestigen.

 

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