Disney emanzipiert seine Prinzessinen (ein bisserl)

Das ganze Prinzesschen-Schema ist inzwischen in Verruf geraten. Disney reagiert klug und startet die Fotokampagne #DreamBigPrincess.

Disneyist auf Emanzipationskurs. Die letzten Prinzessinnen durften immerhin Träume jenseits der großen Liebe zum perfekten Mann haben: Elsa befreite sich aus dem Korsett gesellschaftlicher Vorgaben, wurde sogar zur Ikone homosexueller Teenager. Tiana ist Unternehmerin, Vaiana rettet ihr Volk und Merida pfeift aufs Heiraten und will sich lieber mit sich selbst verloben.

Die Erzählweise der Kinderfilme ändert sich, auch wenn Narrative immer noch beziehungsorientiert sind. Aber die Prinzessinnen, so Disney, können, dürfen, sollen mehr!

Disney-Kampagne #GlaubeAnDichPrinzessin fördert starke Mädchen

Für die neue Foto-Kampagne #DreamBigPrincess oder #GlaubeAnDichPrinzessin hat Disney 19 Fotografinnen damit beauftragt, Bilder starker, weiblicher Vorbilder quer über den Globus zu machen. Und die Bandbreite der Interpretationen ist tatsächlich schön anzusehen. Dreckige Mädchen, fußballspielende Mädchen, surfende Mädchen. Mädchen beim Programmieren, Mädchen, die Reden vor der UN halten, Mädchen, die Goldmedaillen bei den Paralympics gewinnen.

Kate Parker hat ihre 9-jährige Tochter Alice und ihre Fußballkolleginnen abgebildet. "Ich wollte die Elemente emanzipierte Prinzessin und echte Mädchen miteinander kombinieren," sagt sie der Vogue. Die Mädchen haben also Prinzessinnenkostüme an und spielen damit im Schlamm. "Viele Mädchen glauben, sie müssten entweder ein Wildfang oder ein girly Girl sein, das sich verkleidet. Aber Alice mag beides. Ich wollte, dass sie weiß, dass das okay ist und man sein kann, was auch immer man will. Das ist eine Grauzone, darüber wird nicht viel gesprochen."

Alle Fotos werden in den sozialen Medien unter #DreamBigPrincess oder dem entsprechenden, länderspezifischen Hashtags, wie #GlaubeAnDichPrinzessin, veröffentlicht. Die Kampagne läuft bis zum 11. Oktober. Für jedes Like eines offiziellen Fotos oder jedes öffentlich gepostete Foto mit einem der Hashtags, spendet Disney einen US-Dollar an das UN-Programm Girl Up - bis zu einer Summe von einer Million US-Dollar.

Die schwierige Emanzipation der Disney-Prinzessinnen

Disney bemüht sich wirklich, vermutlich mehr aus wirtschaftlichen denn aus feministischen Gründen. Das ist natürlich okay, die Modeindustrie agiert im Plus-Size-Bereich ähnlich auf die Veränderungen in der Gesellschaft. Bei einem Unternehmen, dass kleinen Mädchen über Jahrzehnte ein fragwürdiges Frauenbild vermittelt hat, mit glitzernden Mausohren und gebrandeten Lippenstiften, bleibt leider ein schaler Beigeschmack und die Frage: Kann man ein Mädchen, eine Frau überhaupt als Prinzessin bezeichnen, ohne herablassend zu klingen?

Erst im Juli gaben die englische Football Association und Disney eine Kooperation bekannt, ebenfalls unter dem Hashtag #DreamBigPrincess. Junge Mädchen sollten zum Sport, vornehmlich zum Fußball, motiviert werden. Auf Twitter gab es dafür einiges an Spott, der Independent veröffentlichte einen kritischen Artikel: "Fußballspielen sollte kein Traum für Mädchen sein, es sollte Realität sein. Mädchen sollten spielen können, ohne von Alltagssexismus und Stereotypen zurückgehalten zu werden. Es nützt nicht, die Barrieren mit Juwelen zu schmücken, sie müssen aufgehoben werden."

Und auch wenn Fotografin Kate Parker ihre Tochter beim Spielen im Prinzessinnenkleid ablichtet und betont, wie wichtig das Aufbrechen von gesellschaftlich bestimmten Geschlechterklischees ist (was stimmt!), sollten wir nicht vergessen, dass Fußballspielen in Monarchengewändern echt unpraktisch ist. Einer der Gründe, warum Buben nicht als Prince Charming verkleidet am Fußballplatz auftauchen. Oder sonst wo.

Der Begriff der Prinzessin ist gerade durch die lange und lukrative mediale Ausbeutung negativ-feminin konnotiert. Schwach, abhängig, hübsch und immer ein bisschen auf Hilfe angewiesen. Starke Mädchen jetzt plötzlich auch als Prinzessinnen zu bezeichnen, wird daran nichts ändern.

 

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