Diors Geheimnisse

Verehrt für seine Mode, geliebt für seine Parfums – doch was für ein Mensch versteckte sich eigentlich hinter der Fassade des großen Meisters? Wir verraten Ihnen fünf Dinge, die Sie höchstwahrscheinlich noch nicht über den Frauenversteher wussten.

1. Star wider Willen

Fast hätte es den großen Superstar Christian Dior niemals gegeben. Voller Selbstzweifel stand er seinem Glück gleich mehrmals selbst im Wege. Alles begann damit, dass er zufällig einen Bekannten aus Kindertagen auf der Straße traf und dieser ihn fragte, ob er nicht jemanden wüsste, der dem Modehaus von Textilmagnat Marcel Boussac neues Leben einhauchen könnte. Auf die Idee, sich selbst als Kandidaten vorzuschlagen, kam Dior nicht einmal.

Das Schicksal ließ jedoch nicht locker: Wenig später traf er den Freund ein zweites Mal – gleiches Spiel, gleiches Resultat. Erst als Diors damaliger Kollege Balmain sich selbstständig machte, dachte er plötzlich über die eigene Karriere nach. Und schlug sich bei der dritten Zufallsbegegnung mit dem Bekannten endlich selbst vor. Geschockt von seiner Courage, entschloss er sich kurz darauf, wieder einen Rückzieher zu machen. Doch es kam ganz anders. „Ich hörte mich plötzlich sagen, dass ich nicht gewillt wäre, sein altes Unternehmen wiederzubeleben, sondern gern ein neues Modehaus unter meinem eigenen Namen eröffnen würde. Am Ende musste ich den Schock aber erst mal verkraften, dass sich Boussac statt meines Neins einen Plan ausmalte, der sich doch sehr nach einem Ja anhörte“, erinnerte sich der Designer später.

Ein Ausschnitt aus dem Film "The Man behind the Myth" über das Leben von Christian Dior.

2. Heißhunger

Dior war definitiv kein Kostverächter! Neben seiner Passion für raffinierte Schnitte, schöne Stoffe und duftende Blumen hegte er eine unbändige Leidenschaft für Austern, Foie gras und Schokolade. „Während der Arbeit ist er immer wieder heimlich zum Chocolatier gegenüber gehuscht, um sich mit Pralinen einzudecken“, erzählt Haus-Historiker Bourdelier. Als Erfinder des Lizenzvertrags spielte er offenbar sogar mit dem Gedanken, das Dior- Sortiment nicht nur um Parfums oder Socken zu erweitern, sondern auch um Lebensmittel. „Wir könnten einen Dior-Schinken produzieren“, soll er seinem Geschäftsführer allen Ernstes vorgeschlagen haben. „Oder Roastbeef vielleicht?“ Über die Jahre entwickelte sich das Thema Essen für ihn zum regelrechten Ritual. Nach einem ersten Frühstück im Bett soll er angeblich gleich ein zweites im Salon eingenommen haben, während er nebenbei das Tagesmenü plante. Gerüchten zufolge verschlang er in New York sogar einmal fünf Hot Dogs auf der Straße – obwohl er gerade erst von einem üppigen Dinner kam.


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Christian Dior
Christian Dior kam im Jahr 1905 als Sohn einer wohlhabenden Großindustriellenfamilie in der Normandie zur Welt. Nachdem er ab Ende der 1920er-Jahre zunächst als Kunsthändler in Paris tätig gewesen war und nebenbei Modeskizzen für Zeitungen angefertigt hatte, begann er ab Ende der 1930er als Designer für verschiedene Modehäuser zu arbeiten. Einer seiner Kollegen war damals Pierre Balmain. Seinen persönlichen Durchbruch feierte er 1947 mit seiner „Glockenblumen-Linie“. Doch nach gerade mal zehn Jahren im Rampenlicht verstarb Dior 1957 in Italien an einem Herzinfarkt.

3. Cat Power

Sie haben sich vielleicht schon gewundert, dass Leopardenprints offenbar niemals aus der Mode kommen. Der Grund dafür ist eine ebenso elegante wie exzentrische Dame namens Mitzah Bricard - die Tochter einer Engländering und eines Österreichers. „Sie gehört zu den seltenen Personen, deren einziger Grund zu leben die Eleganz ist“, schwärmte Christian Dior einst über die Frau, die gleichzeitig seine Muse, Hutkollektionsverantwortliche und intimste Beraterin war.

Ihr Einfluss ist bis heute spürbar. Als Hommage an die Fashion-Ikone findet sich noch in jeder Dior-Kollektion ein Leoparden-Look wieder. Haus-parfümeur Francois Demachy widmete ihr vor einigen Jahren einen eigenen Duft in der Collection Privée, bei der alle Parfums die Namen wichtiger Orte, Ereignisse und Personen aus dem Leben des Designers tragen. Und sie war es auch, die dem Kultduft Miss Dior seinen Namen gab. Als sie sich nämlich eines Tages gemeinsam mit Christian Dior den Kopf zerbrach, wie sie den ersten Duft des Designers denn nun nennen sollten, schrie sie plötzlich auf: „Da schau her! Voilà, Miss Dior!“, als dessen Schwester überraschend den Raum betrat. Eine rein beiläufige Bemerkung, die bis heute Millionen von Parfumflakons ziert.InlineBild (6ba48a71)

4. Person non grata

Der Großteil der Damenwelt mag Christian Dior aufgrund seiner femininen Kreationen zu Füßen gelegen sein. Doch es gab sehr wohl auch Zeitgenossen, denen der Couturier ein Dorn im Auge war. Noch bevor seine Karriere in Fahrt gekommen war, zog Christian Dior schon den Groll seiner Nachbarschaft auf sich. Auf der Suche nach geeigneten Mannequins für seine erste Fashion Show entschloss er sich, ein Zeitungsinserat aufzugeben – zu einem Zeitpunkt, der nicht unglücklicher hätte gewählt sein können. Etliche Pariser Bordelle hatten aufgrund einer Gesetzesänderung kurz zuvor ihr Pforten schließen müssen. Und so kam es, dass am Castingtag eine ganze Horde arbeitssuchender Bordsteinschwalben in die sonst so beschauliche Avenue Montaigne gepilgert kam. „Sie vermuteten wohl, dass die nüchterne Fassade des Modehauses nur Tarnung für ein viel verruchteres Gewerbe war“, mutmaßte Dior damals. Doch gutmütig wie er war, gab er jeder Einzelnen eine Chance, statt sie gleich wieder auf die Straße zu setzen. Der wesentlich größere Eklat sollte jedoch erst nach der Kollektionspräsentation folgen. In Nachkriegszeiten, in denen der Notstand der gemeinen Bevölkerung immer noch groß war, schlug der ungewohnt großzügige, wenn nicht gar verschwenderische Umgang mit Stoffen (ca. 10 bis 25 Meter pro Kleid) ein wie eine Bombe. Während eines Fotoshoots im Stadtteil Montmartre wurden zwei seiner Mannequins sogar von aufgebrachten Straßenverkäuferinnen attackier. Und auch die Frauenrechtlerinnen hatten etwas zu meckern. Und zwar, weil Diors Rocksäume wieder bis zur Wade reichten und das Korsett offenbar wieder sein Comeback feierte. Konkurrentin Coco Chanel konnte sich ebenfalls den einen oder anderen gehässigen Kommentar nicht verkneifen: „Schau dir diese lächerlichen Frauen an, die Kleider tragen von einem Mann, der die Frauen nicht kennt, nie eine hatte und selbst davon träumt, eine zu sein.“ Die Welle der Empörung schlug sogar bis nach Amerika, wo ihn Frauenaktivistinnen bei seiner Ankunft mit Schildern wie „Christian Dior Go Home“ oder „Mr Dior, We Abhor Dresses To The Floor“ (= „Mr Dior, wir verabscheuen bodenlange Kleider“) empfingen.


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5. Dreimal schwarzer Kater

Als Christian Dior als 13-jähriger Junge auf einem Basar zum ersten Mal von einer Wahrsagerin die Zukunft voraussagen ließ, ahnte keiner, wie zutreffend ihre Prophezeiung war: „Die Frauen werden sich glücklich schätzen, dich zu haben, und dank ihnen wirst du erfolgreich sein. Du wirst ihnen ein Vermögen verdanken und weit reisen müssen.“ Als Erwachsener traf Christian Dior keine Entscheidung mehr, ohne vorher die Wahrsagerin seines Vertrauens, Madame Delahaye, konsultiert zu haben. Als er beispielsweise in Erwägung zog, eine neue Floristin zu engagieren, weil er beeindruckt von ihren Arrangements war, musste Madame Delahaye diese nichtsdestoweniger erst mal unter dem Vorwand einer Blumenbestellung zu sich locken, um ihr im Auftrag des Designers die Karten legen zu können. Erst als die Wahrsagerin ihr Okay zur neuen Floristin gab, engagierte er sie, ohne zu zögern. Warum auch nicht? Madame Delahaye schien schließlich immer richtig zu liegen ... Wie ausgeprägt sein Aberglaube war, spiegelt sich auch darin wider, dass er stets mehrere Talismane bei sich trug und den Spleen hatte, am Vortag jeder Fashion Show Maiglöckchen in die Säume aller Kleider zu nähen. Das erste und einzige Mal, dass er seinem ausgeprägten Aberglauben nicht nachgab und, entgegen Madame Delahayes eindringlichen Warnungen, eine Reise nach Italien unternahm, wurde er prompt „bestraft“: Der Designer starb 1957 in Montecatini Terme an einem Herzinfarkt.

 

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