Dinge beim Zelten, die mir als Kind nicht aufgefallen sind

Und die ich als Erwachsene nicht mehr aushalte. Ein Kommentar.

Dinge beim Zelten, die mir als Kind nicht aufgefallen sind

Wir waren eine Campingfamilie. Jahrelang haben meine Eltern, meine Schwester und ich unsere Urlaube mehrere Wochen auf coolen Campingplätzen in Europa verbracht. Wer jetzt an fancy Wohnwägen oder Wohnmobile denkt. Nein. Da liegt ihr falsch. Wir waren im Zelt. Bei Wind und Wetter. Einmal hat es so heftig gestürmt, dass wir das Zelt ins Klohäuschen getragen haben. Alles war nass. Bedeutete das, dass wir am nächsten Tag abreisten? Natürlich nicht!

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Wie man rausliest: Ich bin Wind und Wetterfest aufgewachsen. Und ich habe es geliebt. Nicht nur als Kind, auch als Teenagerin fand ich es großartig in meinem Campingsessel vor dem Zelt zu lesen, beim Zähneputzen einfach vors Zelt zu spucken und gerade bei Festivals war ich campingfest. Ich war es schließlich gewöhnt.

Inzwischen bin ich 28 und liebe schöne Hotelzimmer, Boutiquehotels und King-Size-Betten. Ich habe knapp zehn Jahre in keinem Zelt geschlafen. Aber verweichlicht bin ich deshalb nicht. Oder? Um das zu beweisen (und wieder mal ein kleines Abenteuer zu erleben) hab ich eine Kindheitsfreundin eingepackt, die früher öfter mit war zelten, und bin nach Italien gedüst, um auf einem Camping-Platz aus unserer Kindheit die Zelte (im wahrsten Sinne des Wortes) aufzuschlagen. Ein paar Erkenntnisse:

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  • Ich wurde nicht eins mit der Natur. Obwohl, eigentlich schon. Denn an irgendeinem Punkt bestand mein Körper zu sicher 30 Prozent aus Mückenstichen. Ich habe von 3 Tagen insgesamt 70 Mückenstiche. Entweder mir war das als Kind egal oder diese Tiere sind aggressiver geworden. Not sure. Aber nein. Einfach nein!
  • Ich weiß, man ist so alt, wie man sich fühlt, aber ebenerdig auf allen Vieren auf meine Schlafmöglichkeit kriechen… dafür bin ich zu alt. Noch schlimmer wieder hochkriechen. Und wenn die Luftmatratze dann noch etwas Luft verloren hat, sind Kreuzschmerzen den restlichen Tag garantiert. Nein danke!
  • Tag 1 waren wir noch überzeugt, dass wir, so wie früher, locker flockig einfach in der Wiese liegen können neben dem Pool. Weil wir sind jung, dynamisch und locker. Tag 2 haben wir dann die 4 Euro in eine Liege investiert, weil ehrlich, wenn ich schon in der Nacht quasi am Boden schlafe, ist es schön, wenigstens tagsüber einige Zentimeter zwischen mich und den Boden zu bringen.
  • Die Nähe. Oh, die Nähe. Die Nähe zu den Zeltnachbar*innen, zu den Menschen, die vorbeigehen, die Nähe zueinander, die Nähe, wenn man am Häusl sitzt zu den Menschen in der Kabine daneben. So viel Nähe. Zu viel Nähe. Und Camping-Menschen sind freundlich. Was heißt, sie wollen noch mehr Nähe schaffen, als es ohnehin schon gibt. Ich bin ein Introvert, Jesus Christ. Ich möchte keine Nähe.
  • Waschhäuser. Ich mochte das Konzept als Kind. Warum auch immer. Ich fand es damals cool, nachts mit einer Taschenlampe und einer Rolle Klopapier bewaffnet durch den Pinienwald zum Klohäusl zu marschieren. Damals. Ich bin 28. Ich will nicht 300 Meter um 4 Uhr früh mit einer Taschenlampe und Klopapier durch den Wald gehen, nur weil ich zu viel Wasser vorm Bettgehen getrunken hab. Das klingt wie der Beginn eines Horrorfilms.
  • Die Temperatur. Das Schöne an einem Zelt ist, man ist ganz nah an der Natur. Man liegt am Boden, nur ein Stück Stoff trennt einen von der frischen Luft. Mega! Aber wisst ihr, was das auch heißt? Das heißt, dass die Temperatur im Zelt gleich die von draußen ist. Ist es dort heiß, ist es drinnen heiß. Ist es dort kalt, ist es drinnen kalt. Was heißt, dass es ab 7 Uhr früh im Zelt eigentlich zu warm ist, um noch zu liegen und in der Nacht so kalt, dass ich mir einen ordentlichen Sommer-Schnupfen geholt hab. Na danke!
  • Erde. Sand. Dreck. Was auch immer du mit deinem Körper den Tag über berührst, ist vermutlich dann auch in deinem Bett bzw. in deiner Schlafstätte. Denn es gibt nur draußen und den Ort, wo du schläfst. Dass man zum Waschhaus geht, sauber wird, dann wieder zurück kommt und sauber schlafen geht ohne Dreck, Sand oder Erde an den Füßen ist übrigens auch eine Illusion.
  • Ich denke, ich werde es im nächsten Schritt mit Glamping probieren. Aufgeben tu ich noch nicht.
 

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