In dieses Wien-Video sind gerade alle verliebt

"VIE ARE ORDINARY. NO!" fängt einen Moment in der Hauptstadt ein und versucht dabei, alle Sinne anzusprechen. Wir haben mit den Machern gesprochen.

Einen Spaziergang durch Wien einzufangen, inklusive aller Geräusche, Eindrücke und Faszinationen: Das hat die Design-Agenturprettyafternoon in einem 1:58 Minuten langen Video gemacht. Wenig überraschend sind Viele von den eindrucksvollen Bildern begeistert, und so hat das Video schon über 60.000 Views auf Vimeo, auch Armin Wolf hat das Video geteilt.

Franz Teuchmann von prettyafternoon hat das Video konzeptioniert und umgesetzt. Wir haben mit ihm über das touristische Bild Wiens gesprochen, und wie das Video zustande gekommen ist.

Was war die Intention hinter dem Video „VIE ARE ORDINARY. NO!“?

Wir wollten nicht nur ein paar schöne Aufnahmen machen sondern einen Moment der Stadt einfangen, sowohl auf visueller als auch auf auditiver Ebene. Dies war auch für uns eine neue Erfahrung, die sehr spannend und unglaublich inspirierend war.

Wie lange habt ihr an dem Projekt gearbeitet?

Alles in allem ca. 4 Wochen. Wobei teilweise auch mit Archivmaterial gearbeitet wurde.

Nach welchen Kriterien habt ihr die verschiedenen Schauplätze ausgesucht?

In der Konzeptionsphase hatten wir uns eine Liste mit mehreren Schauplätzen erstellt. Bei der Umsetzung war uns jedoch schnell klar, dass wir uns von der Emotion der Stadt leiten lassen müssen. Schlussendlich hatten wir bei den ausgewählten Szenerien das beste Gefühl. So haben sich die Szenen gefügt und die Musik hat sie getragen. Leider mussten wir auch in der Postproduktion auf einige Einstellungen verzichten. Einerseits wegen der knappen Länge die wir angestrebt haben und andererseits weil sie einfach nicht die richtige Stimmung erzeugten.

Inwiefern unterscheiden sich die gezeigten Bilder vom typischen Bild, das Fremde über Wien haben oder das der offizielle Wien-Tourismus propagiert?

Oft wird ein Wienurlaub mit einer Zeitreise in die Vergangenheit verglichen. Ohne Zweifel bietet die Stadt eine Vielzahl an geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten. Doch auch wenn eine Stadt schön, romantisch und traditionsreich ist, muss eine „hippe, junge und inspirierte“ Darstellung kein Widerspruch sein.

Im Vergleich zur herkömmlichen Darstellung, in der vor allem Wiens Hauptattraktionen dargestellt werden, ging es uns besonders um die kleinen Details dazwischen. Das „Läuten“ der Straßenbahn, der Sonnenuntergang über den Dächern, die Atmosphären der touristischen Hotspots. Mit jedem Schritt, Atemzug und Lidschlag erzeugt jeder einzelne eine unverkennbare Note, die Wien sowohl visuell als auch auditiv einzigartig macht.

Genau das galt es einzufangen. Zumindest einen Ausschnitt - einen kurzen Moment!

Als Design-Agentur setzt ihr normalerweise Projekte für Kunden um. Die Produktion sieht ziemlich teuer aus, wie finanziert sich das?

Es war ein Herzensprojekt und im Vordergrund stand für uns nur die künstlerische Freiheit. Wenn man nach keinen vorgegebenen Kriterien arbeiten muss und sich ohne Vorgaben frei bewegen kann, erweitert das den Horizont unglaublich und bringt neue Perspektiven und kreativen Input für zukünftige kommerzielle Projekte auf die wir uns schon sehr freuen. Bei diesem Projekt haben wir uns selbst nur eine einzige Vorgabe gegeben - ein Video zu machen, perfekt zugeschnitten auf die Aufmerksamkeitsspanne der heutigen (Social Media)-Generation. Eine perfekte Kombination aus auditiven und visuellen Aspekten, welche den Zuschauer packt und nicht mehr loslässt und im besten Fall dazu zwingt es wieder und wieder anzusehen. Nach dieser Vorgabe haben wir die Dauer des Videos und die Dramaturgie-Kurve aufgebaut.

Anfang des Jahres ging ein ähnliches Video, „A Taste of Vienna“ viral, hat euch das inspiriert?

"A Taste of Vienna" ist ein sehr schönes Video. Jedoch war es nicht unsere Inspiration. Für uns ist das eher die traditionellere Darstellungsweise von Wien. Genau davon wollten wir ausbrechen. Hierfür waren klar die Arbeiten von Leonardo Dalessandri eine große Inspiration. Seine Art Geschichten zu erzählen ist genau am Puls der Zeit und daran wollten wir uns anschließen.

Was hat euch am meisten Spaß gemacht, bzw. was war die größte Herausforderung in der Produktion des Videos?

Am schönsten war es Wien neu zu erkunden. Wenn man in einer Stadt lebt, nimmt man so viele Sachen für selbstverständlich. Bei den Dreharbeiten haben wir unglaublich viele Orte besucht, an denen wir sonst nur vorbeigegangen sind. Doch jetzt sind wir bewusst stehen geblieben und haben Wien auf uns wirken lassen und gelauscht. Dabei haben wir uns Szene für Szene neu in unsere Heimatstadt verliebt. Deshalb nennen wir es nun auch eine Liebeserklärung an Wien.

Eine Herausforderung war ganz bestimmt die vielen unterschiedlichen Schauplätze zu besuchen und aus der unglaublichen Ansammlung an schönen Aufnahmen ein Video von 1:58 Minuten zu formen.

Wie waren die Reaktionen bis jetzt?

Die Reaktionen waren so vielfältig wie die Bilder im Video. Man merkt klar den Unterschied zwischen der älteren und der jüngeren Generation. Vielen ist die schnelle Bildfolge doch etwas zu flott um die einzelnen Eindrücke wahrnehmen zu können. Man muss sich das Video so vorstellen, als würde man im echten Leben durch die Stadt gehen. Man ist einer enormen Menge an Informationen ausgesetzt, welche nicht alle verarbeitet werden können. In diesem Fall selektiert unser Gehirn aus und legt unseren Fokus auf einige wenige Reize. Durch unser Video haben wir die Möglichkeit geschaffen, den Moment wieder und wieder zu erleben - um mit jedem Mal etwas Neues zu entdecken zu können.

 

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