Dieses Museum zeigt ein Jahr lang nur noch Künstlerinnen

Künstlerinnen wurden in der Kunstgeschichte lange unsichtbar gemacht - nun werden sie immer öfter vor den Vorhang geholt. Das Londoner "Tate Museum" widmet den weiblicher Kunst gleich ein ganzes Jahr lang seine Aufmerksamkeit. Und auch in Wien stellen mehrere neue Ausstellungen Künstlerinnen in den Fokus.

Schon einmal etwas von Paula Modersohn-Becker, Élisabeth Vigée-Lebrun oder Bridget Riley gehört? Drei Künstlerinnen, die für ihre Epoche prägend waren - und trotzdem heute, Jahre später, bei vielen in Vergessenheit geraten sind.

Es ist ein Schicksal, das vielen Künstlerinnen schon zu Lebzeiten oder spätestens nach ihrem Tod ereilte: Während ihre männlichen Künstlerkollegen weltweiten Ruhm ernteten, wurde den Frauen nur selten Erfolg vergönnt. Ihre Errungenschaften waren kaum beachtet, wurden klein gehalten oder für unbedeutend erklärt.

Heute wissen wir, dass einige von ihnen ihre Epochen prägten oder ihnen sogar voraus waren. So etwa Élisabeth Vigée-Lebrun, eine gefragte Porträtmalerin des 17. Jahrhunderts, die zu Lebzeiten in Adelskreisen Berühmtheit erlangte und historische Größen wie Marie-Antoinette porträtierte. Oder Paula Modersohn-Becker, die mit ihren Gemälden Anfang des 20. Jahrhunderts dem Beginn der Moderne Jahre voraus war - aber lange Zeit von der Kunstgeschichte dafür wenig Anerkennung fand.

Heute kommen diese Persönlichkeiten langsam ans Licht und stoßen auch beim kunstinteressierten Publikum auf immer größere Beliebtheit. Gesellschaftliche Bewegungen wie #metoo haben dem "Trend" noch einen weiteren Push verpasst.

Auf Zeit: Männliche Künstler müssen weichen

So ist auch die Londoner "Tate Modern" ebenfalls auf den Zug aufgesprungen - natürlich nicht ganz uneigennützig. Ab April 2019 möchte das Museum für moderne Kunst ausschließlich Werke weiblicher Künstlerinnen zeigen. Ingesamt 60 Werke von 30 Künstlerinnen, darunter jene von Bridget Riley, Rachel Whiteread und Sarah Lucas, sollen die Geschichte der britischen Kunst ab 1960 abbilden.

Tate Modern

"Ausstellungshäuser machen Fortschritte, wenn es darum geht, Künstlerinnen zu zeigen, aber das geht noch viel zu langsam", erklärt Maria Balshaw, Direktorin der "Tate", die mit dem Fokus auf Frauen auch PR-technisch in den letzten Wochen einen Coup gelandet hat. Der Fokus auf Frauen ist in der Tate eigentlich nichts Ungewöhnliches: schon in den letzten Jahren fiel das Museum durch seine Bemühungen, weibliche Kunst in die Universalschauen zu bringen, auf. Allerdings ganz ohne daraus eine große Sache zu machen - moderne Kunst von Künstlerinnen wurde ganz selbstverständlich ausgestellt - sie war einfach da. Die radikale Idee männliche Künstler - zumindest auf Zeit - komplett aus der Tate zu verbannen, dürfte also auch durchaus auf die mediale Aufmerksamkeit abgezielt haben.

Ziel von Tate-Direktorin Balshaw ist es jedenfalls, dass trotz allem die "radikale" Veränderung niemandem auffällt - dass Kunst von Frauen genauso wie von Männern als natürlich und nicht außergewöhnlich betrachtet wird.

Doch das ist auch 2019 noch alles andere als selbstverständlich. Viele Museen kämpfen mit eben jener Problematik - Künstlerinnen werden als "Special-Interest"-Kategorie ausgestellt, statt sie - wie bei ihren männlichen Kollegen üblich - ganz selbstverständlich in den historischen Universal-Kanon der Sammlungen aufzunehmen.

Künstlerinnen Tate Modern

Und Österreich?

Die Bestrebungen auch in den großen österreichischen Museen mehr Fokus auf Frauen zu legen, sind 2019 gleich in mehreren heimischen Museen evident.

Ab Ende Jänner (25.1. bis 19.5.) zeigt das "Untere Belvedere" etwa in "Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938" eine umfassende Werksschau jener Künstlerinnen, die zur Zeit der Wiener Moderne und der Ersten Republik in Österreich mit ihren Werken einen wesentlichen Beitrag zum Kunstgeschehen geleistet haben.

Auf den Frauenfokus setzt auch das "Wiener Kunstforum" (15.2.-23.6.) und stellt in "Flying High" Künstlerinnen der Art Brut aus. Im Museumsquartier setzt das "Leopold Museum" auf die impressionistische Malerin Olga Wisinger-Florian (24.5. - 21.10.), im "mumok" gegenüber wird zeitgenössische Kunst von Dorit Margreiter-Schau gezeigt.

Als Herbst-Highlight setzt schließlich auch die "Albertina" auf eine der bekanntesten heimischen Künstlerinnen: Die Maria Lassnig-Schau startet ab 6. September.

Wenngleich die Bemühungen vergessene Namen aus den Archiven zu holen, löblich sind, bleibt letztlich auch hier abzuwarten, welche Gemälde es tatsächlich in die großen Universalschauen der Museen schaffen. Bis der Anteil weiblicher Künstlerinnen in heimischen Museen einen signifikanten Wert annimmt, wird es wohl noch einige Jahre dauern.

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