Dieser wunderschöne Instagram-See? Ist eine chemische Müllkippe.

Türkisblaues Wasser, dass die Karibik neidisch wird und das mitten in Sibirien! Was wie ein Instagram-Traum ansieht, ist eine chemische Mülldeponie.

Sibirischer "Traumsee" ist eigentlich eine Mülldeponie

Zugegeben: Das strahlende Blau, das sanft in ein himmlisches Türkis übergeht, macht sich richtig gut als Kulisse. Ein bisserl Karibik in der Umgebung von Novosibirsk, mitten in Sibirien. Die Industriestadt ist eher für ihre metallurgische Industrie und extrem kalten Winter (Durchschnittswerte von -22 Grad im Jänner!) bekannt, als für idyllischeTraumstände. Natürlich strömt also alles, was auch nur einen Hauch G'spür für Instagram-Ästhetik hat, in Scharen zu dem zauberhaften See.

Nur: Das Gewässer ist kein natürliches Kleinod, sondern von Menschen angelegt und eigentlich die Müllkippe des örtlichen Elektrizitätswerks. Dieses umwerfende Blau ist nicht der Reflexion eines wolkenlosen Himmels geschuldet, sondern den Calziumsalzen und Metalloxiden im Wasser, so die Betreiber des Kraftwerkes. Das hindert BesucherInnen nicht, am Ufer des Sees Yoga zu machen, sich in instaworthy Posen zu werfen und verträumt aufs Wasser zu schauen. "Die Malediven von Novosibirsk" nennen sie das Örtchen. Ganze Social-Media-Profile sind seinem Antlitz gewidmet!

Nicht giftig, nicht verstrahlt - aber besser trotzdem nicht drin schwimmen!

Die Siberian Generating Company, die das Kraftwerk betreibt, hat nun eine Warnung veröffentlicht. Das Wasser sei zwar nicht giftig und die Strahlungswerte normal, beteuern die Betreiber. Durch die Kohlenasche, die in den See gepumpt wird, sei der pH-Wert des Wassers allerdings sehr hoch, das könnte allergische Reaktionen auslösen. "Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass niemand bei der Selfie-Jagd in die Aschedeponie fallen sollte!", warnt das Unternehmen.

Einmal ins Wasser gefallen, dürfte man dank des extrem schlammigen Grundes auch nur schwer wieder rauskommen, so das Unternehmen weiter. Den Menschen ist's wurscht: Sie paddeln mit Stand-Up-Paddelboards fröhlich über das türkisblaue Wasser oder posieren in aufblasbaren Flamingo-Luftmatratzen. Eine Userin winkt auf Instagram gar ab, die "Gefahr" würde völlig übertrieben dargestellt werden. "Natürlich sollte man nicht in dem Wasser schwimmen, aber wegen eines einstündigen Fotoshootings wird dir keine dritte Hand wachsen", schreibt sie unter ein Posting, wie die New York Times übersetzt.

Andere UserInnen zeigen eine andere Seite des "Naturjuwels": rostige Rohre, aus denen Ascheschlacke in das Seewasser plätschert, gewaltige Schornsteine im Hintergrund. Also doch eher Industriecharme als Karibiktraum.

 

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