Dieser Schauspieler zeigt vor, wie Männer mit #metoo umgehen sollten

Der Schauspieler Sebastian Schipper hält nichts von Victim-Blaming nach #MeToo und kritisiert auch Michael Haneke.

Sebastian Schipper ist ein bekannter Schauspieler und Regisseur ("Victoria") aus Deutschland. Und er hat auch schon mit Dieter Wedel zusammengearbeitet - jenem Mann, dem mehrere Frauen sexuellen Missbrauch vorwerfen.

Und er hat in einem aktuellen "Spiegel"-Interview klare Worte für alle Männer, die sich zur #MeToo-Bewegung äußern: "Meine Wortmeldung ist exklusiv an Männer gerichtet: Ich glaube, es ist der erste wichtige Schritt in der aktuellen Situation für uns, erst einmal zuzuhören, statt den Themenkomplex sexuelle Belästigung zu kapern. Wir müssen über Sexismus und Missbrauch reden - aber untereinander."

Er wendet sich speziell an den Schauspieler Ulrich Tukur, der gesagt hat, es tue ihm Leid, dass Wedel nun Vorwürfen von Belästigung und Vergewaltigung ausgesetzt ist. "Das Interview war jedoch an Ignoranz, Dickhäutigkeit und unangebrachter Flapsigkeit kaum zu übertreffen", so Schipper. Er findet, Tukur sollte sich in der Debatte nicht zu Wort melden, da er nichts beizutragen habe.

Der Schauspieler kritisiert auch Michael Haneke

Für Schipper ist klar: "Es geht nicht darum, dass jetzt keine Fehler mehr gemacht werden dürfen. Es geht darum, dass Übergriffe und schlechtes Benehmen als Fehler benannt werden - und dass die betreffenden Leute Verantwortung übernehmen. Ansonsten normalisiert man Missbrauch." Auch über Michael Haneke und seine Aussage, #MeToo gleiche einer "Hexenjagd", die von Männerhass getrieben wird, ist der Schauspieler bestürzt: "Für mich ist er der größte lebende Filmemacher, aber das Wort "Hexenjagd" ist in diesem Zusammenhang unsinnig. Damit bringt er ja zum Ausdruck, das Wesentliche an der Debatte um Missbrauch von Frauen sei, dass Männern Unrecht getan werde. Das ist an Groteskheit kaum zu überbieten."

Und weiter: "Was wir Männer zu lernen haben, ist: Diese Welt ist in ganz großen Teilen auf uns ausgerichtet. Was für ein unglaubliches Privileg das bedeutet, dass wir per se keine Angst haben müssen, dass man uns vergewaltigt, dass man uns lächerlich macht. Dass wir nicht ständig überlegen müssen, ob wir uns in bestimmten Situationen in Gefahr bringen! Das ist vielen von uns - inklusive mir - noch nicht in vollem Umfang bewusst." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

 

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