Dieser Mann sagt: "Sexismus ist unmännlich!"

Auch jenseits von angezeigten ­Gewaltdelikten sind sie überall: Männer, die dumpfen Sexismus absondern, meint Robert Franken.

Männer, die wir mögen: In unserer Rubrik "Hawara der Woche" stellen wir regelmäßig Männer vor, die sich für Gleichberechtigung und Frauenrechte einsetzen. Heute: Robert Franken, der anlässlich unserer "Sexisten des Jahres" einen Gastkommentar über Sexismus geschrieben hat.

Nachts, auf dem Heimweg aus der Kneipe, kann ich das Unbehagen der Frau, hinter der ich zufällig durch die dunklen Straßen laufe, beinahe spüren. Vermutlich bin ich die geringste denkbare Bedrohung für sie, nur weiß sie das leider nicht. Denn ich bin Teil einer Gruppe von Menschen, deren Vertreter für Frauen tatsächlich gefährlich sind. In Deutschland etwa werden laut Bundeskriminalamt mehr als 100.000 Frauen Jahr für Jahr Opfer von Gewalt – alleine in der Partnerschaft. 

"Man dürfe dies oder jenes ja gar nicht mehr laut sagen."


Aber auch jenseits von angezeigten ­Gewaltdelikten sind sie überall: Männer, die dumpfen Sexismus absondern. Der Vorwand: Man dürfe dies oder jenes ja gar nicht mehr laut sagen. Der Mythos: feministische Zensur und außer Kontrolle geratene soziale Kontrollnormen. Was für eine schlimme Weltsicht! 

Als heterosexueller Mann gehe ich nicht davon aus, dass eine Frau sich meine körperliche Nähe wünscht. Und aus meiner Sicht gibt es nichts Unmännlicheres als Sexismus.
von Robert Franken

Es ist doch so einfach, auch latenten Sexismus zu kontrollieren


Als ­heterosexueller Mann z. B. gehe ich schlicht nicht davon aus, dass eine Frau sich meine körperliche Nähe wünscht, es sei denn, sie sendet mir eindeutige Signale. Ein Nein ist auch dann zu akzeptieren, wenn vorher ein Vielleicht im Raum stand. Was ist daran so schwer zu begreifen?

Bei vielen Männern scheint jedoch selbst ein Mindestmaß an Respekt und Affektkontrolle zu fehlen. Woher sonst kommt der beißende Sexismus, der sich in letzter Zeit auf allen Kanälen gänzlich ungefiltert Bahn zu brechen scheint? Soll das eine neue Männlichkeit verkörpern? Ich verzichte. 

Der amerikanische Psychiater Terry A. Kupers bezeichnete das Phänomen, wenn die Herabwürdigung von Frauen eine Bedingung für die eigene (männliche) Bedeutungskonstruktion darstellt, einst als „toxische Maskulinität“. Und nichts anderes ist ein solches Verhalten: Es ist Gift. 

Aus meiner Sicht gibt es nichts Unmännlicheres als Sexismus.


Und zwar gar nicht so sehr im Sinne „antiseptischer“ politischer Korrektheit. Man(n) kann einen dreckigen Witz machen, wenn die eigene Einstellung stimmt. Wer weiß, dass das, was er sagt, andere verletzen kann, der übernimmt Verantwortung. Dumpfe Misogynie ist das Gegenteil davon. 

Unserer Verantwortung können wir auf unterschiedliche Arten gerecht werden, zum Beispiel in der Erziehung unserer Söhne (und Töchter). „Nein heißt nein“ ist dabei eine gute Richtschnur. Aber wir können und müssen das auch und vor allem durch unser eigenes Verhalten tun. ­Affektkontrolle ist schließlich eine Fähigkeit, die uns vom Tier unterscheidet. In Sachen Empathiefähigkeit haben manche Tiere einigen Männern ­allerdings offenbar etwas voraus.

Robert Franken berät Firmen zu Digital Transformation und Diversity. Er ist Deutscher, Feminist und Blogger (Digitale Tanzformation). Er ist Beirat von PANDA, der Competition für weibliche Führungskräfte, und hat zuletzt die Plattform „Male Feminists Europe“ gegründet.

 

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