Diese Lebensmittel können Migräne auslösen

Dass es einen Zusammenhang zwischen Migräne und Ernährung gibt, ist bekannt. Wie genau dieser ausschaut, kommt erst nach und nach zum Vorschein. Spezialist für Allergien und Unverträglichkeiten, Dr. Peter Komericki, verrät die neuesten Erkenntnisse. Denn einiges, was bisher als Auslöser galt, ist in Wahrheit harmlos.

„Migräne ist eine von vielen Kopfschmerzvarianten, der Begriff wird aber häufig synonym verwendet, wie Dr. Peter Komericki, Spezialist für Allergien und Unverträglichkeiten, erklärt. Zur Klärung, ob Nahrungsmittel als Auslöser in Frage kommen, empfiehlt er ein Ernährungs- und Beschwerdetagebuch zu führen, in dem Auffälligkeiten bei der Ernährung, aber auch Medikamenteneinnahmen dokumentiert werden. Im WIENERIN-Interview erklärt er die Zusammenhänge.

Inwiefern hängen Ernährung und Migräne zusammen?

Peter Komericki: Unterschiedlichste Nahrungsmittelbestandteile wie biogene Amine wie Histamin, Tyramin (entsteht bei der Zersetzung von Käse, Rotwein und Schokolade), Serotonin und Alkohol sowie Kaffee werden als Auslöser von Migräne diskutiert.

Welche Lebensmittel können Migräne auslösen und warum ist das so?

Eiweißreiche und länger gelagerte sowie enzymatisch gereifte Nahrungsmittel (also z.B. reife Käsesorten, geräucherter Fisch, Würste, Sekt, Rotwein, Champagner) enthalten biogene Amine. Der wichtigste Vertreter ist Histamin. Histamin kann über den Stickoxidstoffwechsel eine mit Kopfschmerzen einhergehende Hirngefäßerweiterung verursachen. Personen mit einem Mangel an Diaminoxidase, kurz DAO, können mit der Nahrung zugeführtes Histamin nicht ausreichend abbauen, sodass in diesen Fällen Nahrungs-Histamin Migräne auslösen kann. Sulfite in Weinen sind ebenfalls ein bekannter Kopfschmerzauslöser. Alkohol kann durch Entwässerung sowie durch sein toxisches Abbauprodukt Acetaldehyd Kopfschmerzen verursachen. Kaffee bietet ein widersprüchliches Bild. Manche Studien präsentieren Kaffee als Kopfschmerzauslöser, andere wiederum zeigen, dass strikte Kaffeekarenz zu verstärkter Kopfschmerzneigung führt und Vieltrinker seltener Kopfschmerzen haben.

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Auf welche Lebensmittel sollte man ganz verzichten, bei welchen heißt es den Konsum reduzieren?

Da heißt es beobachten. Wenn alkoholische Getränke nicht vertragen werden sollte man diese reduzieren, meiden bzw. durch besser bekömmliche ersetzen. Frische Nahrungsmittel enthalten keine bis sehr wenig biogene Amine, weshalb diese länger gelagerten Produkten vorgezogen werden sollten. Bei einem DAO-Mangel kann durch die Einnahme von DAO-Kapseln vor dem Essen Abhilfe geschaffen werden. Grundsätzlich gilt, dass schlecht vertragene Nahrungsmittel gemieden werden sollten, wobei auf eine insgesamt ausgewogene Ernährung zu achten ist, um einen Nährstoffmängel zu vermeiden.

Ist das bei allen Menschen so?

Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne sind ein häufiges Phänomen. Ein Teil der Betroffenen gibt Nahrungsmittel-assoziierte Beschwerden an.

Was haben Glutamat, Zucker und Fett mit Migräne zu tun?

Glutamat ist eine Aminosäure und stellt einen wichtigen natürlichen Bestandteil in zahlreichen Lebensmitteln dar. Anekdotische Berichte von Glutamatunverträglichkeit (Chinarestaurant-Syndrom) werden mittlerweile als Falschinterpretationen gesehen. Zucker und Fette, die vielgestaltig in unterschiedlichsten Nahrungsmitteln teils reichlich vorhanden sind haben keinen bewiesenen Einfluss auf Migräne.

Welche Lebensmittel und Speisen wirken sich positiv auf den Kopf aus und lindern die Beschwerden? Und warum ist das so?

Das Vermeiden von Auslösern in der Ernährung kann Symptome abschwächen. Nahrungsmittel, die umgekehrt zur Therapie von Migräne eingesetzt werden können, existieren nicht.

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