Diese jungen Frauen werden für ihren eigenen Tod beschuldigt

Der schreckliche Fall von zwei ermordeten Touristinnen aus Argentinien löst eine Debatte über Täter-Opfer-Umkehr aus.

Alles, was María José Coni (22) und Marina Menegazzo (21) machen wollten, war ungestört zu verreisen. Die zwei argentinischen Frauen reisten wochenlang an der Westküste Südamerikas herum - von Lima und Peru bis nach Ecuador.

Doch ihre Reise nahm kein gutes Ende. Am 22. Februar wurden sie als vermisst gemeldet, zwei Tage später tot am Strand gefunden; in einem Plastiksack, erstochen. Diverse Medien berichten, dass ihnen im Surferort Montañita das Geld ausgegangen sei. Unter dem Vorwand, ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten, hätten zwei Männer die beiden zu sich nach Hause gelockt und noch in derselben Nacht getötet. Zwei Verdächtige sollen die Tat bereits gestanden haben.

Soll eine junge Frau alleine die Welt entdecken dürfen?


Jetzt löst der Fall eine Debatte über die Selbstbestimmung von Frauen aus. Denn anstatt die Täter zu beschuldigen, meldeten sich viele Stimmen zu Wort, die nach den Handlungen der Opfer fragen. Wie María und Marina sich selbst einem Risiko aussetzten, nicht nachgedacht haben, warum sie überhaupt alleine gereist sind.

Die paraguayische Studentin Guadalupe Acosta reagierte auf diese Kommentare mit einem offenen Brief - aus der Sicht der Opfer. "Ayer me mataron", beginnt sie, "gestern wurde ich umgebracht. [...] Aber schlimmer als der Tod war die Demütigung danach." Anstatt zu fragen, wer der "Hurensohn" gewesen sei, der ihrem Leben ein Ende gesetzt habe, hätten alle das Verhalten der beiden ermordeten jungen Frauen hinterfragt. "Wie warst du angezogen?", "Warum warst du allein unterwegs?", "Weshalb geht eine Frau alleine auf Reisen?", "Du hast dich in ein gefährliches Viertel gewagt, was hast du erwartet?"

Ayer me mataron.Me negué a que me tocaran y con un palo me reventaron el cráneo. Me metieron una cuchillada y dejaron...

Posted by Guadalupe Acosta on Dienstag, 1. März 2016


Ihr Beitrag wurde über 700.000 Mal geteilt und zeigt, dass die Gesellschaft noch immer zu oft Frauen dafür beschuldigt, wenn ihnen schreckliche Dinge zustoßen. Wären zwei junge Männer umgebracht worden, schreibt die Studentin weiter, so hätte es nur Mitgefühl gegeben. Doch sind zwei Frauen die Opfer, sucht man den Fehler bei ihnen, weil sie das Verbrechen selbst provoziert hätten.

Alleine zu reisen darf nicht vom Geschlecht abhängen


Unter dem Hashtag #viajosola ("Ich reise alleine") twittern Frauen seitdem, warum sie ihr Recht, alleine zu reisen, nicht aufgeben wollen, nur weil sie Frauen sind:

 

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