Diese Frau wurde vergewaltigt - und steht jetzt mit ihrem Täter auf der Bühne

Die beiden erzählen eine Geschichte von Heilen und Vergebung und bringen bald ein Buch heraus.

Ob man nach einer Vergewaltigung vergeben kann oder sich je wieder geheilt fühlt, ist eine sehr individuelle Angelegenheit und man kann kein Beispiel mit einem anderen vergleichen. Es gibt keinen "richtigen" Weg mit Vergewaltigung umzugehen. Das wissen auch Thordis Elva und Tom Stranger. Sie teilen ihre Geschichte nicht, damit andere sie nachmachen können, sondern um die Botschaft zu verbreiten, dass Heilung möglich ist. Die beiden sind Co-Autoren des Buches "South of Forgiveness", und darin erzählen die beiden von der Geschichte, die sie "den dunkelsten Moment ihres Lebens" nennen. Seit zwei Jahrzehnten kämpfen sie damit. Ted hat nun den Vortrag gepostet, den die zwei am TEDWoman2016 in San Francisco letzten Oktober gehalten haben.

"So stellt man sich keine Vergewaltigung vor"

Die Vergewaltigung hat sich in Island zugetragen, als Thordis 16 Jahre alt war und der Australier Tom für ein Jahr als Austauschstudent ihre High School besucht hat. Eines Nachts hat er sich ihr aufgezwungen, obwohl sie zu betrunken war um sich zu wehren. Obwohl sie tagelang geweint und gehinkt hat, kam das Wort "Vergewaltigung" ihr nicht in den Kopf. Das war nicht, was sie über Vergewaltigung wusste: Es war kein Fremder, der ihr in einer dunklen Gasse hinter dem Busch aufgelauert hatte. Es passierte in ihrem Bett, und der Vergewaltiger war ihr Freund.

Nach 9 Jahren wieder Kontakt mit dem Vergewaltiger

Als sie 25 war hatte sie so viel Wut und Misstrauen in sich, dass sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Tom erzählte, dass er eine Leere und ein Schuldgefühl in sich herumtrug, aber sich niemals lang genug traute hinzusehen, um tatsächlich darüber nachzudenken. Bis Thordis Tom einen Brief über ihre Gefühle schreib, was eine 8-jährige E-Mail-Konversation anstieß. Schließlich trafen sie sich in Kapstadt.

"Ich dachte, ich hätte Anspruch auf ihren Körper"

Tom hielt lange daran fest, dass er kein schlechter Mensch sei. Aber zuzugeben, dass der Thordis vergewaltigt hatte, befreite in beiden etwas. "Meine Tat war selbstzentriert. Ich fühlte, dass ich Anspruch auf ihren Körper hatte." Für Thordis brauchte es Jahre, zu verstehen, dass nicht ihr Lächeln, nicht der Alkohol, nicht ihr Vertrauen schuld an ihrer Vergewaltigung waren. Sondern dass nur einer ihre Vergewaltigung hätte stoppen können - und zwar ihr Vergewaltiger.

Darf der Täter zu Wort kommen?

Es kann sehr irritierend sein, einen Vergewaltiger und sein Opfer gemeinsam auf der Bühne zu sein, Thordis und Tom haben das beim anschließenden Q&A angesprochen. "Ich verstehe diejenigen, die mich dafür kritisieren einem Täter eine Stimme in dieser Diskussion zu geben", so Thordis. "Aber ich glaube, dass wir viel lernen können, wenn wir denjenigen zuhören, die Teil des Problems waren, wenn sie bereit sind, Teil der Lösung zu werden. Wir lernen darüber, welche Ideen und Attitüden ihre Tat befeuert haben, und wie wir dagegen vorgehen können."

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