Diese "Artothek" vermietet Kunst an WienerInnen - für ein paar Euro

Die MUSA Artothek verleiht große Kunst für kleines Geld an KunstliebhaberInnen und solche, die es noch werden wollen.

Geliehene Kunstwerke fürs Eigenheim

Wem die eigenen vier Wände zu Hause etwas zu kahl sind und wer trotz großer Liebe zur österreichischen Gegenwartskunst nicht immer das nötige Kleingeld dafür aufbringt, kann seine buntesten Träume trotzdem leben: mit der MUSA Artothek. Hier kann man seit 1979 große Meisterwerke aktueller, österreichischer Gegenwartskunst für kleines Geld leihen. Anders als bei einer flüchtigen Begegnung in einer Ausstellung können sich MUSA Artothek-KundInnen über eine gewisse Zeit in der eigenen Umgebung mit der Qualität und Aussage einer Arbeit in besonderer Weise auseinandersetzen. Die maximale Entlehndauer eines Werkes beträgt ein Jahr. Pro Haushalt dürfen maximal vier Originalkunstwerke ausgeliehen werden.

Es ist faszinierend zu sehen, wie treffsicher manche in wenigen Griffen vier Bilder auswählen, die absolut stimmig zusammenpassen. Andere brauchen dafür einen halben Tag."

von Michaela Nagl, MUSA Artothek-Expertin

Fachgerecht gerahmt (in den praktischen, tragbaren Formaten 50 x 65 und 65 x 85) und in eigens dafür von der MUSA Artothek zur Verfügung gestellten Kartons samt Tragegriff kann jedes Bild für € 2,50 pro Werk direkt mit nach Hause genommen werden.

Einfach einpacken und ausleihen

Gegen Vorlage eines Meldezettels (und eines amtlichen Lichtbildausweises bei der ersten Entlehnung) und für einen Unkostenbeitrag von nur € 2,50 pro Monat und Werk darf sich seit 1979 (!) jede/r WienerIn Originale aus der 1.867 Grafiken umfassenden Sammlung fürs heimische Wohnzimmer mitnehmen. Im Angebot stehen Holzschnitte, Radierungen, Lithografien, Siebdrucke, Aquarelle, Tempera-Arbeiten, Zeichnungen u. v. m. Wer möchte, kann sich bei der Auswahl von den humorvollen Artothek-Expertinnen Michaela Nagl und Petra Hanzer beraten lassen: „Es gibt auch Leute, die wollen einfach nur ungestört schauen. Die lassen wir dann in Ruhe.“ Die WIENERIN traf die beiden zum Gespräch.

WIENERIN: Die Artothek feiert heuer ihr 40 jähriges Bestehen. Es gibt sie schon seit November 1979. Dieses tolle Service der Stadt Wien ist gar nicht sooo bekannt …

Michaela Nagl: Eigentlich unverständlich, denn unsere Artothek ist die drittälteste in Europa. Menschen können hierher kommen und einfach darüber nachdenken, was sie anspricht.

WIENERIN:Man kann sich also eines dieser wertvollen Originale aussuchen, direkt von der Wand nehmen, bekommt einen Transportkarton geliehen, kann damit in die U-Bahn einsteigen und damit nach Hause fahren? Und das alles um € 2,50 im Monat?

Michaela Nagl: Natürlich! Der Unkostenbeitrag von € 2,50 umfasst eine Nagel-zu-Nagel-Versicherung. Ab dem Zeitpunkt, wo Sie das Bild herunternehmen bis Sie es zu Hause aufhängen und dann wieder herbringen, sind die Bilder versichert. Wichtig zu erwähnen wäre noch: Die Kunstwerke können keinesfalls von den Artothek-KundInnen käuflich erworben werden! Das werden wir nämlich immer gefragt, weil die KundInnen im Laufe der Entlehndauer manche Bilder richtig lieb gewinnen.

Auf Schatzsuche in der MUSA Artothek

Kunstschätze in der MUSA Artothek

WIENERIN: Welche Art von Grafiken findet man in der MUSA Artothek?

Michaela Nagl: Sehr unterschiedliche: Grafik bedeutet alles auf Papier. Bei uns gibt es alle druckgrafischen Techniken wie Holzschnitte, Linolschnitte, Radierungen, Lithografien, Ätzungen dann Siebdrucke Ansonsten sind es die klassischen Aquarelle, Tempera, Guaschen, Bleistiftzeichnungen, Farbstiftzeichnungen, Farbkreidezeichnungen. Wir haben auch Fotografieren von Harry Weber und Reinhard Mandel, die ihr Wien-spezifisches Werk der Sammlung geschenkt haben. Der heutige Bestand hier ist Teil einer Sammlung von Grafiken, die durch die Ankäufe der Stadt Wien seit 1951 entstanden ist.

WIENERIN:Wendet sich das Angebot der Artothek eher an Wiener BürgerInnen, die bisher keinen Kontakt zu Kunst hatten?

Michaela Nagl: Nicht nur! Es kommen auch sehr kunstaffine Kunden zu uns, die zu Hause „eine Wand frei haben“. Aber natürlich kommen auch Leute zu uns, die bisher noch nicht so viel Kontakt mit Kunst hatten und sich noch nicht getraut haben, selbst etwas zu kaufen.

WIENERIN: Die Artothek lädt ein, sich mit Kunst auseinanderzusetzen und schafft damit einen niederschwelligen Zugang zu österreichischer Kunst. Auch Ihre Öffnungszeiten sind sehr benutzerfreundlich. Sie haben sogar samstags geöffnet. Beraten Sie neue Artothek-KundInnen auch?

Michaela Nagl: Wenn sie das wollen, dann gern. Wenn man ins Gespräch kommt und gefragt wird, welche Art von Grafik verfügbar wäre, oder welche Kunstrichtung passen könnte oder welche abstrakten Werke vorrätig sind, dann beraten wir natürlich sofort! Es gibt auch Leute, die wollen einfach nur ungestört schauen und zwar von einer Wand zur anderen. Von Schiebewand 1 bis Schiebewand 50. Die lassen wir dann in Ruhe.

Petra Hanzer: Oder man unterstützt sie einfach, dass sie sich trauen, das zu wählen, was Ihnen wirklich gefällt – auch wenn es ein ganz kitschiges Bild von einem Pferd ist. Es macht Spaß dabei zuzuschauen, wie jemand hier nach etwas sucht und beim Schauen seine Meinung ändert.

 

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