Die V-Frage

WIENERIN-Chefredakteurin Sylvia Margret Steinitz über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Journalistenkollegen dabei zuzusehen, wie sie sich in der ORF-Pressestunde aufpudeln, ist meist ganz lustig. Manchmal ist es aber auch richtig ärgerlich. In der Sendung vom 17. Februar etwa sah sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig mit dem gönnerhaft-herablassenden Gehabe von Hans Bürger (ORF) und Claus Pándi (Krone) konfrontiert. Sie reagierte bewundernswert cool, ich vor dem Fernseher war weniger cool. Besonders die Frage „Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?" ärgerte mich - eine Frage, die einer Politikerin wie Glawischnig selbstverständlich gestellt wird, nie aber männlichen Politprofis.

Das Frauennetzwerk Medien, dessen Mitglied ich bin (und dem noch viel mehr Journalistinnen, vor allem in Führungspositionen, angehören sollten, just sayin' ...) startete nun eine Aktion, bei der erfreulich viele Medien mitmachen: In der Woche rund um den Internationalen Frauentag am 8. März wird männlichen Interviewpartnern aus allen gesellschaftlichen Bereichen die V(ereinbarkeits)- Frage gestellt: „Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?"

Eine Aktion, die bewusst machen soll, dass Frauen im öffentlichen Bewusstsein noch immer nicht gleich gesehen und beurteilt werden.

Aber, abseits aller Bewusstwerdungsprozesse: Wie klappt's denn nun mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Ein Knackpunkt ist die Frage, ob und wie lange Mütter nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit vom Job nehmen sollen. Meine Stellvertreterin Mareike Steger, eben aus der Babypause zurück, machte sich darüber schon aus persönlichen Gründen Gedanken. In ihrem Dossier „Kann ich mir die Babypause leisten?" geht sie fünf Sorgen von Jung-Eltern nach - und zeigt mögliche Lösungen auf.

Übrigens traf ich vor kurzem Neopolitiker Frank Stronach. Und stellte ihm natürlich gleich die Frage: „Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?" Er schaute mich erst überrascht an, dann lachte er und meinte: „Meine Frau sagt, ich sollte mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen. Aber ich habe einen Auftrag." Ob diese Antwort bei einer Politikerin durchgehen würde? Aber immerhin ist der Mann schon Opa.

Das Team und ich wünschen Ihnen viel Spaß mit der März-WIENERIN!

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