Die Unabhängigen

SIE verlässt immer mal wieder die Party, um mit dem Liebsten zu telefonieren, der gerade auf einer Parallelveranstaltung abhängt. Gemeinsam gesehen wurden die beiden – wenn überhaupt – lange nicht mehr.

Eine Frau erzählt:
Ich liebe meinen Freund. Aber eines stört mich: Kaum haben wir die Wohnung verlassen, braucht er Abstand. Händchen halten? Unmöglich. Ein Kuss vor anderen? Undenkbar. Ich habe es akzeptieren müssen. Und auch können, weil ich mir bewusst bin, was ich an ihm habe: Er ist der toleranteste Mann, den es gibt. Da stört es mich auch nicht mehr, dass meine Kolleginnen sich wundern, warum ich ihn nie auf Firmenfeiern mitbringe - und sie ihn nach drei Jahren Beziehung noch immer nicht kennen gelernt haben. Natürlich gehen wir gemeinsam weg, essen oder in Ausstellungen. Aber dann bleiben wir für uns. Ich habe mich daran gewöhnt und mag es, dass ich mich spontan mit meiner Freundin verabreden kann, ohne dass er ein langes Gesicht zieht. Denn er zieht dann eben mit seinen Kumpels um die Häuser.
(Brigitte, 41, Pädagogin)

Die Psychologin sagt:
In diesem Fall ist er wahrscheinlich ein Sozialmuffel, der zwar seine Freunde trifft, sich aber nur ungern auf neue Menschen und Situationen einstellt. Oft sind das Personen mit forderndem Berufsleben, die ihre Partnerschaft als Batterieaufladestation sehen - und diese nicht von fremden Menschen bevölkert wissen wollen.

Möglich wäre auch, dass sie ihn nicht dabei haben will und ihm zuschreibt, was eigentlich ihr Wunsch ist - eine sogenannte Projektion. Vielleicht hat sie ja die Idee, der Partner an ihrer Seite müsse anders sein. Aber gleichzeitig liebt sie ihn.

Generell gilt aber: Es ist beziehungsfestigend, wenn ein Paar von anderen Menschen auch als solches wahrgenommen wird.

Jedem seine Fete.

Während Beyoncé Knowles bei einer Charity-Gala glänzt, hebt Ehemann Jay-Z auf einer GQ-Feier die Gläser. Gemeinsame Party-Abschüsse der beiden? So selten wie eine Mondfinsternis.

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