Die Trash-TV-Schmiede

Eine Schule für Möchtegernstars: Wer glaubt, fürs Rampenlicht geboren zu sein, kann sich in der New York Reality TV School zum Trash-Helden ausbilden lassen.

Eine Schule für Möchtegernstars: Wer glaubt, fürs Rampenlicht geboren zu sein, kann sich in der New York Reality TV School zum Trash-Helden ausbilden lassen. Ganz nach dem Motto: "Ich bin ein Star, holt mich in die Sendung!"

Text Waltraud Hable Fotos Eva Tuerbl

Köpfe kreisen. Erst links-, dann rechtsherum. Arme fliegen in die Luft und werden ausgeschüttelt. Kehli­ge Laute erfüllen den winzigen Raum. „Stärker noch! Ja! Ich will euer Becken kreisen sehen! Lasst los!“, feuert Robert Galinsky die Runde an. „Und vergesst endlich die Kamera in eurem Gesicht.“ Dann reibt er sich die Hände und setzt mit gefährlichem Grinsen fort: „Genug aufgelockert! Jetzt verrät mir jeder ein Geheimnis über sich.“

Robert Galinsky – 43, dunkle Locken, wache Augen, Dreitagesbart – ist Schauspiel-Coach in Manhattan. Und das, was sich soeben in dem fensterlosen Zimmer einer großen New Yorker Castingagentur abspielt, ist sein neuester Streich. Seit sechs Monaten bietet er in seiner New York Reality TV School Kurse für Hausfrauen, Heimwerker und Halbstarke an, die meinen, das Zeug zum Star zu haben. Für den schnellen Ruhm im Reality-TV sind sie sogar bereit, notfalls mehr als die 139 Dollar Tageskursgebühr zu bezahlen. „O Mann, ich würde alles machen – alles. Mein Freund ist zwar dagegen, aber ich hätte auch kein Problem damit, mich für die Kamera auszuziehen“, murmelt Lashona, eine zierliche Afroamerikanerin aus Queens. Die 27-Jährige ist zum ersten Mal hier. Eigentlich arbeitet sie als Schülerlotsin. Ein Beruf, in dem sie nicht alt werden will. „Ich hatte bereits kleine Jobs als Synchronsprecherin. Eine Rea­lity-Show wäre das perfekte Sprungbrett für eine Showkarriere. Ich weiß, dass ich groß rauskommen kann.“

Das sieht Galinsky erst eimal anders. „Dein Geheimnis! Verrate etwas, was keiner über dich weiß.“ Dann schiebt er die Kamerafrau, die den Unterricht aufzeichnet, direkt vor Lashona. Er nennt das „ Kandidatengrillen“. Er will sie an ihre Limits treiben. „Ich ... ich weiß … dass ich nach oben will“ , stottert Lashona. Galinsky zieht gelangweilt die Augenbrauen hoch. Schweigen. Die Antwort war kein „(Quoten-)Bringer“, das weiß Lashona auch. Doch bevor sie zu einem weiteren Versuch ansetzen kann, ist Galinsky schon beim nächsten Teilnehmer. Lashonas 30 Sekunden Ruhm sind vorbei, bevor sie überhaupt angefangen haben. Realität im Reality-TV.

Mit dem Ausspruch „Ich schlafe gern mit Männern, aber ich habe nicht gern Sex mit ihnen“ versucht es Simone, eine 26-jährige Immigrantin aus China. Ihren starken Akzent versucht die Schriftstellerin mit ihrem Blick wettzumachen. Der ist direkt, fordernd, bestimmt und Galinsky ist zufrieden. „Gut! In diesen Satz kann man schon mehr hineininterpretieren. Das mögen Produzenten. Die Nächste!“ Apriel, eine koreanisch-indianische Modelschönheit mit dunkelrot geschmink­ten Lippen, gesteht, sie habe es „derzeit mit Geistern zu tun“. Und Maria – ehemals Kinderstar in Nicaragua und langfristig darauf aus, eine Art intellektuelle Latina-Mimin zu werden – beichtet, dass sie „heute nicht geduscht“ hat.

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Wie geht es weiter in der Trash-TV-Schmiede? Sie erfahren es in Ihrer Jänner-WIENERIN!

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Robert Galinsky hat eine Schule gegründet, die Hausfrauen und Halbstarke zu Reality-TV-Stars ausbildet.

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