Die Suche nach der Wahrheit

Julianne Moore – eine der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods – war ein Militärkind und zog mit ihrer Familie durch die ganze Welt.

Julianne Moore – eine der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods – war ein Militärkind und zog mit ihrer Familie durch die ganze Welt. Vielleicht fällt es ihr heute deswegen so leicht, in die verschiedensten Charaktere zu ­schlüpfen, ob auf der Leinwand oder im Theater.

Text Peter Hiess Fotos Jack Guy/Corbis Outline; Filmladen Filmverleih

Die FBI-Agentin sitzt im Keller eines Amtsgebäudes, frustriert und wegen einer angeblich ungerechtfertigten Aktion bei ihren Vorgesetzten in Ungnade gefallen. Vor ein paar Jahren, als sie einen großen Fall gelöst hatte, war sie berühmt, aber heute will keiner mehr etwas von ihr wissen. Es gibt nur einen Mann, der sie versteht – und der ist ausgerechnet ein Serien­mörder, und zu allem Unglück auch noch ein Kannibale.

Als Julianne Moore vor sieben Jahren im Thriller Hannibal die Ermittlerin Clarice Starling spielte, hatte sie ihre Qualitäten als Schauspielerin längst bewiesen, unter anderem in preisgekrönten Cineastenfilmen wie Short Cuts, Boogie Nights, The Big Lebowski und Magnolia. In der Rolle der Gegen­spielerin von Dr. Hannibal Lecter, einem der beliebtesten Kino-Bösewichte aller Zeiten, überzeugte sie jedoch selbst den gemeinen Krimifan. Ihr Gesichtsausdruck, als sie Lecters ersten Anruf erhält; die Szene beim Ringelspiel, als der Killer ihr zart übers Haar streicht; das makabre Abendessen – und dann dieser Showdown, bei dem sie bis zum Schluss Lecters tödlichen Verführungskünsten trotzt: All das vermittelt eine erotische Spannung und Faszination, die man bei Agent Starling im Vorgänger Das Schweigen der Lämmer so schmerzlich vermisste. Wo Jodie Foster noch die schmallippige Eisprinzessin gab, der man keinerlei Gefühlsregung (zumindest nicht für ­Männer …) zutraute, war Julianne Moore nicht nur Polizistin, sondern auch Frau – und damit der Heldin der Romanvorlage viel näher.

„Das Wunderbare an Clarice ist, dass sie immer weitermacht. Sie gibt nie auf. Und wenn sie etwas nicht kann, dann versucht sie es einfach“, sagt Moore über ihre Rolle. Diese Lebenseinstellung teilt die rothaarige, nur 1,63 Meter große Menschendarstellerin auch privat. „In der Volksschule war ich für alle der Trottel“, erinnert sie sich. „Sie wissen schon, da gibt es immer ein Kind, das zu klein ist, eines mit Brille und eines, das total unsportlich ist. Ich war alle drei Kinder.“

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Lesen Sie mehr über Julianne Moore und den Film Savage Grace in der Mai-Ausgabe der WIENERIN.

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