Die "Sesamstraße" stellt ihre neue autistische Figur Julia vor

Die Macher des TV-Klassikers haben mit Julia den ersten autistischen Charakter kreiert und geht damit einen nächsten Schritt beim Aufgreifen eines gesellschaftspolitischen Themas.

Die Sesamstraße ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien für Kinder im Vorschulalter. Am 10. November 1969 startete die Serie im US-Fernsehen. Kermit, Krümelmonster & Co. haben Millionen Menschen durch die Kindheit begleitet - und die Sesamstraße hat dabei auch immer wieder auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam gemacht. In der südafrikanischen Version der Sesamstraße gibt es seit 2002 etwa den HIV-positiven Charakter Kami, mit dem gegen die dort herrschende Diskriminierung von AIDS-Erkrankten angekämpft werden soll.

Die Kinderserie bricht mit gängigen Klischees

Jetzt prescht die berühmte Kinderserie wieder einen weiten Schritt nach vorne und stellt Julia, eine Vierjährige mit Autismus, vor, die nächsten Monat den US-Cast bereichern wird. In einem YouTube-Video wird der neue Charakter beschrieben: Julia singt gerne, kann sich Textzeilen besser merken als ihre FreundInnen, und laute Geräusche wie Sirenen machen sie wütend.

"Wir wollten einige der Charakteristika von Autismus in einem positiven Licht darstellen", sagte Jeanette Betancourt, die an der Konzeption mitgearbeitet hat, 2015 in einem Interview mit der New York Times. Die Entscheidung, ein Mädchen und keinen Jungen zu nehmen, wurde ebenso bewusst getroffen, um den Mythos zu widerlegen, dass Autismus nur Männer betrifft.

Autismus lässt sich derzeit noch nicht auf eine klare Ursache zurückführen

Dass gerade jetzt ein autistischer Charakter in der Serie erscheint, ist kein Zufall. Die Non-Profit-Organisation Sesame Workshop, die hinter der Serie steckt, startet eine große Bildungsinitiative zum Thema Autismus. Und das nicht ohne Grund: nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden hat eines von 68 Kindern in den USA eine Autismus-Störung.

In Österreich sind laut der Österreichischen Autistenhilfeetwa 48.500 Kinder betroffen, ca. 13.600 davon von frühkindlichem Autismus. Jungen sind im Vergleich zu Mädchen 4:1 überrepräsentiert. Bei Autismus handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, die Auswirkungen auf das Verhalten und die Kommunikationsformen eines Menschen hat, sowie darauf, wie er/sie seine/ihre Umwelt wahrnimmt. Die Ursache für Autismus wurde noch nicht klar gefunden. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren zu einem hohen Anteil in Wechselwirkung mit Umweltfaktoren auf gewisse Strukturen im Gehirn einwirken.

Hinter der Puppe Julia steckt übrigens Stacey Gordon, die selbst Mutter eines autistischen Kindes ist und sich solche Charaktere schon lange gewünscht hätte.

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