Die schlimmsten Polterabende aus der Hölle

Betrinken war gestern. Irgendwann sind Polterabende zu durchgeplanten Großereignissen geworden, auf denen niemand wirklich Spaß hat. Dafür sind sie peinlich, teuer und dauern viel zu lang. Eine Typologie des Grauens.

Der Polterabend vulgo Junggesellenabschied. Ein "(meist von jungen Männern begangenes) festliches oder fröhliches Abschiednehmen von der Junggesellenzeit kurz vor der Hochzeit", sagt der Duden. Frauen dürfen zwar mittlerweile das hochoffizielle Ende ihres Single-Daseins auch feiern, besser sind diese Veranstaltungen dadurch trotzdem nicht geworden. Schlechter Humor, Sexismus und bunt maskierte Tristesse prägen den Junggesellinnenabschied. Es kann sein, dass dahinter eine verquere Logik steht, die einer/einem das Eheleben besonders schmackhaft machen soll (so a lá "Schlimmer kann es einfach nicht mehr werden"). Vielleicht kanalisieren OrganisatorInnen auch ihren Hass auf die Menschheit in einen einzigen Abend, mit dem alleinigen Ziel, alle Anwesenden zu quälen. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Polterabend-Shirts niemals lustig sind. Niemals!

Die 4 Arten von Polterabenden (und sie sind alle aus der Hölle)

1. Der Kindergeburtstag

Obwohl "Bianca und Andreas" (wir nennen sie jetzt einfach so) schon volljährig sind, möchten sie es an ihrem Polterabend lieber ein bisschen ruhiger angehen und nicht allzu spät nach Hause kommen. Deshalb beginnt das Spektakel pünktlich um 9:30 bei einem Frühstück in einem "kuscheligen Café bei uns um die Ecke", zu dem man meistens ewig mit den Öffis hinbraucht. Danach trennen sich die Wege und für die "Jungs" geht es  zum Hipster-Craft-Bier-Seminar und für die "Mädels" wurde ein Blumenkranz-Workshop gebucht. Zum Abendessen trifft man sich wieder und präsentiert dann auf einer großen Videowall die vor Wochen aufgetragene Hausübung: "Lustige" Kurzvideos, über das Brautpaar, die man mit dem Motto "der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt" drehen musste. Gott sei Dank will das zukünftige Brautpaar um 20:15 Uhr Tatort schauen und wir dürfen bald gehen. Die einzige Frage, die bleibt: wie werde ich das Blumenkranz-Foto auf Instagram wieder los?

 

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2. Die pure Erniedrigung

"Ein bisschen Leid muss sein!", ist die Devise. Weil das Leben zwischen beschissener Work-Life-Balance, Alltagssexismus und existenzialistischer Krise nicht schon anstrengend genug ist, müssen sich die TeilnehmerInnen am Polterabend irgendwie blamieren. Am Schlimmsten dran ist naturgemäß die Bride-to-be, die hinter Plastikschleier und Kuss-Shirt ein gequältes Lächeln aufsetzen muss. In Tütüs, die aus nicht näher definierten Gründen angeblich saukomisch sind, verkauft sie ungewillten Passanten ihre Menschenwürde alkoholischen Kleinscheiß um € 1,-. (Sonderaktion!), bevor sie, benebelt vom billigen, parfümierten Schnaps, in einen Rinnstein kotzt und sich nur so weitere Punkte der "Voll geile Polterabend-Spiele"-Liste aus den Untiefen des Internets erspart.


3. Der sexistischste Scheiß seit Frank Stronach

Ist man erst mal verheiratet, ist das Leben vorbei. Es ist vorbei, hörst du? Eine nicht zu hinterfragende Binsenweisheit aus den 1950er Jahren behauptet, dass vor allem Männer nichts mehr zu lachen haben, wenn sie erst unter der Fuchtel ihrer depperten Ehefrau stehen. Das muss man unbedingt auf einem T-Shirt kundtun. "DAS WAR'S" spannt sich in STAR WARS-Schrift über die Brüste untersetzter Männer, die mit leerem Blick und vollen Bierdosen an Samstagen im Mai durch österreichische Innenstädte wanken. "AB JETZT HAT SIE DIE MACHT!" Weil es so schön ist, muss der künftige Bräutigam und Opfer der weiblichen Unterdrückung dann ein Kleid anziehen und sich von ungeübten Händen schminken lassen. Weil was könnte es Peinlicheres geben, als eine Frau zu sein? Und dann noch eine unattraktive! Hahaha, was haben wir gelacht. Not.

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4. Der Luxustrip

Wem das alles zu blöd ist, der stürzt seine besten FreundInnen dafür einfach in Geldnöte und lädt mit ebenfalls sauteuren, fancy Papiereinladungen zum großen Polter-Event (!) in ein (bestenfalls) anderes Land ein. Wobei hier einladen eigentlich das falsche Wort ist, denn zahlen muss sich das Großereignis dann doch jeder selbst. Absagen und daheim bleiben, zählt aber keinesfalls, denn dann ist es vorbei mit der Freundschaft. Von Partyurlaub, über Segeltrip bis Spa-Wochenende ist alles erlaubt - nur teuer und aufwändig muss es sein. Naja, egal. Dann streichen wir wohl den erholsamen Sommerurlaub und geben das Geld einfach auf einem verlängerten Polter-Wochenende in Lignano oder Nizza aus - YAY!!! 

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