Die schlimmsten Fails zum Frauentag 2019

Am 8. März ist Frauentag. Da fällt plötzlich allen ein, dass Frauen doch noch irgendwie benachteiligt sind (vielleicht) und sie schreiten zu großen Taten. Oder so.

Es ist ja so: Der Internationale Frauentag, oder Frauenkampftag, ist der Tag der Rechte der Frau. Eigentlich geht es darum, die Errungenschaften vergangener und aktueller Frauenbewegungen zu feiern und darüber nachzudenken, dass ein ganzes Geschlecht* weltweit immer noch benachteiligt ist. Wer das immer noch nicht verstanden hat, verteilt am Frauentag gerne Schnittblumen und/oder Schokolade, gratuliert so im Prinzip zur strukturellen Benachteiligung und macht ab 9. März wieder weiter wie bisher.

Jahr für Jahr beschert uns der 8. März also statt Solidarität meist nur einen Mix aus peinlichem Gender-Marketing, plattem Glitzerfeminismus und (worst!) pseudo-edgy Botschaften, die "endlich mal die Wahrheit sagen wollen!", meist aber schlicht diskriminierend sind. Wir haben wieder die schlimmsten Fails 2019 für euch gesammelt - schön gruppiert, damit es gleich richtig reinhaut.

Die grinsenden Gratulierer

Wir sagen es nochmal: Der Internationale Frauenkampftag ist keine seltsame Kopie des Valentinstages. Kronehit ist das wurscht, der Radiosender schickt Männer durch ganz Österreich und lässt sie Schokolade und Rosen verteilen. Als besonderes Schmankerl legt man noch ein paar gratis Umarmungen drauf, weil nach dem monatelangen Diskursen über sexuelle Gewalt und Übergriffe gegen Frauen gibt's nichts besseres, als Männer, die wildfremde Frauen umarmen.

Und die deutsche Bundeswehr setzt noch eins drauf und wirbt am Brandenburger Tor mit Rosen und Nelken um weiblichen Nachwuchs, für "echte Gleichstellung".

Die konsumversessenen Kapitalisten

Frauen sind eine super Zielgruppe, das haben Unternehmen schon lang verstanden. Frauentag ist hier ein Synonym für Absatzsteigerung. Parfümerieketten bieten Rabattcodes á la "WELTFRAUENTAG" (oder "GIRLPOWER", im schönsten Spice Girls-Feminismus) oder locken mit der Bestätigung, dass Frauen sich selbstverständlich frei entscheiden können, ob sie lieber "ELEGANT", doch "SINNLICH" oder gar "SELBSTBEWUSST" sein wollen. Alles gut, solange sie nur einkaufen. Eine burgenländische Therme ist sich währenddessen sicher, dass Frau-Sein so super anstrengend ist, dass man sich davon erholen muss, und bietet ein Frauentagsspecial fürs Yogawochenende. Reminder: Frau sein ist keine Krankheit.

Das Shoppingerlebnis kann man jedenfalls gratis auf diversen Parties feiern und sich dabei noch strippende Männer anschauen. Yay. Not.

Die "Ja, aber"-Johler

Die Gegenposition ist die Grundlage des ausgeglichenen Diskurses. Das mag grundsätzlich stimmen, sobald es aber um Marginalisierung und Diskriminierung geht, sind Gegenpositionsfans aber vor allem jene, die selbst nicht betroffen sind. Am Ende werden dann rund um den Frauentag Kommentare mit Titeln wie "Schluss mit dem Gender-Unfug!" und "Was täten junge weiße Gören ohne alte weiße Männer?" veröffentlicht, wie es etwa der Standard getan hat, oder die Presse mit "Uns Frauen geht es in Europa fantastisch". Nur soviel: Diskriminierung und Ignoranz ist auch 2019 noch keine Meinung.

... und das unfassbar Menschenverachtende, über das wir trotzdem reden müssen

In Spanien fährt in dieser Woche ein Bus mit Adolf Hitlers Gesicht durch die Straßen. Das Sujet zeigt ein geschminktes Konterfei Hitlers mit einem feministischen Symbol auf der Militärkappe, darunter der Hashtag #StopFeminazis. Es ist eine Kampagne der ultrakonservativen, katholischen Organisation Hazte Oír. Sie plädieren für eine Aufhebung der Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von Frauen und der LGBTQI-Community aus 2004 und fordern die Schließung von Gewaltschutzzentren, weil diese Männer diskriminieren würden. Wir leben in einer Welt, in der sowas nach wie vor Realität ist. Immer noch.

 

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