Die Samenräuberinnen

Frauen, die mit Nachwuchs ausgesorgt haben, und Scheckbuch-Daddys, die unverhofft zu "Vaterfreuden" kommen.

Bei Boris Becker hat’s laut eigenen Angaben genau zwei Atemzüge lang gedauert. „Es war nicht mal eine Affäre – es war ein Akt, der in fünf Sekunden vorbei war.“ Schauspieler Jude Law will zumindest die realistischere Zeitspanne von einer Nacht Spaß gehabt haben. Die Folge bei beiden Promis war aber die gleiche. Die schnelle Nummer machte sie zu (biologischen) Vätern von zwei Töchtern.

Klar kann man solche Frauen als „Goldgräberinnen“ abstempeln. Vergessen wird dabei aber oft: Zum Kinderkriegen gehören immer zwei. „Diese Männer hatten eindeutig ungeschützten Sex mit Frauen, die sie offenbar kaum kannten. Das ist absolut unverantwortlich“, sagt der Hamburger Psychologe Michael Thiel. Und weiter: „Vor allem prominente Männer leben oft realitätsfern, haben sich angewöhnt, das Leben als Selbstbedienungsladen zu sehen. Sie benehmen sich wie kleine Jungs.“

Auffällig in Sachen „Ich krieg ein Baby von einem Promi“ bleibt trotzdem, wie schnell das Kinderzeugen mit Stars offenbar geht. Fünf Sekunden bei Becker, eine (oder zwei) Nächte bei Law. Bei sieben fruchtbaren Tagen im Monat, die eine Frau im Normalfall hat, alles „Glücksfälle“?. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

In den USA gibt es seit kurzer Zeit den Begriff der „Gotcha!“-Schwangerschaften (deutsch: Ich hab dich!). In Frauenmagazinen und in Fernsehsendungen häufen sich Bekenntnisse von über Dreißigjährigen, die genau an ihren fruchtbaren Tagen ungeschützt mit einem Mann schlafen. „Viele Singlefrauen, die auf die vierzig zugehen, wünschen sich so sehr ein Kind, dass sie zu verzweifelten Maßnahmen greifen und versuchen bei einem One-Night Stand schwanger zu werden“, so die Journalistin Kate Spicer, die sich selbst zu diesen „Für ein Kind tu ich alles“-Kandidatinnen zählt.

Manche schrecken auch nicht davor zurück, anzugeben, die Pille zu schlucken – oder sie helfen Mutter Natur sogar mit Fruchtbarkeitspillen nach. Und nehmen viele Partynächte in VIP-Clubs auf sich, um bald ihre tickende Uhr abstellen zu können oder sich gar ihre Zukunftsvorsorge zu sichern.

„Egal ob die Schwangerschaft dazu benützt wird, einen Mann an sich zu binden oder ob am Promi-Status des Erzeugers mitgenascht werden will: Die Leidtragenden sind die Kinder, die meist statt väterlicher Zuneigung nur mit finanzieller Zuwendung aufwachsen“, warnt Psychologe Michael Thiel.

Etwa 20% der heute 40-jährigen Frauen in Österreich werden kinderlos bleiben.

Rund ein Zehntel der Frauen bleiben mehr oder minder aus eigener Entscheidung kinderlos, ein weiteres Zehntel wächst in die Kinderlosigkeit hinein, ohne es so gewollt zu haben - infolge von konkurrierenden Verpflichtungen und Interessen, ungünstigen Lebensumständen, dem Fehlen eines passenden Partners und häufig auch von Unfruchtbarkeit, die sich aus dem zu langen Aufschieben des Kinderwunsches ergeben hat.

Wesentlich weniger Männer als Frauen erwarten kinderlos zu bleiben. Viele stehen im "Wettlauf gegen die Zeit".

In der Gruppe der 40 bis 45-Jährigen, in der etwa die Hälfte aller Frauen kein Kind mehr bekommen kann, bekunden fast 30% der kinderlosen Frauen und sogar 60% der kinderlosen Männer die Absicht, in Zukunft ein Kind haben zu wollen.

Vor allem bei den Frauen über 40 besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre Absichten auch verwirklichen lassen, ihre Kinderlosigkeit wird unfreiwillig sein.

Quelle: Generations and Gender Survey 2008/09

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