Die Quelllen des Lebens

Sex, Literatur & Gartenzwerge: Eine Familie geht den Bach hinunter. Oskar Roehlers Autobiografie sprudelt nur so vor pikanten Episoden, gepfefferter Generationen-Kritik und würzigen Slapstick-Einlagen. Im Strudel der genialen Verfilmung: Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel, Meret Becker & Wilson Gonzalez Ochsenknecht.

Als Opi Erich (Jürgen Vogel) 1949 aus der Gefangenschaft heimkehrt, ist nicht nur der Krieg für Deutschland verloren. Auch zu Hause will ihn keiner mehr. Sogar Omi (Meret Becker) hat sich inzwischen ein besseres Sexspielzeug gefunden als den zahnlosen Nazi. Es ist Erichs verhasste Schwester Marie (Sonja Kirchberger!).

Anfang der 50erJahre bleibt keine Zeit zu zaudern: Sprichwörtlich aus dem Nichts und den Trümmern seiner zerstörten Porzellanmanufaktur stemmt Erich eine Fabrik für Gartenzwerge ins Wirtschaftsleben. Als der 100.000ste Zwerg das Laufband verlässt, haben es er und Sohn Klaus (Moritz Bleibtreu) zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Klaus strebt nach Höherem, zum Beispiel der literarisch ambitionierten Millionärstochter Gisela (Lavinia Wilson).

Giselas Talent und ihr sprunghaftes Wesen faszinieren den Arbeitersohn. Leider gehen seine literarischen Ambitionen neben ihrem aufgebenden Stern unter. Die hart erkämpfte Freiheit als idealistische, linke Intellektuelle scheitert an der Geburt von Sohn Robert.

Die Quellen des Lebens

Während das Kind verkommt, leben die Eltern weiter ihren Traum von schriftstellerischem Ruhm und uneingeschränkter sexueller Freiheit. Nicht einmal die Errichtung der Berliner Mauer bringt Roberts Eltern zur Raison. Kein Wunder also, dass das ungeliebte Kind abgeschoben wird.

Klein-Robert muss seinen eigenen Weg gehen. Erstaunlicherweise kann ihm dabei der Ex-Nazi-Opi mehr Halt geben als seine egomanischen Erzeuger. Sogar sein Mitschüler Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) steht bald ihm näher als seine narzisstischen Eltern ...

Quellenstudie

Die Verfilmung von Oscar Roehlers Autobiografie „Herkunft“ ist wesentlich amüsanter als es der grimmige Untertitel „Eine deutsche Familiengeschichte“ vermuten lässt:
Die Roehlershen Vorfahren haben es nämlich faustdick hinter den Ohren und trüben im Film zwischen 1949-1979 ABSOLUT JEDES Wässerchen.

Peppige Sexszenen in interessanten Formationen sorgen dafür, dass die 174 Filmminuten wie im Flug vergehen. Sogar Ochsenknecht-Sohn Wilson Gonzalez macht als Nachwuchs-Zuhälter gute Figur. Zusätzlich zum dem bis ins kleinste Detail liebevoll besetzten Ensemble, sorgen zwei Österreicher für knisternde Kinomomente: Sonja Kirchberger als lesbische Kriegsgewinnlerin und Heribert Sasse als böses, Glas zerbeißendes Kapitalistenschwein.

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