Die Pille hat Nebenwirkungen - und die sollten auch Männer zu spüren bekommen

Offensichtlich werden Depressionen, Akne & Co. nur bei Frauen in Kauf genommen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Von Männern kann man so viele Unannehmlichkeiten wohl nicht erwarten. Ein bisschen unfair ist das schon, oder etwa nicht?

In Sachen Verhütung scheint sich jetzt auch die Forschung einig zu sein: sie sollte ein Problem der Frauen bleiben. Jene WHO-Studie, die sich mit der "Pille für den Mann", also einen in Spritzenform verabreichten Hormon-Mix zur Verhütung, beschäftigte, wurde vorzeitig abgebrochen - aufgrund zu vieler Nebenwirkungen (die WIENERIN.at hat berichtet). Dabei zeigte die Pille für den Mann große Erfolge: sie verhindert Schwangerschaften mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 Prozent.

Zu viele Nebenwirkungen für Männer - für Frauen jedoch nicht


Das Problem daran war jedoch: die Männer litten unter Akne, Herz-Rhythmus-Problemen, Lustlosigkeit und Depressionen. Also jene schönen Nebenerscheinungen, die Frauen seit Jahrzehnten begleiten - und die eigentlich auch heute noch genau niemanden interessieren.

Schauen wir uns also einige der häufigsten (!) Nebenwirkungen an, die ein paar der meistverkauften Anti-Baby-Pillen für Frauen haben:

Belara: depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Nervosität, Schwindel, Migräne, Sehstörungen, Erbrechen, Übelkeit, Akne, Schmerzen während der Monatsblutung, Ausbleiben der Monatsblutung, Schmerzen im Unterbauch. Müdigkeit, Schweregefühl in den Beinen, Wasseransammlung, Gewichtszunahme, Blutdruckanstieg

Maxim: Kopfschmerzen, Brustschmerzen einschließlich Brustbeschwerden und Brustspannen, Entzündung der Scheide und/oder des äußeren Genitals, depressive Verstimmung, Migräne, Benommenheit, irreguläre Abbruchblutungen, einschließlich starke Blutungen (Menorrhagie), Akne, Haarausfall (Alopezie), Hautausschlag, Juckreiz

Lamuna: Brustspannen, Gewichtszunahme, Verstimmungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen (auch migräneartig), Depressionen, Veränderungen der Libido, Gesichtshautflecken (die durch Sonne verstärkt werden), Pigmentierungsstörungen

Evaluna: Entzündungen der Scheide, einschließlich Pilzbefall (Candidiasis), Stimmungsschwankungen, einschließlich Depression; Änderungen des Geschlechtstriebs (Libido), Akne, Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe

Nicht zu vergessen: die Einnahme der Pille ist mit einem erhöhten Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose-Gefahr), Lebergeschwülsten, Gebärmutterhalskrebs und der Diagnose von Brustkrebs verbunden. Aber das ist alles halb so wild, oder?

Die Gesundheit von Frauen ist offenbar weniger wichtig


Zumindest wenn man dem ausbleibenden Aufschrei glaubt. Eine Studie hat erst kürzlich herausgefunden, dass die Pille mit Depressionen zusammenhängt, eine Frau klagte bereits den Pharmariesen Bayer, weil die Pille Yasminelle sie fast getötet hätte, und unzählige Studien und Berichte haben bereits auf die fatalen Nebenwirkungen hingewiesen. Sogar die allerersten (!) Studien vor der Einführung der Anti-Baby-Pille waren sich dieser Risiken bewusst. Sie wurden jedoch in Kauf genommen.

Warum? Weil das Argument für die Pille immer lautete: es verhindert Schwangerschaften mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Deshalb würden die Vorteile einfach überwiegen. Die Frage aber bleibt: warum ist das nur bei Frauen der Fall? Können Männer, die ja ebenso am Akt des Kinderzeugens beteiligt sind, sich keine Nachteile aufbürden, um Schwangerschaften zu verhindern? Offenbar nicht. Und das in einer Welt, in der die männliche Lust und deren Befriedigung derart im Vordergrund stehen. Obwohl Männer ebenso für Verhütung zuständig sein sollten, haben sie und werden sie nie die gleiche Verantwortung dafür tragen.

Verhütung ist noch immer ein Problem, das Frauen alleine schultern müssen. Dabei haben 75 Prozent der Männer, die an der Studie für die Pille für den Mann teilgenommen haben, gesagt, sie würden sie trotzdem weiter nehmen. Weil 20 Männer es nicht wollten, wurde die Studie abgebrochen. Das sendet ein fatales Signal an alle Frauen da draußen: denn ihre Gesundheit ist offenbar weniger wert.

Außerdem ist es eine Verhöhnung aller Frauen, die sich bereits jahrelang mit Nebenwirkungen und Nachwirkungen hormoneller Verhütung herumschlagen müssen, ohne dass die Männerwelt jemals etwas davon mitbekommen hätte. Es wird Zeit, dass auch sie ihre Verantwortung bei der Verhütung übernehmen - und zwar auch jene mit Nebenwirkungen.

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