Die neuen Romantiker

Benedict Wells: Der Durchbeißer

„Leider nein“, so lauteten die ersten Reaktionen von Verlagen. „Noch schlimmer war: ‚Mach was anderes mit deinem Leben‘, da blieb mir erst mal die Luft weg. Ich wollte kein Leben, in dem ich nicht schreibe“, erzählt Wells. Der Maturant zog von München nach Berlin. „Ich habe in einer Bruchbude geschrieben, die den Namen Wohnung nicht verdient. Irgend wann habe ich mich damit arrangiert, weil ich dachte: ‚Du bist Schriftsteller, das muss so sein‘.“ Mit 23 Jahren war’s so weit: Mit seinem Debüt " Becks letzter Sommer" zählte er zu den Neuentdeckungen 2008. Heuer erschien Spinner – und handelt, erraten, von einem Jungautor, der nach Berlin zieht und in einer gammligen Wohnung lebt.

Matias Faldbakken: Der Schock-Autor

„Arsch“, „Ficken“ und „Fotze“ – diese Worte fallen bei Lesungen aus Faldbakkens aktuellem Roman Unfun (Blumenbar Verlag, 2009) regelmäßig und schocken
unvorbereitete Zuhörer. In seiner Heimat Norwegen trägt der Autor und bildende Künstler für seine Inhalte längst den Titel „Tabubrecher“. Seine Romantrilogie – The Cocka Hola Company (2001), Macht und Rebell (2002) und Unfun – brachte er dort unter dem Pseudonym Abo Rasul heraus, das übersetzt „Vater Arschloch“ heißt. Obwohl seine Werke stets Empörung hervorrufen, gilt der 36-Jährige trotzdem als einer der bedeutendsten Newcomer Skandinaviens.


Reinhard Kaiser-Mühlecker: Der Bodenständige

Er wuchs am elterlichen Bauernhof in Oberösterreich auf und wirkt trotz Flinserl im Ohr wie aus einer anderen Zeit. Das liegt vor allem auch an seiner Wortwahl. Kaiser-Mühlecker lässt nicht mit Fäkalausdrücken auforchen, sondern mit einer Sprache, die ans 19. Jahrhundert erinnert. So wurde sein Erstling Der lange Gang über die Stationen der meistbeachtete heimische Debütroman des Vorjahres. Statt „Popliterat“ sagt man über den 25-Jährigen: „Er gehört zu jener heute raren Spezies von Menschen, die sich Zeit lassen.“ Eben erschien sein zweiter Roman Magdalenaberg im Verlag Hoffmann und Campe.


Benedict Wells © Regine Mosimann


Matias Faldbakken © Simon Skreddernes.


Reinhard Kaiser-Mühlecker © Michaela C. Theurl

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