Die neue Frau hinter dem Wiener Opernball: Maria Großbauer im Interview

Mit Maria Großbauer (36) bekam der Wiener Opernball 2017 eine neue Organisatorin. Wir haben die bisher wenig bekannte Werbefachfrau zum Gespräch getroffen.

Der neue Obmann der Volkspartei, Sebastian Kurz, hat am Dienstag einen weiteren Neuzugang vorgestellt: Die Werbefachfrau und Organisatorin des Wiener Opernballs, Maria Großbauer, wird auf dem sechsten Platz der Bundesliste kandidieren. Wir trafen sie im Februar 2017 zum Gespräch.

Ein wenig ungewohnt ist es schon, Maria Großbauer in der Rolle der neuen Opernball-Organisatorin zu sehen. Immerhin war Desirée Treichl-Stürgkh neun Jahre lang das Gesicht des Wiener Staatsballs. Doch bevor der Spritzer im Ströck Feierabend überhaupt auf dem Tisch steht, ist die anfängliche Skepsis gegenüber der "Neuen" schon verflogen. Hier sitzt keine abgeklärte Business-Frau, sondern eine sympathische und leidenschaftliche Opernliebhaberin.

Wie wird man Chefin des Wiener Opernballs?

Maria Großbauer: Das wusste ich bisher auch nicht so genau. Man kann sich nicht dafür bewerben, das entscheidet die Staatsoperndirektion. Dominique Meyer hat mich eines Tages aus heiterem Himmel gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, den Opernball zu leiten, nachdem meine Vorgängerin ihren Rückzug angekündigt hat. Ich habe das erst gar nicht glauben können. Ich habe mich wahnsinnig gefreut und sofort Ja gesagt. Ich kenne und liebe die Oper seit Kindheitstagen. Es hat sich irgendwie angefühlt wie eine Art Heiratsantrag.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Opernball zurückerinnern?

Das erste Mal war natürlich etwas ganz Besonderes -es ist überwältigend, diesen Ballsaal zu betreten.

Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgängerinnen?

Ich möchte nicht alles am Ball nur der Änderung willen ändern. Darin sehe ich keinen Sinn. Wir werden dieses Jahr aber mit vielen neuen Partnern zusammenarbeiten - so viel kann ich verraten. Abgesehen davon möchte ich den Opernball noch stärker als Staatsball positionieren, indem ich das Beste aus verschiedenen Bereichen Österreichs präsentiere.

Der Opernball gilt als traditionsreiches Event. Was bedeutet Tradition für Sie?

Es ist wie mit allen Dingen im Leben: Es kommt darauf an, was man selbst daraus macht. Für mich ist Tradition etwas absolut Positives. Gustav Mahler hat einmal gesagt: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers." Das stimmt wirklich. Man muss zwar mit der Zeit gehen, aber Tradition und Moderne sind ja kein Widerspruch. Nur weil die Oper 1869 eröffnet wurde, leben wir trotzdem im Hier und Heute.

Allerdings haftet dem Opernball immer noch ein "verstaubtes" Image an. Ist der Ball trotzdem modern?

Modernsein ist immer eine relative Frage. Modern kann auch sein, dass man sich auf das Wesentliche besinnt und sich bewusst macht, wo etwas herkommt.

In den Medienberichten über Ihre Ernennung schien besonders der Umstand, dass Ihr Mann Vorstand der Philharmoniker ist, bedeutend. Stört es Sie, immer wieder darauf reduziert zu werden?

Das wundert mich. Ich hatte nicht das Gefühl. Ich empfinde es als einen glücklichen Umstand meines Lebens, das mein Mann Vorstand der Wiener Philharmoniker ist. Mein Leben ist von Musik umgeben, und das ist ein großes Geschenk für mich. Mein Vater war ja auch Philharmoniker.

Fühlen Sie sich von der Erwartung an Sie unter Druck gesetzt?

Glücklicherweise bin ich momentan so im Stress, dass ich gar keine Zeit habe, darüber nachzudenken. Manchmal kommt kurz der Gedanke, aber eigentlich möchte ich einfach einen guten Job machen und den Abend dann auch genießen.

In einem Ihrer Interviews meinten Sie, dass die Vielzahl an verschiedenen Besuchern den Ball ausmacht. Zählt Herr Lugner auch dazu?

Die Vielfalt der Gäste macht ein Fest aus. Das gilt nicht nur für den Opernball. Die Mischung macht's! Die ist wichtig und gut.

Also gibt es für Herrn Lugner kein Opernball-Verbot?

Ich freue mich über alle Gäste, die sich über dieses schöne Fest mit uns freuen.

Bisher haben den Ball nur Frauen organisiert. Könnte das auch ein Mann?

Stimmt, wo ist die Gleichberechtigung? Das ist wahrscheinlich auch wieder so eine Traditionsfrage Vielleicht kommt nach mir ein Mann, wer weiß? Alles ist möglich.

Hängt das vielleicht auch damit zusammen, dass der Job der "Opernball-Organisatorin" an einem Frauen-Klischee hing?

Der Opernball ist ein absoluter Vollzeitjob. Das ist nichts, das man sich so nebenbei ausdenkt. Das hat sich sicherlich auch über die letzten Jahre verändert. Natürlich ist der Opernball wunderschön, elegant und glamourös - aber bis dieser Tag kommt, steckt sehr viel Arbeit dahinter. Es ist ein - sehr schöner - Knochenjob.

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