Die Musterfrau

Die Mode des italienischen Labels Marni ist vor allen Dingen eines: unverwechselbar. Die charakteristischen Prints und Materialien von Designerin Consuelo Castiglioni sind die Markenzeichen, die ab 8. März auch bei H&M für Furore sorgen werden.

Zugegeben, manchmal sind ihre Designs etwas gewöhnungsbedürftig. Störend ist das jedoch nicht, im Gegenteil: Die Kollektionen von Consuelo Castiglioni überraschen jede Saison aufs Neue. Ihre Entwürfe sind wie eine Wundertüte aus bunten Materialien und Mustern, die die Designerin ganz ungeniert miteinander kombiniert. Die Bearbeitung von Stoffen gehört übrigens zum Steckenpferd der Mutter zweier Kinder. So sind etwa die Accessoires der aktuellen Vinyl Collection aus recycelten Schallplatten.

Die Geschichte des italienischen Labels Marni ist zwar (noch) nicht sehr lang, aber dafür umso erfolgreicher. Sie beginnt - ganz romantisch - mit der Hochzeit von Consuelo und Gianni Castiglioni in den späten 1970er-Jahren. Giannis Familie gehört eine Pelzmanufaktur, die unter anderem die Entwürfe von Luxushäusern wie Valentino, Giambattista Valli, Dior oder Lanvin produziert. Als Anfang der 1990er-Jahre Pelz in der Mode kaum noch ein Thema war, brauchte die Firma eine neue Idee. Consuelo Castiglioni hat zwar nie Modedesign studiert, besaß aber immer schon einen außergewöhnlichen Geschmack. Und so entwarf sie 1994 ihre erste kleine Kollektion unter dem Label Marni, das sie übrigens nach dem Spitznamen ihrer Schwägerin benannte.

Consuelo Castiglioni

Zunächst hielt sich Castiglioni an Altbewährtes: Sie setzte das Thema Pelz auf eine neue und spielerische Weise um. Sie gab ihm einen modernen Touch, färbte ihn ein und kombinierte ihn mit verschiedenen Stoffen. Für diese völlig neue Facette erntete sie viel Aufmerksamkeit. In den folgenden Kollektionen entwickelte die Autodidaktin einen Stil, der von Anfang an jenseits von Trends und Saisonen funktioniert. Die Entwürfe der schüchternen Designerin sind unabhängig und versprühen stets einen Hauch von Avantgarde. Die 52-Jährige setzt nicht auf vordergründigen Sexappeal, sie orientiert sich eher an der Kunst als an den Archiven anderer Modeschöpfer. In den letzten Jahren arbeitete das Label deshalb auch mit Künstlern wie Matteo Thun oder Richard Prince zusammen.

Großflächige Vintage-Prints und eigenwillige Farbkombinationen gehören zu den Markenzeichen des Labels. In einem Interview sagte die Designerin, die in Lugano in der Schweiz aufgewachsen ist: »Ich designe, was ich selbst gerne trage. So habe ich begonnen und so arbeite ich auch weiter. Ich habe keine Muse.« Und das Prinzip funktioniert. Mit dem von Leichtigkeit geprägten, bunten, stil- und humorvollen Mix macht Marni einfach gute Laune. Egal ob es um Kleider oder Accessoires geht.

Seit dem Jahr 1999 ist die Marke Marni ein eigenständiges Modeunternehmen in Mailand - und immer noch fest in familiärer Hand. Ehemann Gianni leitet die globalen Geschäfte und die gemeinsame Tochter Carolina hat auch längst ein Büro in der Chefetage bezogen. Sie leitet das digitale Department und bringt das Onlinemagazin »Anticamera« heraus. Prominente Fans wie Anne Hathaway, Gwyneth Paltrow oder Milla Jovovich perfektionieren ihren Boho-Chic mit Stücken von Marni. Die Designs des italienischen Modehauses beeinflussen längst die Modewelt und ihre Trends. So fanden Schnittformen wie etwa Eggshape-Kleider oder -Mäntel nicht zuletzt über den Laufsteg von Marni wieder den Weg zurück ins Straßenbild. Bravo, Consuelo!

Spring Statement
Am 8. März ist es wieder soweit: Die nächste Designerkooperation von H&M kommt in die Shops. Wie bei der Hauptkollektion, stehen auch bei der Zusammenarbeit von Marni mit H&M interessante Muster im Mittelpunkt.

Consuelo Castiglioni: »Wie immer lasse ich gerne Drucke und Farben aufeinander treffen, wobei ich aktuelle Tribal-Muster mit Bauhaus-Grafiken mixe und sportlich-funktionelle Elemente hinzufüge.«

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