Die Mode nach dem Lockdown: 5 Erkenntnisse, die von Corona bleiben werden

Die Wochen des Stillstands sind erstmal vorbei, Österreich hat aufgesperrt. Auch Shoppen in großen Stores und Boutiquen ist wieder möglich. Nur: Die Kleidung, die wir so selbstverständlich tragen und im Kasten haben, fühlt sich seit dem Lockdown für viele ein bisschen anders an. Fünf Erkenntnisse, die unseren Umgang mit der Mode über die Krise hinaus verändern könnten.

Die Mode nach dem Lockdown. Wird alles so wie vorher oder doch ganz anders?

1. Unsere Lust am Ausmisten ist Teil des Problems

Ausmisten war das Nummer-1-Mode-Modewort der letzten Wochen, und während der Inhalt unserer Kleiderkästen zu Isolationszeiten immer kleiner wurde, wuchs die Erkenntnis, dass es vielleicht doch Sinn ergibt, Stücke zu shoppen, die man gerne immer und immer wieder trägt. Schließlich schlägt selbst das eigentlich so befreiende Ausmist-Gefühl in schlechtes Gewissen um, wenn sinnlos Gekauftes, mitunter sogar Ungetragenes, genauso schnell und gedankenlos wieder in – längst heillos überfüllte – Altkleider-Container gestopft wird. Auf ein richtig tolles, hochwertiges Teil sparen und sich noch Jahre später über das Investment freuen – wann ist das eigentlich aus der Mode gekommen und sollten wir nicht jetzt unbedingt wieder damit anfangen?

2. Kaufen bedeutet supporten

Es ist total logisch und trotzdem haben es die letzten Monate und die mit der Coronakrise einhergehenden „Support your Locals“-Initiativen für viele von uns erst richtig deutlich gemacht: Kaufen heißt unterstützen. Und wo du deine Kohle hinbringst, ist eben nicht egal. Im Gegenteil. Jedes neue Shirt, jeder BH, jedes noch so vermeintlich banale Kleidungsstück bedarf einer Entscheidung: nämlich jener, wer davon profitieren soll. Ob das Modekette XY, dieses oder jenes Label, ein Onlineshop oder der bzw. die Designer*in aus dem Grätzel ist, das sollen und dürfen wir zum Glück selbst wählen. Hier gibt’s kein richtig oder falsch. Nur aufzuhören, sich Gedanken darüber zu machen, bloß weil wir wieder aus dem Haus gehen können – das wäre wirklich ein Fehler.

3. Secondhand-Shopping ist wie Sport, nur besser

Wer die Dauer der freiwilligen Heimquarantäne bisher genutzt hat, um sich öfter mal auf Secondhand-Plattformen wie Vestiaire Collective oder Willhaben rumzutreiben, weiß spätestens jetzt, dass a) so gut wie alles, was das Modeherz begehrt, aus zweiter Hand zu finden ist, und b) Zeit dabei eine entscheidende Rolle spielt. Sollte dir das Stöbern und Jagen Spaß bereiten, mach also am besten ein Hobby draus. Sich in den Kollektionen vergangener Saisonen verlieren, dem günstigsten Schnäppchen hinterher zu hechten – es gibt Menschen, für die hat das, offline wie online, beinahe meditativen Charakter. Und wer vom Runner’s High schwärmt, kennt das Gefühl nicht, das sich einstellt, wenn irgendjemand da draußen gerade genau das Stück verkaufen möchte, das man schon ewig sucht.

4. Wer bin ich und was will ich wirklich anziehen?

Mal ganz ehrlich: Worin fühlst du dich am wohlsten, wenn du garantiert keine*n triffst? Was ziehst du an, wenn du dich nur für dich selbst schön machst? Social Distancing ist ein Crashkurs in Sachen modisches Selbstverständnis. Kleidungsstücke, von denen man nur dachte, man würde sie tragen, weil man sich selbst darin so gerne mag, sind plötzlich unwichtig; Stücke, die unwichtig waren, sind plötzlich Stimmungsaufheller. Der Griff in den Kasten passiert intuitiv, wenn man sich nur für sich selbst zurecht macht. Der Alltag post Corona wird sich nicht in Wohlfühlklamotten allein bewältigen lassen, klar. Sich ein bisschen modisches Mir-doch-egal zu bewahren und beim Anziehen auf den eigenen Bauch zu hören, kann dennoch nicht schaden.

5. Die Renaissance des Selbermachens hat begonnen

Es wird wieder genäht. Momentan sind es zwar vorrangig Mund-Nasen-Schutzmasken, die in heimischen Do-it-yourself-Ateliers entstehen. Wieso aber nicht gleich weitermachen, wenn die Nähmaschine schon einmal steht? Talent und Material – das haben die letzten Wochen deutlich gezeigt – sind da. Anleitungen zu Schnitten finden sich etwa auf der initiative-handarbeit.de. Für jene, die an der Nähmaschine weniger begabt sind oder schlicht keine haben, sich aber trotzdem kreativ betätigen möchten: Wie wäre es etwa mit Batiken? Auch diese längst vergessene Technik hat die Modewelt während des Lockdowns wieder für sich entdeckt.

 

Aktuell