Die Lust in mir

Wir verraten Ihnen, worauf es ankommt, damit auch nach vielen Jahren die Lust am Lodern bleibt.

Am Anfang einer Beziehung ist aufregender Sex ein Selbstläufer. Aber wie sieht’s nach fünf, zehn oder 15 Jahren aus? Wow – oder doch eher mau? Wir verraten Ihnen, worauf es ankommt, damit auch nach vielen Jahren die Lust am Lodern bleibt.

Text Tanja Amann Fotos CORBIS

B. sieht einfach wunderbar aus. Strahlender Teint, lässiges Outfit, blitzende Augen. Auch ihre Bewegungen haben was Leichtes, Geschmeidiges. Ganz zu schweigen von ihren Entertainment­qualitäten an diesem Abend: Höchst­niveau. Ich kenne sie seit 20 Jahren. Aber so gelöst habe ich die berufstätige zweifache Mutter und Langzeitehefrau schon lange nicht mehr erlebt. Geradezu übermütig wirkt sie. Ja, irgendwie neu. Was ist da los? Heimliche Schwangerschaft? Unverhofftes Erbe? Eine Affäre?

Bevor ich in den Fettnapf treten kann, flüstert sie mir ins Ohr, ob ich was Intimes hören will. „ Nur zu!“ Aber was dann kommt, macht mich ziemlich stumm. B. hat nämlich beinahe täglich Sex. Sehr guten Sex. Und was sie in schillernden Farben erzählt, klingt, als wolle sie mir ­einen Bären aufbinden. Die beeindruckende Sexfrequenz inklusive unüber­hörbarer Qualitätsstandards genießt B. nämlich mit ihrem Mann. Mit dem sie seit 15 Jahren verheiratet ist.

Was ist da passiert? „Nach einem Kurzurlaub, den ich allein gemacht habe, fühlte ich mich so richtig weiblich und schön. Ich war braun gebrannt, entspannt, habe schöne neue Sachen getragen und plötzlich viele Komplimente bekommen“, erinnert sich die Freundin an den „Schlüsselmoment“. Klar schmeichelt das der Seele, aber reicht das schon aus? „In diesem Urlaub habe ich so ein übermütiges Gefühl verspürt und mir gedacht, dass ich mir doch einfach nehmen kann, was ich will.“ Und dabei ging’s ganz klar um Sex.

Allein: Sie dachte keineswegs an eine Affäre, sondern hatte ihren Gatten vor Augen: „Ich dachte, he, du hast ja daheim einen gut aussehenden, lieben Mann, warum sollst du dir dann das, was du haben willst, mühsam woanders holen?“ B. betont, dass sie sich spüren will. Heute und hier. Jetzt und nicht erst ­morgen. Denn worauf solle man denn warten? Auf ein Wunder? „Gute sexuelle Begegnungen basieren auf einem ­einfachen Prinzip: dem der Anspannung mit Aussicht auf Entspannung“ , erklärt der Wiener Sexualtherapeut Dieter Schmutzer. „Am Anfang der Verliebtheit ist dieser Effekt von allein da. Aber nach spätestens einem Jahr, und vor allem, wenn man dann zusammenlebt, lässt ­diese erotische Spannung schnell nach.“ Es wird also fad, weil das, was eine intime Begegnung so aufregend macht – sich selbst neu zu erleben – langsam wegfällt. Das sei der springende Punkt. „Wenn uns unsere Lust, die eigene sexuelle Energie, abhanden kommt, neigen wir dazu, im Außen zu suchen, um sie wiederzubekommen.“

Lustvoll in jedem Lebensabschnitt? Wie's funktioniert, verrät die Dezember-WIENERIN.

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Lust spüren. Die Basis: auf sich selbst besinnen.

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