Die Lust am Verzicht

Als Shoppaholic ein Jahr keine Kleidung kaufen. Oder von 24/7-Online-Sein auf kompletten Social-Media-Entzug gehen. Selbstversuche im Verzichten sind in. Gemacht werden sie aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich - via Blog. Wir stellen ein paar dieser Experimente vor.

1. Shoppingboykott

Nunu Kaller befindet sich seit 16.1.2012 im „Shoppingboykott“: Ein Jahr lang möchte sie „nix“ kaufen, über die Herstellung konventioneller Bekleidung informieren und probieren, ihre Röcke, Hosen & Co. selbst zu machen.

Warum gerade das?

Als das Jahr 2011 mir eine emotionale Watschen nach der anderen austeilte wurde Shopping sinnentfremdet. Ich kaufte mir Röcke, Shirts, Kleider weil ich mich ablenken musste. Ich wollte mich belohnen für harte Tage oder trösten, wenn das Leben gemein zu mir gewesen war. Ende Dezember 2011 las ich von einem derartigen Projektblog und beschloss: Das mach ich auch! Ich habe gemerkt, dass mir nichts abgeht und es ist zu einer tollen Aufgabe geworden, die Gemeinheiten der konventionellen Modeproduktion zu beschreiben und die vielen, schönen Alternativen zu präsentieren. Außerdem habe ich meine Kreativität wieder entdeckt.

Nunu liebt ihr Projekt und ihren Blog

Was sind die Stolpersteine auf dem Weg?

Schwierig sind Phasen, in denen es mir nicht gut geht. Dann will ich einkaufen. Warum genau, kann ich mir noch nicht vollständig erklären.

Was hält dich motiviert?

Zunächst habe ich mich motiviert, indem ich mich informiert habe. Wir alle wissen, dass es nicht mit fairen Dingen zugehen kann, wenn wir ein T-Shirt um fünf Euro in Händen halten. Wir wissen von Kinderarbeit, fehlender Sicherheit am Arbeitsplatz, und die Pestizidbelastung durch Baumwolle ist ein Begriff. Ich habe mich so intensiv informiert, dass mir jegliche Lust auf konventionelle Kleidung vergangen ist - mit sehr wenigen Ausnahmen.
Eine weitere Motivation ist der tolle Zuspruch meiner vielen LeserInnen, die mich immer wieder aufs Neue bestätigen, dass der von mir eingeschlagene Weg ein guter ist.

Ähnliche Blogs: Ich hab´ja alles, Simplicity365

Das Paulprojekt
sucht aktuell TesterInnen, die auf das Handy verzichten und darüber Tagebuch führen wollen.
Mehr auf Facebook
oder per Email: presentation@paulprojekt.de

2. Online-Verweigerung:

Wie wäre ein Leben ohne Facebook, Twitter & Co.? Diese Frage wollte sich Luca Hammer, Sozial-Media Experte und Unternehmer beantworten, verbrachte 2010 43 Tage ohne Social Media und dokumentierte sein Experiment auf http://2-blog.net.

InlineBild (c7b852bb)

Warum gerade das?

Ich verbringe täglich mehrere Stunden mit Social Media Diensten und wollte wissen, wie es ist, wenn ich darauf verzichte. Einerseits weil es mich selbst interessierte, andererseits weil mir immer wieder vorgeworfen wurde, dass man das nicht braucht. Heute kann ich erwidern, dass ich ein Monat darauf verzichtet habe und sich meine Lebensqualität dadurch verschlechtert hat. Mir half es auch, mein Verhältnis zu Social Media besser zu verstehen.

Was waren die Stolpersteine auf dem Weg?

Social Media ist Teil meines Lebens. Plötzlich waren die Menschen, die mir wichtig waren weit weg. Vielleicht kann man es damit vergleichen, dass man jemand anderem das Telefon wegnimmt. Und weil es für mich die primäre Informationsquelle ist, müsste man auch Zeitung, Fernsehen und Radio entfernen. Es ging soweit, dass ich von beruflich wichtigen Veranstaltungen nichts mehr mitbekam.

Was hielt dich motiviert?

Es gab jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Ich merkte, wie sich meine Denkweisen veränderten, ich versuchte die fehlenden Kanäle auszugleichen. Das war spannend und ich wollte wissen, was sich sonst verändert.

Socialmedia-Abstinenz für 30 Tage“ derzeit auch auf http://www.nagelmitkopf.at

3. Zuckerfrei

"Ein Zuckerjunkie auf Entzug“, diesen Untertitel trägt das Experiment von Sabine. Sie versucht seit September, zwei Monate lang auf jeglichen Zucker bzw. -ersatz wie Süßstoff, Honig oder Agavensirup zu leben.

InlineBild (7f482195)

Warum gerade das?

Ich liebe Süßigkeiten und bin bzw. war zuckerabhängig. Begonnen beim Frühstück mit Trinkkakao und Briochestriezerl, zwischendurch Schokolade, Kekse: Ich kam keinen Tag ohne Süßem aus. Manchmal hatte ich sonntags Lust auf Süßes und nahm dafür den Weg zur Tankstelle in Kauf. So konnte das nicht weiter gehen. Darum traf ich den Entschluss dem Zucker den Kampf anzusagen.

Was sind die Stolpersteine auf dem Weg?

Es ist sehr schwer herauszufinden, wo überall Zucker enthalten ist. Gerade das Essen gehen hat es in sich, denn wer weiß schon, mit welchen Produkten der Koch arbeitet? Dann die vielen Verführungen im täglichen Leben: Es hat etwas gedauert, bis ich mir eine neue Routine angewöhnt habe. Regelmäßiges Essen war extrem wichtig und das Übertauchen von Naschanfällen.

Was hält dich motiviert?

Im ersten Monat habe ich 8 Kilo verloren, ganz ohne Sport oder sonstiger Ernährungsumstellung. Das war die größte Motivation. Man ernährt sich automatisch nur von frischen Lebensmitteln, kocht selbst und lebt bewusster. Auch das positive Feedback vieler Menschen hält mich motiviert dabei zu bleiben.

Aktuell