"Die Leute sollen wieder mehr auf Konzerte gehen!"

Früher 3 Feet Smaller, jetzt Lian: Zum Album Release haben wir mit der Band über ihren Neuanfang und den österreichischen Musikmarkt gesprochen.

Phil, Frank und MJ hauen ordentlich auf den Putz. Lian ist laut, kraftvoll und Rock`n`Roll pur. Hier wird nichts beschönigt sondern einfach mit Leidenschaft Musik gemacht. Die drei Burschen mit Vergangenheit bei 3 Feet Smaller haben sich neu erfunden. Was ist neu und was war immer schon da, darüber hat die WIENERIN mit der Band anlässlich des Album Release Konzerts Anfang Juni gesprochen.

WIENERIN: Drei Worte die Euch als Band beschreiben.

MJ: Ich glaube perfektionistisch ist ein Wort das uns ganz gut beschreibt. Egal was wir tun, wir denken es von vorne bis hinten durch.
Frank: Wir sind voll dahinter.
Phil: Und Rock`n`Roll… In einer gewissen Art und Weise wollen wir das zumindest erreichen. Authentisch und innovativ in unserem Segment Rock zu sein.

WIENERIN: Was hat Euch dazu bewogen, deutsche Texte zu machen?

Phil: Das war eine längere Findungsphase. Wir haben von Null begonnen und uns die Frage gestellt ob auf Englisch oder Deutsch. Irgendwann kam der Punkt wo wir festgestellt haben, die Art von Musik die wir jetzt machen ist für uns auf Deutsch spannender. Und auch anders. Es gibt im deutschsprachigen Rock nicht unbedingt eine Band die klingt wie wir.
Frank: Da kommt noch der Aspekt der Muttersprache dazu.

WIENERIN: Ist das leichter als Englisch? Ist es intuitiver?

Frank: Es ist auf jeden Fall schwerer die richtigen Worte zu finden. Aber wenn es die richtigen Worte sind, dann gehen sie auch tiefer. Dann haben sie mehr Gewicht.
Phil: Je besser man sich in seiner eigenen Sprache ausdrücken kann, desto tiefer oder ehrlicher kann man auch Texte schreiben. Das war ein ausschlaggebender Punkt.

WIENERIN: Hat sich euer Publikum verändert? Von 3 Feet Smaller zu Lian?

Frank: Es sind viele mitgekommen, vor allem auch die älteren Fans. Wir fallen jetzt nicht mehr so in die Punkschiene hinein. Da ändert sich schon was aber es ist doch noch eine Schnittmenge da.
Phil: Der Großteil unseres Publikums sind Männer und die sind Mitte 20 bis 30. Das sieht man auf unserer Facebook Seite anhand der Social Media Statistik.
MJ: Vielleicht nicht die beste Zielgruppe für Groupies, aus dem Alter sind wir eigentlich eh schon raus.
Phil: Das ist dein Gschichtl! MJ war das! MJ!
(lachen)

WIENERIN: Gut Ding braucht Weile. Ihr habt zwei Jahre an eurem Album gearbeitet. Woran hat das gelegen?

Frank: Zu Beginn gab es eine Findungsphase, musikalisch und textlich. Als wir die dann hinter uns hatten ging es eigentlich ganz schnell, mit den Songs und den Aufnahmen. Bis dann die Platte herausgekommen ist hat es länger gedauert, weil wir uns einfach bei allen Labels im deutschsprachigen Raum umgesehen haben. Da gab es Interesse und dann wieder nicht. Und so hat sich das einfach hingezogen.
Phil: Wir haben unsere Sachen von Anfang an selber organisiert und alles selbst finanziert, uns um alles selbst gekümmert. Da gibt es einige Leute denen wir einen riesigen Dank aussprechen müssen. Die mit uns gearbeitet haben weil sie an uns glauben und das supporten möchten was wir machen. Wenn dann ein Money-Job reinkommt geht es halt erst wieder in 2 - 3 Wochen weiter, so vergeht dann auch die Zeit.

WIENERIN: Ihr habt das Album im Studio live eingespielt. Warum habt ihr euch entschieden das so zu machen?

Frank: Jetzt sind wir wieder bei der Authentizität. Wir wollten auch im Studio, auf Platte, genau so spielen wie wir live auf der Bühne sind. Es hat sich gut angefühlt. Wir haben das bei der ersten Studiosession getestet und wir waren total happy mit dem Endprodukt.
Phil: Das ist ein bisschen eine Philosophiesache. Wir drei sind live sehr gut zusammen und das wollen wir eigentlich auch auf Platte packen. Dieses Gefühl das dabei rüberkommt einfach gemeinsam zu spielen.

WIENERIN: Bei euren Bandfotos gibt es eine Schwarz-Weiß Policy, warum?

Phil: Wir wollten wie bei der Musik die Sachen „roh“ lassen, unter Anführungsstrichen. Nicht überdrüber ausproduzieren. Sondern wir als Band haben uns gedacht, schwarzweiß ist auch simpel und passt irgendwie zu uns. Zu unserer Art Musik zu machen. Es hat irgendwie etwas Erdiges finden wir. … Und mit schwarzweiß kann man auch viel kaschieren. (lachen)

WIENERIN: Wenn man so lange an dem Album arbeitet und sich immer wieder damit auseinandersetzt, egal ob es jetzt Pausen dazwischen gibt oder nicht, geht’s einem dann nicht irgendwann auf die Nerven?

Frank: Das Album selber nicht aber die Arbeit daran. Es waren teilweise schon Momente wo wir uns gedacht haben, ach, schon wieder warten.. Oder schon wieder diese oder jene Vertragsverhandlung. Also die Musik selber gar nicht. Aber bis das drum herum unter Dach und Fach ist, das ist mühsamer als man glaubt.

WIENERIN: Was würdet ihr euch für den österreichischen Musikmarkt wünschen?

MJ: Das die Leute endlich wieder zu Konzerten gehen. Auch vielleicht zu Konzerten von Bands die sie nicht kennen. Einfach mehr ausprobieren, dieses „gemma heute auf ein Konzert!“und nicht dieses“ jo, eh alles wurscht, ich schau mir live Videos auf Youtube zu Hause an und das reicht mir eh“. Einfach die Einstellung mal für Bands die man nicht kennt trotzdem was auszugeben und auf Konzerte zu gehen.

WIENERIN: War das früher besser?

Frank: Also ich finde die jetzige Entwicklung in Österreich ist eigentlich sehr positiv. Nämlich von der Qualität und der Anzahl der guten Bands her. Da ist das Musikgenre relativ weit gefächert, nicht nur im Rockbereich. Und auch bei den Festivals gibt’s die Großen die gegeneinander kämpfen, aber jetzt auch wieder immer mehr mittelgroße Festivals die eine Zeitlang ganz weg von der Bildfläche waren. Das ist sehr positiv. Gerade was Festivals betrifft die viel österreichische Musik spielen oder im Programm haben. Das war schon mal weniger.

WIENERIN: Ihr spielt jetzt am12. Juni beim Novarock, beim Red Bull Brandwagen. Was werdet ihr euch denn anschauen? Auf welche Band freut ihr Euch?

Frank: Deftones auf jeden Fall. Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich habe die Chili Peppers noch nie live gesehen, das möchte ich auch abhaken.
Phil: Deftones sind für uns aber auf jeden Fall ein Highlight.

WIENERIN: Welches Festival in Österreich sollten wir uns diesen Sommer nicht entgehen lassen?

Phil: And There Come The Wolves, in Wiesen, weil da spielen wir!

www.lianband.com

Das Album LIAN ist am 3.6. bei Sony Music erschienen. Live zu sehen sind LIAN diesen Sonntag, 12.6. am Novarock. Wer es am Sonntag nicht schafft hat hier auch noch die Chance:

5.8. Porta Westfalica/Festivalkult (Deutschland)
23.8. Wiesen/Bgld./And There Come The Wolves (Österreich)
10.9. Bruck an der Mur/Brucker Ring Festival (Österreich)

Aktuell