Die Krankenhaus-Regel: "Ich will meinem Mann keine Anweisungen geben müssen"

Was passiert, wenn die Mama von heute auf morgen ins Krankenhaus muss? Dreifach-Mama Victoria alias @victorypug plädiert auf Instagram für eine gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit zwischen Mutter und Vater.

Influencerin @victorypug mit Familie

"Mein Mann kann die Kinder leider überhaupt nicht anziehen", "Mein Mann kann die Kinder nicht ins Bett bringen", "Um Elterabende und die Geschenke für die Kindergeburtstagsparty kümmere schon ich mich": Kommentare, die Mütter oft sagen, meistens zu anderen Müttern. Kommentare, wie auch Victoria sie oft unter ihren Instagram-Postings liest. "Wahnsinn, dass dein Mann alle Kinder allein in den Kindergarten bringt", gehört da auch dazu. Victoria Karunarathnaist Mutter von drei Kindern, betreibt das Modelabel Ravenmothers und nimmt als @victorypug ihre gut 13.000 Follower*innen auf Instagram regelmäßig mit in ihren Alltag. Vor klaren Ansagen schreckt sie dabei nicht zurück, auch und vielleicht auch gerade deshalb, weil in der Blase der Insta-Moms Mutterschaft ab und an auch gerne ausschließlich rosarot gezeichnet wird.

"Die Frage muss lauten: Kennt sich jeder in allem gleich gut aus?"

Vergangene Woche sprach die junge Unternehmerin in einem Posting eingangs erwähnte Kommentare und die Aufteilung von Care- und Familienarbeit an – und lieferte ein Beispiel, dass die Notwendigkeit einer gleichberechtigten Verteilung dieser Aufgaben eindringlich und deutlich macht: "Ich nenne es die Krankenhaus-Faustregel: Wenn ich von heute auf morgen ins Krankenhaus müsste (wird hoffentlich nie relevant), möchte ich meinem Mann keinerlei Anweisungen oder Infos geben müssen."

Mit ihrem eigenen Mann hat Victoria das auch genau so besprochen, erzählt sie der WIENERIN: "Auch aus der Angst heraus, das sowas wirklich mal passieren kann. Es ist ja kein unrealistisches Szenario, das ich von heute auf morgen den Blinddarm rausbekomme und im Spital liege. Und es würde ja nur Stress für alle bedeuten, wenn so eine Übergabe nicht einfach möglich ist. Müssten die meisten Väter von heute auf morgen ins Spital, wäre das überhaupt kein Problem und alles würde so weiterlaufen. Aber das andersrum zu betrachten, ist immer die wichtigste Methode, um festzustellen: Kennt sich jeder in allem gleich gut aus?"

Aufgabenverteilung in der Familie: Wer macht was? Und warum?

Dass Mütter einen Großteil der (unbezahlten) Familienarbeit übernehmen, ist ein strukturelles Thema, betont Victoria. Genauso sei es einerseits aber auch eine Holschuld der Männer, nicht auf die Abgabe von Aufgaben zu warten, andererseits möchte sie auch Frauen einen Anstoß geben, von sich aus mehr Verantwortung abzugeben: "Auch mein Mann macht sicherlich vieles komplett anders als ich es tun würde, aber er ist ja auch eine komplett andere Person", schreibt sie zu ihrem Posting. Im Gespräch fügt sie hinzu, dass ja etwa gerade die Kindererziehung eine Möglichkeit sei, gemeinsam an den vielleicht unterschiedlichen Ansichten zu wachsen.

Das Feedback auf Victorias Posting war groß, sie erzählt, dass es überdurchschnittlich oft gespeichert und verschickt wurde. In den Kommentaren finden sich viel Dank und Zustimmung für die klaren Worte, aber auch Nachrichten, dass das halt alles nicht so einfach sei: "Funktioniert nur, wenn der Mann auch will. Zwingen geht kaum. Irgendwann resigniert man."

"Lass das doch den Papa machen, Mama"

In ihrer eigenen Beziehung ist die Aufteilung der Familienarbeit eine Wellenbewegung, meint sie, mal macht der eine mehr, mal die andere: "Für meinen Mann war das jetzt keine Überraschung, dass Kindererziehung kein reiner Frauenjob ist. Natürlich kann man nicht immer alles 50/50 aufteilen und das ist auch bei uns nicht so, aber wir sind flexibel." Das Wichtigste: "Jeder fühlt sich für alles gleich verantwortlich."

Ihre drei Töchter wissen mittlerweile, wer im Haushalt was macht, erzählt Victoria: "Es fällt mir schon auf, dass sie bei bestimmten Sachen annehmen, dass das immer der Papa macht – bei uns ist das zum Beispiel die Wäsche. Oder wenn irgendwo Krümel am Boden sind und ich die aufsagen möchte, kommt schon mal ein ‚Lass das mal den Papa machen‘, weil der halt eher mit dem Staubsauger rumfährt."

 

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