Die Junggebliebene

Angst vor dem Alter hat die Oscar-Preisträgerin und doppelte Golden-Globe-Gewinnerin schon. Aber sie weiß damit umzugehen. Auch mit 65 hat Diane Keaton keine Lust, leiser zu treten. Obwohl die US-Amerikanerin auf eine grandiose Filmkarriere zurückblicken kann, denkt sie nicht an den Ruhestand.

Nach einem Oscar, zwei Golden Globes, drei Oscar- und sechs Golden-Globe-Nominierungen könnte sich ja noch ein Preis ausgehen. Auf ihre Karriere ist die quirlige Junggebliebene, die als eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Hollywoods gilt, „sehr stolz". Wenn Diane Keaton als unnahbar und kühl, als kontrolliert und beherrscht beschrieben wird, so sind das lediglich Rollen, die sie gespielt hat. In Interviews kommt eine ganz andere Frau zum Vorschein: eine Romantikerin, die sich nach ewiger Liebe sehnt. Eine ganz und gar sinnliche Frau. Eine warmherzige Person, die mit Selbstkritik nicht hinterm Berg hält und selbst ihre Ängste öffentlich eingestehen kann. Eine Schauspielerin mit großem Talent und Eigenständigkeit, was auch ihre schärfsten Kritiker nie anzweifelten. Und: eine Frau voller Selbstironie und Humor.


Auf der Suche nach "Mr. Right"
Dass Erfolg nicht nur harte Arbeit bedeutet, sondern auch mit Missgunst einhergeht, lernte Diane Keaton hinzunehmen. Denn böse Stimmen meinen, sie hätte ihre Karriere vor allem Männern zu verdanken. Schließlich konnte sie ihre größten Erfolge an der Seite ihrer jeweiligen Lebensgefährten wie Woody Allen, Warren Beatty und Al Pacino verbuchen.


An Männern gemangelt hat es in Diane Keatons Leben jedenfalls nicht. Doch obwohl sie das „Projekt Ehe", wie sie sagt, interessant gefunden hätte, war sie nie verheiratet. „Um ehrlich zu sein, war es so, dass mich die Männer einfach nicht gefragt haben. Sie wollten mich wohl nicht", meinte sie schmunzelnd in einem Interview anlässlich ihres 60. Geburtstages. Es könne aber auch sein, dass „Mr. Right" nicht dabei war. „Liebe kommt nun mal nicht von ungefähr", man müsse sehr viel dafür tun. Das sei auch der Grund, warum sie erst mit 50 Mutter geworden ist: 1996 adoptierte sie ihre Tochter und fünf Jahre später ihren Sohn, beide zieht sie alleine groß. „Ich wollte in einer guten Beziehung sein", sagt sie, „aber diese Beziehungen, die stark und substanziell sind, passierten mir nie."


Abgeschlossen ist das „Thema Mann" für sie dennoch nicht: „Ich liebe Männer, und noch mehr mag ich es, geliebt zu werden. Wie schön, wenn einer es schafft, die magischen Worte ‚Ich liebe dich‘ zu sagen". Und auch einer Ehe wäre sie heute nicht abgeneigt. Viel jünger sollte er aber nicht sein: „Meiner Meinung nach bringen zwanzig Jahre Altersunterschied immer ein peinliches Körpergefühl mit sich. Ich würde mich komisch alt dabei fühlen."

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Männliche Freunde
Mit Jack Nicholson verbindet Diane Keaton heute eine innige Freundschaft. Vor der Kamera stand sie mit dem Schauspieler jedoch nur einmal, und zwar in der für den Oscar nominierten romantischen Komödie „Was das Herz begehrt“.

Wegbegleiter
Nicht nur auf der Leinwand ein Paar: Diane Keaton mit Warren Beatty (oben) und Woody Allen. Mit Letzterem war sie zehn Jahre zusammen.

Filmpreise
Gewonnener Oscar:
1977 für „Der Stadtneurotiker
Oscar-Nominierungen:
1981 für „Reds“, 1996 für „Marvins Töchter“, 2003 für „Was das Herz begehrt“
Gewonnene Golden Globes:
1977 für „Der Stadtneurotiker“, 2003 für „Was das Herz begehrt“
Golden-Globe-Nominierungen:
1977 für „Auf der Suche nach Mr. Goodbar“, 1981 für „Reds“, 1982 für „Shoot of the Moon“, 1984 für „Mrs. Soffel“, 1987 für „Baby Boom – Eeine schöne Bescherung“, 1993 für „Manhattan Murder Mystery“


Angst vor dem Alter
Auch wenn das Alter für Frauen Vorteile mit sich bringe, man mehr genießen könne und ältere Frauen „besser im Bett" seien, habe sie ein bisschen Angst vor dem Alter. „Das mag sich komisch anhören", gesteht sie, „zumal ich ein Mensch bin, der sicherlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als andere Frauen in meinem Alter, aber die Ängste sind dieselben." Die Hauptsache sei daher, man bleibt authentisch. „Es hilft auch, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele schwere Situationen man im Leben schon gemeistert hat. Auf diese Art von Gelassenheit darf man sich freuen."

Vorbild Katherine Hepburn
Den Wunsch, Schauspielerin zu werden, hatte Diane Keaton schon als Jugendliche. Geboren am 5. Jänner 1946 in Santa Ana / Südkalifornien, wuchs Diane als älteste Tochter von vier Kindern in bürgerlichen Verhältnissen auf. Auf das Leben vorbereitet, indem man lernt mit Hürden und Niederlagen umzugehen, war sie von den Eltern nicht worden. „Wir wurden nur auf heile Welt getrimmt", beklagt Diane Keaton. „Als ich in den 50erJahren aufwuchs, war es für Frauen ja das Höchste, die richtigen Haushaltsgeräte zu haben. Nach dem Motto: Mit der perfekten Küche wird alles großartig und das Happy End lässt nicht lange auf sich warten. Meiner Tochter wünsche ich keine perfekte Küche, sondern einen guten Job, mit dem sie sich allein durchbringen kann. Unabhängigkeit ist die Basis, alles andere ergibt sich dann von selbst."

Als sie als Teenager an einem Schönheitsbewerb teilnahm, entdeckte sie das Vergnügen, auf der Bühne zu stehen. Und sie hatte ein großes Vorbild: Katharine Hepburn. Daher begann sie ein Schauspielstudium am Santa Ana College und verließ 19jährig das Elternhaus, um in New York ihre Ausbildung abzuschließen.

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Bittersüsses Eheporträt
Bereits 1968 wurde sie für eine der Hauptrollen im BroadwayMusical „Hair" engagiert, obwohl sie sich weigerte, am Ende des ersten Akts für einen Extrabonus von 50 Dollar Mr. Goodbar" mimte sie eine Lehrerin mit Doppelleben und in Warren Beattys „Reds" die Revolutionärin Louise Bryant. Nach ihrem Regiedebüt mit einer Dokumentation über das Leben nach dem Tod, war die Schauspielerin zuletzt in „Morning Glory" zu sehen. 2011 wird sie im TV-Film „Tilda" als Hollywood-Journalistin zu bewundern sein. nackt aufzutreten. Geschadet hat ihr das nicht, denn kurz darauf wurde sie für das Broadway-Stück „Mach's noch einmal, Sam" an der Seite von Woody Allen engagiert und mit dem Tony-Award ausgezeichnet. Schon bei den Proben funkte es zwischen den beiden, die in der Folge zehn Jahre lang als Paar zusammenleben und acht gemeinsame Filme machen sollten.

Seit der gleichnamigen Verfilmung des Bühnenstücks 1972 hat es kaum ein Jahr gegeben, in dem Diane Keaton ihr schauspielerisches Talent nicht in wenigstens einer Filmproduktion zum Besten geben konnte. Als Komikerin brillierte sie in einer Reihe von Filmen, u. a. als pillenabhängige Frau mit Woody Allen, als liebestolle Provinzwitwe in „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" oder in der romantischen Komödie „Was das Herz begehrt" mit Jack Nicholson. Für ihre Rolle als Annie Hall in „Der Stadtneurotiker" erhielt sie 1977 einen Oscar. Dieses bittersüße Porträt einer Ehe wurde auch zum besten Film des Jahres gekürt.


Brillant auch im Drama
Anhand einer Unmenge von Dramen bewies Diane Keaton, wie gut sie auch die ernste Seite verkörpern kann: In der Trilogie „Der Pate" von Francis Ford Coppola spielte sie die Geliebte Al Pacinos, in „Auf der Suche nach Mr. Goodbar" mimte sie eine Lehrerin mit Doppelleben und in Warren Beattys „Reds" die Revolutionärin Louise Bryant. Nach ihrem Regiedebüt mit einer Dokumentation über das Leben nach dem Tod, war die Schauspielerin zuletzt in „Morning Glory" zu sehen. 2011 wird sie im TV-Film „Tilda" als Hollywood-Journalistin zu bewundern sein.

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