Die Haut, in der ich wohne

Frankenstein war gestern. Im grellen Licht seines OP-Tisches experimentiert ein Mann mit dunkler Vergangenheit (Antonio Banderas) erfolgreich aber illegal am lebenden Objekt. Scheinbar freiwillig in den grausamen Fängen des ebenso genial wie unmoralischen Beauty-Docs: Eine bildschöne junge Frau ...

Eine abgelegene Schönheitsklinik vor den Toren Toledos. Versteckt von den Augen der Weltöffentlichkeit arbeitet der renommierte Chirurg Dr. Robert Ledgard (Antonio Banderas als unwiderstehlicher Gott in Weiß) heimlich an einer medizinischen Sensation: Der Erschaffung künstlicher Haut.

Zufrieden mit dem brillanten und bahnbrechenden Ergebnis, das beispielsweise Verbrennungsopfern neuen Lebensmut geben könnte, möchte der OP-erfahrene Wissenschaftler die Erkenntnisse seiner jahrelangen, privaten Forschungstätigkeiten mit der Öffentlichkeit teilen. Aber die Welt der Wissenschaft lehnt Innovationen, die auf illegalen Versuchen an Menschen basieren, aus ethischen Gründen ab.

Die Haut, in der ich wohne

Frustriert wendet sich Ledgard wieder seinem launischem Hausgast zu: Einer widerspenstigen, jungen Frau names Vera (Elena Anaya), die Ledgard via Überwachungskamera schöne Augen macht und sich gleichzeitig die Pulsadern aufschlitzen will. Eingepackt in fleischfarbene Body-Stockings sucht das exzentrische Wesen nach Möglichkeit, aus ihrem verschlossenen Paietntinnen-Raum zu fliehen. Warum weiß nur ihr einziger Besucher und Kerkermeister: Dr. Ledgard. Aber selbst Ledgards hündisch ergebene Hausangestellte Marilia (Almodóvar-Star Marisa Paredes) wagt nicht, ihrem Dienstherrn ein paar essentielle Fragen zu stellen. Warum, beispielsweise, sieht Vera Ledgards Exfrau Gal so ähnlich, die vor 12 Jahren ums Leben kam?

So viel steht fest: An den Händen des Schnippel-Docs klebt Blut. Und damit sind nicht die Meerschweinchen gemeint, die für die Forschung ihr Leben lassen mussten. Nur der Arztkittel des Herrn Doktor ist blütenweiß, sein Gewissen sicher nicht. Und für sein ganz privates Vergnügen hat "Berto" auch eine maßgeschneiderte Lösung parat ...

Bei seinen durchgeknallten Ausflug ins Horror-Genre hat Regisseur Pedro Almódovar einen unverzichtbaren Komplizen mit durchaus mörderischen Qualitäten: Antonio Banderas.

Abgesehen von den fantastischen Schauwerten- wie dem Prachtkörper Elena Anayas - ist das ruhige Spiel dieses echten spanischen Alphatiers die einzige Konstante in diesem Sammelsurium verquerer Obsessionen, tragischer Ereignisse und offener Wunden in hautengen Kostümen von Jean-Paul Gautier.

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