Die Grüne Welle

Auf der Suche nach einer heilen Welt, nach Bodenständigkeit und Authentizität gewinnt die Kraft der Pflanzen auch in der Kosmetik eine neue Bedeutung.

Auf der Suche nach einer heilen Welt, nach Bodenständigkeit und Authentizität gewinnt die Kraft der Pflanzen auch in der Kosmetik eine neue Bedeutung.

Text Martina Parker, Nina Wolf Fotos X. Renauld for Clarins, beigestellt

Schneller, stressiger, technischer, anonymer. Die ­moderne, hochtechnisierte Welt bietet kaum Zeit und Raum zum Durchatmen, Innehalten und Verweilen. Kein Wunder, dass wir uns immer mehr nach einer heilen Welt, nach bodenständiger Natur und Authentizität sehnen.

Schon in 2004 proklamierte das Mode­label Diesel den Trend zur Natur mit seinem Slogan „Nature – Love it while it lasts“. Heute findet sich diese Entwicklung in fast allen Bereichen unseres Lebens. Denn naturnahe Produkte vermitteln Vertrautheit und Bodenständigkeit in einer unsicheren Zeit. Auch in der Beauty liegen pflanzliche Inhaltsstoffe und Naturbezogenheit im Trend. Wobei sich Giorgos Korres, Gründer der gleichnamigen griechischen Pflanzenkosmetik, gegen den Begriff Trend wehrt und vielmehr von einer logischen Entwicklung spricht. Ganz nach dem Motto: Erst jetzt, wo wir an die Grenzen unserer Ressourcen stoßen, besinnen wir uns wieder ihrer Wertigkeit.

Es ist tatsächlich erstaunlich, wie viel Wissen über die Wirkung von Pflanzen seit dem Altertum jahrtausendelang überliefert und dokumentiert und dann nur innerhalb weniger Generationen vergessen wurde. Schuld daran war die fälschliche Annahme, dass Pflanzenkosmetik und Phyto­medizin zwar schön und gut wären, aber chemische ­Mittel eben eine viel stärkere pharmazeutische oder kosmetische Wirkung erzielen würden.

Hinzu kommt: Chemische Errungenschaften kann man patentieren lassen, dafür Werbung machen und daran verdienen. Für traditionelle Pflanzen gibt es diese Vorteile in der Regel nicht. Denn bei aus Pflanzen gewonnenen Wirkstoffen ist es oft gar nicht so leicht, diese patentrechtlich vor der Konkurrenz schützen zu lassen, vor allem wenn diese bereits medizinisch genutzt werden. Dieser Umstand, den Naturschützer befürworten – man denke nur an die negativen Konsequenzen von patentiertem Hybridsaatgut –, führt allerdings dazu, dass viele Firmen das wirtschaftliche Risiko, in null Komma nichts von der Konkurrenz kopiert zu werden, lieber gar nicht erst eingehen.

Dabei gäbe es bei Pflanzen noch viel zu erforschen. Wissen wir doch nur einen Bruchteil, sowohl, was die diversen Spezies anbelangt, als auch über die spezifischen Wirkungsweisen. „Es ist heute ohne Weiteres möglich, einen Pflanzenwirkstoff zu extrahieren und chemisch nachzubauen“, sagt Giorgos Korres. „Worüber wir aber noch nicht umfassend Bescheid wissen, ist das einmalige Zusammenspiel aller 150 bis 1.000 Substanzen, die eine Pflanze enthält und die sich gegenseitig individuell beinflussen und bestärken.“

„Die Kraft der Pflanzen wird gemeinhin unterschätzt“, glaubt auch Clarins-Firmenboss Christian Courtin-Clarins. „Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man sich mehr vor der gewaltigen Wirkung mancher Pflanzen fürchten sollte als davor, dass sie gar nichts bewirken!“ Korres konzentriert sich in seinen Forschungen traditionell vor allem auf griechische Heilpflanzen. Mitbewerber Clarins, eine Marke,­ die 1966 mit sechs Pflanzenölen für die Hautpflege begann und sich mittlerweile zur Pflegemarke Nummer 1 in Frankreich entwickelte, hat es naturgemäß die französische Fauna angetan.

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Entdecken Sie die Welt der Pflanzen und ihrer kosmetischen Nutzung in der August-WIENERIN. Plus: Helfer für die Schönheit, die auch bei uns gedeihen.

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