Die Gebrüder Moped über Einhörner und Humor

Satire hilft: Ihre falschen Wahlplakate sorgten im Internet für viele Lacher, und im deutschen Fernsehen analysierten sie sogar schon die Nationalratswahl. Ein Gespräch mit den Gebrüdern Moped über Einhörner und Humor.

Der spaßbefreite Veganer und sein Bruder, Hassposter und leidenschaftlich gern besorgter Bürger, planen die Geburtstagsparty für ihre beiden kleinen Töchter. Darum geht es in "Keine Angst", dem aktuellen Programm des Satirikerduos Gebrüder Moped. Es spielt mit Slogans und Ressentiments. Die WIENERIN trifft die Gebrüder Moped, die in echt keine Brüder sind, im Otto Bauer, sechster Bezirk, Nähe Mariahilfer Straße; lokalmäßig eher Homeground der Fraktion glutenallergische Veganer. Der Spritzer schmeckt aber wie in Simmering. Das verbindet vielleicht in Wien letztendlich doch noch alle.

Berühmt geworden sind die beiden Wiener mit ihren gefälschten Bildern und Wahlplakaten im Netz. "Wenn sie kein Geld haben, sollen sie halt zum Bankomat gehen" ließen sie Sebastian Kurz sagen, und aus Christian Kern machten sie eine geschminkte Prinzessin samt Krönchen und Einhorn. Slogan: "Ich hol mir, was mir zusteht."

WIENERIN: Das ARD-Morgenmagazin hat euch das Ergebnis der österreichischen Nationalratswahl kommentieren lassen. Am Tag danach. Ist Satire so etwas wie Österreichs bester politischer Protest?

Martin Strecha-Derkics: Na, wenn es das geworden ist, dann gute Nacht, Österreich. Ich glaube nicht, dass Satire mehr bewirken kann als Politik selbst. Und wir haben uns ja auch gewundert, aber es war nicht das einzige Interview für deutsche Medien. Die Frage dahinter ist eigentlich immer: Wie geht ihr mit den Rechten um?

Franz Stanzl: Wir können da oft mehr antworten, als Journalisten glauben, denn auch die AfD begleiten wir schon eine Zeit lang und es gibt Bilderwitze mit der AfD, die wir vor vier Jahren mit der FPÖ gemacht haben. Wir können da echt auf einen großen Fundus zurückgreifen.

Die Gebrüder Moped beim Interview mit WIENERIN Chefredakteurin Barbara Haas

Worauf denn beispielsweise?

Franz: So was: "Unter den kriminellen Ausländern haben wir einen Ausländeranteil von 100 Prozent und gleichzeitig liegt hier die Kriminalitätsrate bei 100 Prozent. Das sind in Summe 200 Prozent, doppelt so viel, wie es überhaupt Einheimische gibt." Das haben wir als AfD-Plakat losgeschickt und es ging ab wie Sau. Das Lustige war, dass im Netz wirklich diskutiert worden ist, ob das Fake ist oder nicht.

Wie ist es mit den Fake News bei uns? Das Bankomat-Sujet mit Kurz, das Krönchen mit Kern - glauben das UserInnen wirklich?

Franz: Na, net wirklich, aber es fallen auch immer wieder Leute auf einen Tagespresse-Artikel rein - das kann als Kompliment gesehen werden.

Martin: In der Nachschau muss man aber sagen, dass dies der radikalste Wahlkampf war, den wir je erlebt haben. Es ging wirklich darum, eine humanistische Gesellschaft, die auf sozialer Solidarität fußt, zurückzuschrauben. Und was heißt denn jetzt genau "Fairness im Sozialsystem"? Ich bin gespannt, wann die Leute draufkommen, dass diese "Fairness" sie selbst treffen wird. Durch Politiker, die sie selbst gewählt haben.

In eurem Programm "Keine Angst" geht es um zwei ganz unterschiedliche Brüder, die für ihre beiden Töchter eine Geburtstagsparty ausrichten wollen. Quasi: Hassposter trifft Gutmensch. Ist die Zuspitzung rechter und linker Politik nicht eh längst real?

Franz: Na ja, es geht um den Umgang mit Angst, runtergebrochen auf eine private Geschichte.

Martin: Wir nehmen auch die sozialromantische Seite aufs Korn. Und hier können wir aus Erfahrung sagen: Die Guten können Selbstironie. Und zwar nur die Guten.

"Ich muss eine Lanze für Österreich brechen. Bei uns ist es um nix besser, aber auch um nix schlechter als woanders."
Martin Strecha-Derkics, Gebrüder Moped

Wer sind jetzt die Guten aus politischer Sicht?

Martin: Es geht längst nicht mehr um rechts oder links, sondern um einen Wert, der heißt Humanismus.

Ihr seid ja auch in echt Väter von jungen Töchtern. Warum halten sich denn Geschlechterklischees derart stark bei uns?

Martin: Ich finde, es hat sich recht viel getan. Dass meiner Mama Conchita Wurst gefallen darf, das hätte sie selbst vor 20 Jahren nicht geglaubt.

Franz: Ja, es gibt eine Stimmung von Offenheit. Aber als Vater von Töchtern merkt man das trotzdem ganz dramatisch, dass es in der Geschlechtertypisierung einen Rückschritt gibt. Man muss sich nur mal das Spielzeug anschauen. Oder Schokolade nur für Mädchen: Haben die einen anderen Magen?

Martin: Ich breche jetzt eine Lanze für Österreich. Bei uns ist es zwar um nix besser, aber auch um nix schlechter als woanders. Wir sind in unserer Gesellschaft verankert, Rollenklischees werden ausgefüllt, aber auch adaptiert. Meine Tochter ist gern in der Einhornfraktion, und trotzdem sammelt sie Dinosaurierfiguren und Wissen darüber. Auch, um mitdiskutieren zu können. Das finde ich schon cool.

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