Die Frau mit den Katzenaugen

Seit acht Jahren besucht die deutsche Künstlerin Nana Nauwald die Schamanen des Amazonasgebiets. Die WIENERIN hat die Schamanismus-Expertin in Hamburg getroffen.

Seit acht Jahren besucht die deutsche Künstlerin Nana Nauwald Jahr für Jahr die Schamanen des Amazonasgebiets. Wochenlang lebt sie mit den peruanischen Heilern, reist mit ihnen in andere Bewusstseinszustände. Die WIENERIN hat die Schamanismus-Expertin in Hamburg getroffen.

Text Johanna Jenner Fotos Nana Nauwald

Der Amazonas fließt durch Deutschland, mitten durch die Lüneburger Heide. Besser gesagt: der Geist des Amazonas. Im Süden von Hamburg, in einem Haus mit großem, wildem Garten, wohnt Nana Nauwald. Sie ist Künstlerin, Buchautorin – und Schamanismus-Expertin. Wer sie besucht, betritt eine andere Welt. Links und rechts vom Eingang säumen buntbemalte Steine und Holzstatuen den Weg – „ meine guten Hausgeister“, sagt Nana Nauwald im Vorübergehen.

In der Wiese sind Steine zu einer über­dimensionalen Spirale drapiert. Federn sprießen wie Pflanzen aus dem Boden. Sonnen­strahlen fallen durch die Bäume auf einen skelettierten Tierschädel, der auf einem Steinhaufen thront. „Das ist mein Platz für das Böse. So erinnere ich mich jeden Tag, dass es zerstörerische Kräfte im Leben gibt, und zolle ihnen damit meinen Respekt“, sagt die 61-Jährige. Sie deutet auf zwei Eisensäulen, auf denen Tierknochen aufgefädelt sind. „Das hier ist der spirituelle Platz für meine Ahnen. Ich stehe oft davor, denke an das Leben vor mir und daran, dass ich viele Infor­mationen von anderen Menschen in mir trage.“

Seit 27 Jahren beschäftigt sich Nana Nauwald mit Schamanismus. Ihre Exkursionen zu den indigenen Völkern des Amazonasgebiets haben sie zu einer Expertin gemacht. Seit vielen Jahren besucht sie immer wieder für mehrere Wochen peruanische Dorfgemeinschaften, nimmt an deren Leben teil. Dass sie mit Leidenschaft in eine andere Welt eintaucht, sieht man nicht nur an ihrem Garten. Nana Nauwald trägt ein T-Shirt, das mit einem Symbol des Volkes der Shipibo bestickt ist, ­Ureinwohnern des Amazonasgebiets. Es ist das Muster des Jaguars, das nur wenige Menschen tragen dürfen. Sie darf es, „weil ich zu der geistigen Familie des Amazonasstammes gehöre. In einer Zeremonie wurde das Muster mit einem Schutz ­belegt.“

Um ihren Hals baumelt eine Kette mit Bernsteinen und einem großen Stoßzahn. Ihre schwarzen Haare stehen wild in alle Richtungen. Wenn sie von den Dschungelschamanen spricht, leuchten ihre hellgrünen Augen. Nicht umsonst wird sie von ihnen die „Frau mit den Katzenaugen“ genannt.

Erst vor zwei Tagen ist sie von einer Expedition zu den Heilern des Amazonas zurückgekehrt in die Lüneburger Heide, zu ihrem Mann. Sechs Wochen hat sie in einem Dorf der Shipibo verbracht, das nur mit dem Flugzeug oder dem Boot erreichbar ist. Und dann folgt noch ein langer Fußmarsch. Gepäck kann die Weltenbummlerin nicht viel ­mitnehmen. „Außer Kleidung, die ich in wasserdichte Säcke packe, meiner homöopathischen Apotheke und Tropenme­dizin habe ich fast nichts dabei. Mehr könnte ich nicht tragen“, sagt die 1,56 Meter große Frau, die fließend Spanisch spricht.

(...)

Was Nana Nauwald am Amazonas erlebt und wie Schamanen arbeiten, lesen Sie in der Juni-Ausgabe der WIENERIN.

Schamane_rand
Ein Schamane ohne Tabak ist kein Schamane. Die Zigaretten aus Dschungeltabak gehören zu seinen rituellen Arbeitsmitteln.

DSCF1227_rand
Die Autorin Nana Nauwald auf einer ihrer Expeditionen im Amazonasgebiet.

Kraeuterfrau_rand
Kräuterfrau Maria ist spezialisiert auf Liebesmittel.

DSCF1581_rand
Von ihrem Freund, dem Shipibo-Schamanen Reshin Nika, hat Nana Nauwald viel über Rituale und Heilungszeremonien gelernt

Aktuell