Die FPÖ und ihre rückständige Frauenpolitik

Nackt, blond, blauäugig: so lässt sich das Frauenbild der FPÖ wohl am besten zusammenfassen. Mit dem Macho-Gehabe der Freiheitlichen können aber nur wenige Frauen etwas anfangen.

Traditionell kommt die FPÖ bei Frauen nicht so gut an. Bei der letzten Wien-Wahl im Jahr 2010 haben eindeutig mehr Männer für die Blauen gestimmt. Auch bei der Landtagswahl in Oberösterreich kamen die Freiheitlichen besser bei den Männern (38 Prozent wählten FPÖ) als bei den Frauen (24 Prozent) an. Eine wienerin.at-Umfrage in Wien zeigt bereits, wie es um die Beliebtheit HC Straches bei den Wienerinnen steht - nämlich nicht gar so gut:

Sexismus und Doppelmoral

Dass die Blauen bei der weiblichen Bevölkerung eher schlecht ankommen, ist angesichts der nicht-existenten Frauenpolitik und sexistischer Frauenbilder wenig verwunderlich. Wir erinnern uns etwa an die Kampagne des Rings Freiheitlicher Jugendlicher (RFJ) Burgenland Ende Juni, die uns zeigen wollte, wie „echte Frauen“ aussehen müssen – blond, blauäugig und nackt:

Die Botschaften dahinter: „Frauen haben weder einen Bart, noch einen Penis!“, „Frauen brauchen kein Binnen-I“ und „Frauen brauchen keine Quoten“. Was die Sache noch kurioser macht: die FPÖ schickte damals zur gleichen Zeit eine Aussendung aus, in der FPÖ-Klubobmann Gudenus über „tiefsten Sexismus“ klagte, als die „Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen“ (FSG) am Donauinselfest „Haxen-Spreizer“ (ein alkoholisches Getränk) mit nackten Frauenbildern bebilderte.

Dabei sind sexistische Werbesujets gang und gäbe bei der FPÖ. Die „Freiheitlichen Arbeitnehmer“ Niederösterreich haben 2014 eine nackte Frau mit einem Hammer abgebildet. Sie rechtfertigen sich damit, dass sie Frauen auf „natürliche Weise“ darstellen wollten. Unnatürlich seien nämlich nur die bösen Feministinnen, wie dann zugleich klargestellt wurde.

Willkommen im 21. Jahrhundert

Das Frauenbild der Freiheitlichen Abgeordneten lässt oft ratlos zurück. Diverse FP-Politiker haben bereits mit frauenfeindlichen Aussagen geglänzt. FPÖ-Mandatar Johannes Hübner meint zum Beispiel, dass der Mann zum Führen geboren ist und sich wegen seiner Testosterone nicht so gut an Gesetze halten kann.

„Frauen sind das Fundament der Familie“ oder „Ja zu Familien statt Gender-Wahnsinn“ sind nur einige der FP-Slogans, die darauf hindeuten, wo die Frau hingehört: in den Haushalt und zu ihren Kindern. Und davon soll es am besten viele geben. Auch Ampelpärchen und Homo-Ehe sind der FPÖ ein Dorn im Auge. Denn: „Nur die Partnerschaft von Mann und Frau ermöglicht unserer Gesellschaft Kinderreichtum.“ Doch auch die Frauen innerhalb der FPÖ haben zuweilen ein seltsames Frauenbild. So sagte Barbara Rosenkranz bei einer Sonnwendfeier im Jahr 2008: "Jede Hure findet großes öffentliches Interesse. Die mütterliche Frau hingegen wird belächelt." Anschließend stimmte sie mit der dort anwesenden deutschnationalen Gesellschaft ein SS-Lied an.

Die FPÖ wäre aber nicht die FPÖ, wenn sie dabei nicht eine ordentliche Portion Doppelmoral an den Tag legen würde. So beklagen vor allem die Freiheitlichen bei jeder Gelegenheit, wie sehr Frauen im Islam unterdrückt werden. Interessant ist nur, dass das gerade von einer Partei kommt, deren Frauenanteil im Parlament bei 18 Prozent liegt und die Frauen am liebsten hinter dem Herd sehen würde.

Zurück in die Vergangenheit - ein Credo, das bei der FPÖ ernst genommen wird. Dazu passen dann auch gleich die Hitlergrüße, die bei der FPÖ-Abschlusskundgebung am Donnerstag am Stephansplatz gesichtet wurden. Dass die FPÖ mit Feminismus und Gleichberechtigung von Frauen wenig anfangen kann, passt zu ihrer Ideologie. Eine eigene Frauenpolitik gibt es nicht, die Familie steht schließlich als „Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft“ im Vordergrund.

Weiße Hetero-Männer-Partei

HC Strache fühle sich jedoch von starken Frauen angezogen. "Nur schwache Männer suchen Hascherln", ließ er einmal verlautbaren. Ob das nun stimmen mag oder nicht - seine Freundinnen passen zumindest optisch in das typische FPÖ-Frauenbild: blond, blaue Augen und sehr jung. Auch sexistische Facebook-Postings kommen beim FP-Chef schon einmal vor. Etwa im Jahr 2013, als er während des Jägerballs postete: "Viele Jäger und Hasen :-)))auf, auf ihr Hasen, hört ihr nicht die Jäger blasen! :-)))"

"Wir grenzen NIEMANDEN aus" plakatiert die FPÖ derzeit auf den Straßen Wiens. Das ist jedoch angesichts ihrer weißen Hetero-Männer-Politik schwer zu glauben. Es scheint so, als würde die FPÖ ständig versuchen, etwas zu verhindern, das längst Realität ist. Die Zeiten, in denen sich die Welt nur um Männer gedreht hat, in denen sich Frauen nur um die Familie kümmern und gleichgeschlechtliche Liebe verboten war, sind in Österreich zum Glück lange vorbei. Statt also zu versuchen, etwas zu verhindern, das längst Realität ist, sollten Zukunftskonzepte her, sollte die Einkommensschere geschlossen werden, Frauen im Berufsleben unterstützt und Sexismus weiter bekämpft werden. Eine Stimme für die FPÖ ist somit vor allem eins: ein Stimme für den Rückschritt von Frauenrechten.

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