Die Fleisch-Frage

Woher kommt das Fleisch auf unserem Teller? Warum essen wir überhaupt Tiere? Diese Fragen hat sich der amerikanische Bestsellerautor Jonathan Safran Foer gestellt und sorgt mit seinem Buch „Tiere Essen“ für heftige Diskussionen. Ob man beim Fleischkonsum ein schlechtes Gewissen haben sollte und welche Alternativen es gibt, lesen Sie hier.

Mit seinem neuesten Buch „Tiere Essen" sorgt Jonathan Safran Foer für heftige Diskussionen über Fleischkonsum und Vegetarismus und bringt viele Leser zum Fleischverzicht. Der Autor schwankte selbst lange Zeit zwischen Ernährung mit und ohne Fleisch. Die Geburt seines Sohnes brachte ihn aber nicht nur zum Schreiben des Buches, sondern auch zum Verzicht auf Schwein, Huhn & Co.


„Diese Geschichte begann nicht als ein Buch. Ich wollte nur wissen - für mich und für meine Familie - was Fleisch eigentlich ist. Wo kommt es her? Wie wird es produziert? Welche Folgen hat unser Fleischkonsum für die Wirtschaft, die Gesellschaft und unsere Umwelt? Gibt es Tiere, die man bedenkenlos essen kann?", so der Autor.

Foer erwartet von niemandem den sofortigen Verzicht auf Fleisch, wie er in einem Interview mit der FAZ betont. Er selbst habe 20 Jahre gebraucht, um auf Fleisch verzichten zu können. Schon einzelne Entscheidungen könnten etwas Positives bewirken. Will man auf das Wohlergehen der Tiere achten, sollte man am ehesten Eier vom Speiseplan weglassen, sagt Foer. Wem Umweltschutz wichtiger ist, sollte auf Rindfleisch verzichten und wer auf die Zukunft des Planeten achten will, der sollte Fisch streichen.


Glückliches Schnitzel?
Wer im Restaurant ein Steak oder Hühnerfilet bestellt, im Supermarkt Faschiertes einkauft oder Thunfischpizza isst, fragt nicht, ob das Fleisch von glücklichen Tieren kommt und wie viel Treibhausgase ausgestoßen wurden, bis es vom Stall oder Teich auf den Teller kam.
Massentierhaltung, mit Medikamenten angereichertes Tierfutter oder der übermäßige Ausstoß klimaerwärmender Gase im Rahmen der Viehzucht stehen nicht hinter jedem Bissen Fleisch, sind jedoch für jeden Konsumenten vermeidbar. Der eingeschränkte Konsum oder der totale Fleischverzicht sind die einfachsten Wege, aber nicht die einzigen.

Tiere Essen
von Jonathan Safran Foer
Verlag Kiepenheuer & Witsch, € 20,60
... für die Herstellung von einem Kilo Viehfutter zwischen 500 und 2.000 Liter Wasser pro geerntetem Produkt verbraucht werden?
... für 1 kg Rindfleisch aus der Intensivzucht 100.000 Liter Wasser benötigt werden? 1 kg Hühnerfleisch verbraucht insgesamt 3.500 Liter Wasser.
... ein großer Teil des Regenwaldes in Südamerika abgeholzt wird, um Soja als Futtermittel anzubauen und Weideflächen zu schaffen?
(Daten: nutritionecology.org)

... laut deutschem Tierschutzverband 98 Prozent der Hühner und Schweine, die zum Verzehr gedacht sind, aus Massentierhaltung stammen?
... die Viehzucht nach neuesten Berechnungen des World Watch Institutes für den Ausstoß von 51 Prozent der klimaerwärmenden Gase verantwortlich ist? Bislang ging man nur von 18 Prozent aus.
... Vegetarierer länger leben? Das zeigt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die höhere Lebenserwartung hängt aber auch mit dem gesünderen Lebensstil von Vegetarieren zusammen.


Fleisch
Österreicher lieben Fleisch. Pro Jahr nimmt jeder von uns im Schnitt 66,4 kg zu sich, 40 kg davon entfallen auf Schweinefleisch. Pro Woche kommt demnach rund drei Mal Schweinefleisch auf den Tisch. Schweinen ist allerdings nicht immer ein glückliches Leben gegönnt, wie die Tierschutzorganisation Vier Pfoten informiert. In Mastbetrieben kann es schon vorkommen, dass die Tiere in engen Boxen stehen müssen, die hygienischen Umstände mangelhaft sind und die Schweine Antibiotika ins Futter gemischt bekommen, um stärker und krankheitsresistenter zu werden.
Um diese Praktiken weder zu unterstützen, noch das betroffene Fleisch auf den Teller zu haben, kann auf Bio-Fleisch umgestiegen werden. Tiere aus Bio-Aufzucht werden unter artgerechten Bedingungen gehalten und erhalten nur Futter aus biologischer Landwirtschaft.


Fisch
Zuchtlachse erhalten mit Mediamenten angereichertes Futter, Shrimpszuchten in Asien zerstören Mangrovenwälder und Delphine kommen qualvoll in Netzen um, die eigentlich für den Thunfischfang gedacht sind, warnt Vier Pfoten.
Eine Alternative stellt in Österreich der ARGE Biofisch dar, die glückliche Karpfen und Forellen garantieren, die weder Hormone noch Zusatzstoffe mit dem Futter erhalten haben und mit genügend Platz aufgewachsen sind.


Eier
„Eier von glücklichen Hühnern" - Eierschachteln mit diesem Zusatz packt man gerne in den Einkaufskorb. Doch wo glücklich draufsteht, steckt noch lange kein glückliches Huhn dahinter. Hier muss genauer hingeschaut werden, nämlich auf die Kennzeichnung der Eier. Diese zeigt Haltungsform, Ländercode und Nummer des Legetriebs an. 1 AT 1234567 steht beispielsweise für ein österreichisches Ei aus Freilandhaltung. Die erste Ziffer zeigt die Haltungsform an: 3 steht für Käfighaltung, die allerdings seit Anfang 2009 in Österreich verboten ist. 2 steht für Bodenhaltung (7 bis 9 Tiere pro Quadratmeter), 1 für Freilandhaltung (tagsüber Zugang zu Auslaufflächen) und 0 für Bioprodukte mit artgerechter Haltung, genügend Auslauf und Bio-Futter.

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