Die ewige Braut

Uma Thurman braucht mit fast vierzig Jahren keine Actionexzesse mehr. Sie setzt neuerdings lieber auf Romanzen.

Quentin Tarantino nennt sie seine Muse – und lässt sie in seinen postmodernen Trash-Verschnitten als mondäne Killer-Queen auftreten. Doch Uma Thurman braucht mit fast vierzig Jahren keine Actionexzesse mehr. Sie setzt neuerdings lieber auf Romanzen.

Text Peter Hiess Fotos James White/Corbis Outline, Myles Aronowitz/LUSH Photography

Gangsterbraut. Mia, die Frau des großen Verbrecherchefs, verbringt den Abend mit dem besten Profikiller (John Travolta) ihres Gatten. Beim Twist-Wettbewerb. Danach erwischt sie eine Überdosis Heroin – und muss mit einer Adrenalinspritze direkt ins Herz wiederbelebt werden (Pulp Fiction).

Ja, Fanboys sind die Hölle. Wo normale Fans nur grinsen, glotzen und Autogramme wollen, studieren Fanboys akribisch das Gesamtwerk „ihrer“ Stars, können jede einzelne Dialogzeile aus deren Filmen mitsprechen, wissen viel zu gut über das Privatleben der Idole Bescheid und entwickeln sich gelegentlich sogar zu Stalkern, die eines Nachts im Schlafzimmer der Hollywood-Promis stehen.

Auch Uma Thurman hatte einmal so einen, der sie zwei Jahre lang belästigte. Seit Pulp Fiction sind die Fanboys der heute 38-jährigen Schauspielerin eben keine aufgeregten Buben mehr, sondern erwachsene Männer, die sich in der Freizeit gern in schwarze Kellneranzüge kleiden und die harten Hunde spielen, weil sie zu viel Tarantino gesehen haben.

Doch es ist eben genau die Rolle in Pulp Fiction, die Uma 1994 weltberühmt und zur Oscar-Anwärterin gemacht hat. Zuvor ging sie durch dieselbe harte Schule wie alle Hollywood-Starlets seit der Stummfilmzeit: Glamour-Model seit dem 15. Lebensjahr, dann erste Filmrollen, unter anderem im grandiosen Die Abenteuer des Baron Münchhausen von Regisseur Terry Gilliam, wo die schöne 18-Jährige passenderweise die Göttin Venus spielte. Fast nackt. Damit waren die Münder der Fans und Fanboys wässrig gemacht. Und mit ähnlich viel Erotik ging es weiter …

Die junge Adelige Cecile de Volange wird zum Spielball böser Mächte, als sie im Auftrag der eifersüchtigen Marquise de Merteuil (Glenn Close) vom Lebemann Vicomte de Valmont (John Malkovich) verführt wird. Das Ergebnis: Schwangerschaft, Fehlgeburt, Tragik (Gefährliche Liebschaften).

Mit ihrer Nebenrolle im Kostümdrama von Stephen Frears wird Uma noch mehr zum Sexsymbol für Cineasten. Sie selbst versteht das nicht ganz und beschreibt sich als „groß, strohblond, irgendwie blaue Augen, an manchen Stellen dünn, an anderen fett – ein durchschnittliches Mädchen“. Aber sie kann mit der Welt des Scheins umgehen, schließlich stammt sie aus einer mondän-exotischen Familie mit schwerem Hippie-Touch. Ihre Mutter Nena war in ihrer schwedischen Heimat Fotomodell, später Psychotherapeutin und in erster Ehe mit dem Sixties-Helden und „Drogenpapst“ Timothy Leary verheiratet. Vater Robert unterrichtet an der New Yorker Columbia University „Indo-Tibetan Buddhist Studies“, wird als erster Westmensch in Tibet zum buddhistischen Mönch geweiht und lädt gelegentlich den Dalai Lama zum vegetarischen Abendessen bei Thurmans ein.

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