Die etwas andere WG

Wenn schon alt, dann bitte so: Jane Fonda, Geraldine Chaplin, Pierre Richard, Claude Rich ziehen mit Hund und Daniel Brühl in eine rüstige Senioren-WG. Erotische Eskapaden, jede Menge Rotwein und gelegentliche Streitereien inbegriffen. Alter schützt vor Lebenslust NICHT!

Nach seinem Herzinfarkt kann der 75-Jährige Claude (die Rolle auf denn Leib geschrieben: Claude Rich) nicht mehr so wie früher. Der Arzt weigert sich, dem verwitweten Draufgänger Viagra zu verschreiben, er darf die Dienste von Erotikfacharbeiterinnen nicht weiter in Anspruch nehmen und auch sein Lieblingshobby, das Fotografieren, muss er bleiben lassen.

Claudes undankbarer Sohn setzt den Lustgreis in einem Altersheim ab. Dort gibt's statt nacktem Frischfleisch welke Körper, die verwirrt ihrem Ende entgegenschlafen.

Aber wozu hat man Freunde? Bei einem Besuch im Altersheim schmuggeln Claudes beste Freunde Jeanne (Jane Fonda), Albert (Pierre Richard), Annie (Geraldine Chaplin) und Jean (Guy Bedos) eine Pulle Rotwein und gut abgelegene Landsalami ins Krankenzimmer. Der Entschluss des rüstigen Quartetts steht schnell fest: An so einem Ort, kann man einen guten Freund nicht vergammeln lassen.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Die fünf Freunde ziehen gemeinsam in das riesige Haus von Annie und Jean. Alberts Hund Oscar inklusive. Altersheim und Tierasyl ist nichts für diese Herrschaften! Als einziger WG-Bewohner unter 70 wird lediglich der knackige Ethnologie-Doktorand Dirk (wunderbar: Daniel Brühl) geduldet und geherzt. Der Deutsche, ursprünglich als Hundesitter engagiert, darf sich bald über tiefe Einblicke in das Leben der über 70-Jährigen bei seiner Feldforschung zum Thema "Die Situation der Alten in Europa" freuen. Darunter das Sexleben der WG-Bewohner und der nackte Hintern eines Versuchsteilnehmers.

Mag der Tod auch anklopfen, die Mobilität mancher WG-Bewohner zu wünschen übrig lassen und ab- und zu die Badewanne übergehen: Die Lebenslust dieses Quintetts, das eine über 50 Jahre lange Freundschaft verbindet, ist nicht zu bremsen

Warmherzig, witzig, großartig gespielt. Voller Weisheit, Sehnsucht, Melancholie und unbremsbarer “joie de vivre“. Ab ins Kino! Mehr Spaß gibt’s nicht!

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