Die erste nicht-weiße Kandidatin: Kamala Harris zieht mit Joe Biden in den Wahlkampf

US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden hat endlich seine 'running mate' verraten: Senatorin Kamala Harris. Während auf der einen Seite diese historische Entscheidung gefeiert wird, erinnern andere, dass Repräsentation alleine nicht genug ist.

Es ist nicht das erste "erste Mal" in Kamala Harris' Leben: Die 55-Jährige war die erste kalifornische Generalstaatsanwältin, die erste Schwarze US-Senatorin und ist nun die erste nicht-weiße Frau auf einem Präsidentschaftsticket. Die Wahl ist wenig überraschend: Harris hat Biden in den Vorwahlen zwar scharf kritisiert, passt mit ihrer pragmatisch-moderaten Politik aber gut ins Bild. Und: zum Zeitgeist.

Erst am Montag riefen mehr als hundert männliche Schwarze Führungspersönlichkeiten, darunter Künstler, Anwälte und religiöse Anführer, Biden in einem offenen Brief dazu auf, eine Schwarze Frau als Vizepräsidentin zu wählen: "Das ist nicht mehr nur etwas, das passieren sollte. Es MUSS passieren. [...] Wenn Sie jetzt verabsäumen, sich 2020 für eine Schwarze Frau zu entscheiden, werden sie diese Wahl verlieren." Der Text solidarisierte sich mit einem ähnlichen Brief von mehr als 700 einflussreichen Schwarzen Frauen, die Joe Biden schon im April dazu anhielten, den "Moment zu ergreifen" und mit einer Schwarzen Frau in den Wahlkampf zu gehen.

Freude über Harris Nominierung

Und die Freude ist groß, vor allem berühmte Frauen sprechen sich enthusiastisch für Harris aus.

Repräsentation ist wichtig, aber nicht alles

Für marginalisierte Menschen kann es empowernd sein, jemanden in einer Machtposition zu sehen, der*die so ist wie sie. Vor Kamala Harris kandidierten erst drei Frauen für das Amt der Vizepräsident*in: Sarah Palin für die Republikaner in 2008, Geraldine Ferraro für die Demokraten in 1984 und Tonie Nathan für die kleine Liberatarian Party in 1972. Harris ist aber nicht nur eine Frau, sie ist auch die erste Schwarze Kandidatin. Sollte sie Vizepräsidentin werden, wird sie erst die zweite Person of Color sein, die dieses Amt inne hat. Das kann man schon als Fortschritt sehen.

Nur: Repräsentation alleine hilft nichts, wenn die Politik die gleiche bleibt. Eddie Glaude Jr., Professor für African American Studies an der renommierten Princeton University hätte den offenen Brief ebenfalls unterzeichnen sollen. Zwar sei er auch für die Nominierung einer Schwarzen Frau, das politische Gesamtkonzept sei aber wichtiger als die bloße Repräsentation von Gender oder Ethnie. "Es ist nicht genug, eine Schwarze Frau zu nominieren", schreibt er auf Twitter. "Wir brauchen eine Agenda, die diese Nation radikal neu denkt."

Kritiker*innen werfen Harris vor, als Generalstaatsanwältin und später Senatorin eine Politik mitgetragen zu haben, die für die massive Diskriminierung und gesellschaftliche Benachteiligung von People of Color verantwortlich ist. Ihre Identität mache das nicht besser.

Politische Satire im Wahlkampf: Jetzt geht es los

Recht uneingeschränkt ist die Freude bei Comedians und Comediennes. Künftige Konfrontationen zwischen den demokratischen und den republikanischen Kandidat*innen liefern schon jetzt Stoff für zahlreiche Witze;

Besonders der amtierende Vizepräsident Mike Pence ist seit gestern Gegenstand zahlreicher humoristischer Tweets und Postings. 2017 sagte Pence in einem Interview, er würde niemals alleine mit einer Frau essen, die nicht seine Ehefrau sei. Im Internet fragt man sich nun, wie das mit den Debatten der Vizepräsidentschaftskandidat*innen funktionieren solle, wenn Pence nicht in Gegenwart einer Frau sein darf oder will.

Die eigentliche Profiteurin von Harris' Nominierung, munkeln andere vermutlich grinsend, ist die Schauspielerin und Comedienne Maya Rudolph: Sie personifizierte Harris in Sketches in der beliebten Comedy-Sendung Saturday Night Life und wurde für ihre Darstellung sogar für einen Emmy nominiert. Bleibt Harris länger am politischen Parkett, könnte Rudolph eine ähnliche Karriere hinlegen wie Alec Baldwin mit seinen Trump-Darstellungen.

 

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