Die erste Jogginghose mit Wärmflasche: "Nicht nur praktisch, sondern auch ein bisserl weltverändernd“

Menstruationsbeschwerden sind immer noch ein Thema, das entweder totgeschwiegen oder heruntergespielt wird - dabei sind sie für viele Frauen* eine ernstzunehmende Belastung im Alltag. Lisa-Maria Reisinger hat sich jetzt etwas überlegt, das Abhilfe schaffen soll: Die erste Jogginghose, die Platz für eine Wärmflasche bietet.

Femitale

Alle, die regelmäßig unter Menstruationsbeschwerden leiden, werden zustimmen: Die Wärmflasche ist in dieser Zeit deine beste Freundin. Problematisch wird’s, wenn man grad nicht die Möglichkeit hat, den ganzen Tag daheim im Bett zu verbringen, sondern vielleicht doch mal raus muss und seinen wärmenden Begleiter nicht mittransportieren kann. Lisa-Maria Reisinger aus Linz sah in der Problematik eine Chance und gründete das Start Up femitale, das sich auf "Everyday-Hosen“ spezialisiert, die Platz für die Wärmflasche bieten. Wir haben mit der Gründerin über ihr Produkt gesprochen.

Wie bist du auf die Idee der "Everyday-Hose“ gekommen?

Lisa-Maria Reisinger: Die Idee ist mir dadurch gekommen, dass bei mir Endometriose diagnostiziert wurde. Diese Krankheit geht mit sehr starken Regelschmerzen einher, wodurch ich sehr oft meine Wärmflasche brauche. Wie quasi jede Frau weiß, hilft Wärme bei Periodenschmerzen ja sehr gut. Letztes Jahr im Oktober war’s einmal so, dass mein Hund rauswolte, ich aber Schmerzen hatte. Also hab ich nach einer Hose gesucht, die auch an meine Wärmflasche denkt, bin allerdings nicht fündig geworden. Da hab‘ ich mir gedacht, "Naja, dann mach ma‘s halt selbst!“

Die Idee dahinter war, die Hose so schön wie möglich zu gestalten, sie soll keinesfalls an ein Medizinprodukt erinnern und jeden Tag getragen werden können. Ich finde, dass es im Jahr 2019 Zeit ist, dass man solche Dinge sichtbar machen darf. Ich habe es einfach satt gehabt, dass man ständig nur diskrete Menstruationsprodukte am Markt sieht. Wir reden zwar schon über viel, auch über die Periode selbst, aber eben nicht genug über die Schmerzen, die damit einhergehen können. Ich wollte ein Produkt herstellen, dass sehr gesellschaftsfähig ist, das ist eine bequeme Hose ja, die hat quasi jeder zuhause, gleichzeitig aber ein Thema aufgreifen, das eben noch nicht so gesellschaftsfähig ist. Das ist so die Symbiose, die ich herstellen wollte.

Wie genau äußert sich Endometriose?

Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Schmerzerkrankung, jede zehnte Frau ist davon betroffen. Das stärkste und häufigste Symptom sind sehr starke Unterleibsschmerzen in der Periode. Damit einhergehen können aber zum Beispiel auch sehr starke Schmerzen beim Eisprung oder auch vor und nach der Periode. Ich habe eigentlich täglich Unterleibsschmerzen, vor allem beim langen Stehen, Sitzen... Auch das Immunsystem ist beeinträchtigt, viele Frauen haben Magen- und Darmprobleme Blasenprobleme, Erschöpfung, chronische Müdigkeit, auch Migräne hängt oft damit zusammen. Diagnostiziert wird es mit einer Bauchspiegelung, wenn es sehr stark fortgeschritten ist, kann man es auch im Ultraschall oder im MR sehen. Ein weiteres Anzeichen sind sog. "Schokoladezysten“ (Ovarialzysten mit dunkelbraun-roter Blutmasse), wenn man die im Ultraschall sieht, ist das meist auch ein Anzeichen für Endometriose.

Wieso hast du den Namen femitale gewählt?

Ich muss zugeben, dass ich mit dem ein bissl ins Klo gegriffen hab, weil ich natürlich verschiedene Menschen Endometriose haben können. Auch Menschen, die sich nicht als Frauen identifizieren, können gynäkologische Beschwerden haben. Prinzipiell steht es für feminin und Frauengeschichten, eine Wärmflasche sieht man und die darf man sehen. Sie erzählt eine Geschichte - deine Geschichte. Es ist Zeit für ein authentischeres Leben, man soll sich nicht mehr verstecken müssen. Das ist, wofür femitale steht: Nicht nur praktisch, sondern auch ein bisserl weltverändernd.

Wie werden die Hosen produziert?

Ich habe da eine Produktionsagentur, die mir hilft - von der Schnitterstellung bis zum Prototypen und beim Produktionsmanagement. Mit der Produktion bleiben wir in Europa, das ist fix, wir wissen aber noch nicht, ob es Portugal oder Polen wird, das kommt dann auch auf die Stückzahl an. Wir sind GOTS-zertifiziert (GOTS = Global Organic Textile Standard) - mir war es wichtig, fair und nachhaltig zu produzieren, weil ich finde, dass ein Produkt, welches Frauen helfen soll, dann nicht von Frauen hergestellt werden darf, die nicht fair bezahlt werden oder unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden. Es sollte eine Win-Win-Situation für jeden sein, deswegen ist das große Merkmal an der Hose, dass da auch rundherum alles passt.

femitale ist eine Startnext-Kampagne und kann noch bis 8.12.2019 unterstützt werden. Auf der Plattform können Interessierte eine femitale (Pre Sale-Preis: 109€) vorbestellen oder das Projekt mit einem anderen Beitrag unterstützen.

 

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