Die Eleganz der Madame Michel

Eine kratzbürstige Concierge, ein trotziges Mädchen und ein Japaner werden zu Gefährten auf einer Entdeckungsreise zum Geheimnis des Glücks. In der brillanten Verfilmung von Muriel Barbery Bestseller triumphieren Warmherzigkeit über Weltschmerz, die Klugen über die Eingebildeten und die Liebe über die Einsamkeit.

Aus dem Bullauge ihrer Concierge-Loge überblickt Madame Renée Michel (Josiane Balasko) wachsam und diskret das Treiben in der Rue de Grenelle 7. Madame Michel, 54 und verwitwet, ist von Beruf Concierge. Ein Beruf, der in dieser Form außerhalb von Paris schon lange vom Aussterben bedroht ist. Abgesehen von Putzarbeiten und kleinen Botendiensten erwartet man nicht viel von der Hüterin des vornehmen Pariser Stadtpalais. Auch in intellektueller Hinsicht. Dabei ist Madame Michel alles andere als ungebildet ...

Wie der Name ihres Katers Leo bezeugt, ist ihr Lieblingsautor Tolstoi, ihr Lieblingsfilmregisseur der japanische Altmeister Yasujiro Ozu und auch sonst verbirgt sich hinter ihrer knorrigen Korrektheit der Feinschliff einer Philosophin. Die leidenschaftliche Autodidaktin macht sich einen Spaß daraus, die in jahrelangen Mußestunden erworbene Bildung vor den arroganten Hausbewohnern zu verbergen. Eingeigelt in ihre eigenen Vorurteile, vergräbt sich die Misantrophin in Berge von Literatur und Philosophie, nichts ahnend, dass eine gleichgesinnte Seele sie bald aus ihrem Winterschlaf holen würde ...

Vergraben in ihre eigene Philosophie des Unglücks ist auch die 11-jährige Paloma (Garance Le Guillermic). Hochbegabt aber tieftraurig und von der Hässlichkeit und der Gemeinheit der Welt überzeugt, beschäftigt sich die Schülerin vor allem düsteren Plänen zu ihrem Ableben. Zum Äußersten entschlossen, verbringt Paloma die 165 Tage bis zu ihrem inszenierten Selbstmord, ihre Eindrücke mit einer Videokamera festzuhalten. Schönheit und Wahrhaftigkeit könnte sie von ihrem Vorhaben abhalten, doch die Erwachsenen um sie, finden keinen Zugang zu ihr. Bis sie zwei außergewöhnliche Menschen kennen lernt ...

Von entwaffnender Liebeswürdigkeit entpuppt sich der neue Eigentümer Monsieur Kakuro Ozu (Togo Igawa). Nicht nur sein perfektes Französisch und sein scheinbar unermesslicher Reichtum faszinierenden die Hausbewohner, sondern auch sein feines Gespür für die wahren Schätze der Rue de Grenelle Sieben. Wie Madame Michel liebt auch Monsieur Ozu Anna Karenina von Tolstoi, eine Leidenschaft, die die beiden - aller äußeren Umstände zum Trotz - bald zusammenführen soll .... Denn im Gegensatz zu allen anderen ist der attraktive Gentleman aus dem Land der aufgehenden Sonne frei von Standesdünkel und erkennt als einziger sofort die Schönheit und Eleganz der angeblich so unscheinbaren Concierge ...

Eleganz Madame Michel

Was uns an Die Eleganz der Madame Michel so gut gefällt:
Allein in Frankreich ist "Die Eleganz des Igels" - so der Titel der Romanvorlage zum Film - 1,2 Millionen mal über den Ladentisch gegangen. In 39 Sprachen übersetzt, entzückt die Ode an "Herzensbildung" ein weltweit großes Publikum. Die junge Regisseurin Mona Achache (auch für das Drehbuch verantwortlich) hat den philosophischen Roman in ein wunderbar leichtes, ironisch verspieltes Kinomärchen verwandelt. Immer wieder wechselt der Film die Perspektive zwischen zwei Außenseitern, die den Stumpfsinn ihrer Mitmenschen kaum ertragen - und der Absurdität des Lebens auf vergnügliche Weise die Stirn bieten. Achache fügt der ohnehin schon großartigen Story noch ein paar Facetten hinzu: Abgesehen von den großartigen Hauptdarstellern, sind auch die Nebenrollen hinreißend mit französischen Publikumslieblingen besetzt. Als arrogante und demente Hausbewohnerin die einzigartige Gisèle Casadesus (Jahrgang 1914), die derzeit an der Seite von Gérard Depardieu mit "La tête en friche" Triumphe feiert, Anne Brochet als Palomas neurotische Mutter und Ariane Ascaride als Renées einzige Freundin. Wunderbar auch Achaches Idee Paloma nicht als altkluge Besserwisserin, sondern als hochbegabte Zeichnerin darzustellen. Palomas Schwarzweißbilder führen durch den Film und bleiben als Kunstwerke im Gedächtnis hängen. Nachhaltigen Eindruck hinterlässt auch die geniale Musik von Komponisten Gabriel Yared.

Kinostart in Österreich: 3. Juni 2010

Muriel Barbery: Geboren 1969 in Casablanca, Absolventin der Pariser Elite-Hochschule, und Philosophiedozentin in der Normandie.

Japan-Fan: Als bekennender Japan-Fan ist Barbery samt Ehemann Stéphane 2000 nach Kioto übersiedelt. Der unglaubliche Erfolg ihres Roman macht eine Rückkehr nach Frankreich nicht notwendig.
Wir verlosen 3 x 2 Kinotickets (Filmstart: 3. Juni) Soundtracks zum Film und das Buch "Die Eleganz des Igels"!

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