"Die dunkelste Zeit meines Lebens“: Warum Fehlgeburten nicht länger Tabu-Thema sein dürfen

Auf der Website "Das Ende vom Anfang" teilen Frauen ihre Erfahrungen mit Fehlgeburten und regen dazu an, das Thema nicht länger unter den Teppich zu kehren.

Frau stützt sich an Bett

"Ich wünsche mir und uns eine Gesellschaft, die Frauen zuhört, sie ernst nimmt und sie in so einer Situation nicht allein lässt. Und eine, in der wir offen und empathisch über Fehlgeburten sprechen, denn das würde so wahnsinnig vielen Frauen helfen“, schreibt Cordelia in einem Post auf Instagram. Auch sie hat eine Fehlgeburt erlitten. Um andere Frauen zu unterstützen und das Stigma gegenüber der Thematik abzubauen, schildert sie ihre Erfahrungen online auf der Plattform "Das Ende vom Anfang“.

Weg mit dem "Happy Mom“-Klischee

Besonders ärgert die Anfang-Dreißigerin, dass auch im Jahr 2020 immer noch kein Platz für unschöne Erfahrungen mit dem Muttersein ist: "Während ich sieben Wochen lang darauf wartete, unser Kind zu verlieren, erlebte ich, wie sehr im ach-so-woken Jahr 2020, Frauen, die vom vermeintlichen weiblichen Idealzustand der #happymom abweichen, noch immer allein gelassen werden: Frauen, die kein Kind haben möchten. Frauen, die kein oder nur unter großer Kraftanstrengung ein Kind bekommen können. Frauen, die ein Kind bekommen haben und es bereuen. Frauen, die sich entscheiden, ihr Kind nicht zu bekommen. Frauen, die ihr Kind verlieren. So wie ich“.

Anderen Frauen zeigen: Ihr seid nicht allein

Immer mehr Frauen teilen ihre sehr persönlichen Erlebnisse auf der Website "Das Ende vom Anfang", die Journalistin und Autorin Julia Stelzer 2017 ins Leben gerufen hat. Ihr Ziel: Das Thema Fehlgeburten sichtbar machen und jeder Frau dabei helfen, sich mit ihrer Fehlgeburt nicht mehr alleine zu fühlen – etwa, "wenn sie gerade beim Frauenarzt mitgeteilt bekommen hat, dass das Herz ihres Kindes aufgehört hat, zu schlagen. Wenn sie im Krankenhaus auf die Ausschabung wartet. Wenn sie Wochen später noch in manchen Momenten wie gelähmt abends zuhause sitzt und plötzlich unendlich traurig ist, obwohl der Tag eigentlich ganz schön war“, so Stelzer auf ihrer Website.

Neben persönlichen Erfahrungsberichten wie dem von Cordelia, finden sich auf der Website auch fundierte Informationen von Expert*innen rund um das Thema Fehlgeburt, denn auch daran mangle es laut Stelzer nach wie vor.

Fast jede dritte Frau

Statistiken zufolge erleidet rund jede dritte Frau auf der Welt einmal in ihrem Leben eine Fehlgeburt. Dass das Thema dennoch so tabuisiert wird, ist gerade angesichts dieser Zahlen erschreckend. Immerhin: Neben Stelzers Plattform nehmen sich nach und nach immer mehr Organisationen und Initiativen der Information und Unterstützung bei Fehlgeburten an: So etwa die österreichische Initiative Stille Geburt, die Initiative Regenbogen oder das Fehlgeburt Forum.

 

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