Die Corona-Krise als Frauengesundheitskrise?

Geburt im Lockdown, Care-Arbeit für Kinder und Angehörige oder Gewalterfahrungen in der Isolation – die Corona-Pandemie hat die Gesundheit von Frauen in unterschiedlichen Bereichen stark beeinflusst. Viele davon werden jedoch nach wie vor übersehen.

Frauengesundheit und die Corona-Krise

"Die Pandemie hat und wird weiterhin große Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden vieler gefährdeter Gruppen haben. Frauen sind eine dieser Gruppen und mit am stärksten betroffen", hieß es bereits Anfang April in einer Studie der OECD. Tatsächlich hat die Corona-Pandemie die Frauengesundheit in den vergangenen Monaten in unterschiedlichen Bereichen von Mental Health über Care-Arbeit bis hin zu reproduktiver Gesundheit maßgeblich beeinflusst.

Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat sich mit der Corona-Krise und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen in all ihren Facetten auseinandergesetzt und seine Erkenntnisse in einem neuen Sammelband veröffentlicht.

Von Mutterschaft bis Einsamkeit im Alter

Der Sammelband verbindet wissenschaftliche Betrachtungen mit Praxisberichten aus Wiener Organisationen sowie individuellen Erfahrungen von Frauen. Elisabeth Udl, Geschäftsführerin im Verein Ninlil, beschreibt etwa, wie sich die Corona-Krise auf das Leben von Frauen mit Behinderung in Wien ausgewirkt hat, deren Alltag bereits ohne Pandemie von Strukturen geprägt war, die ein selbstbestimmtes Leben nur unter Aufwendung aller verfügbaren persönlichen Ressourcen oder mit wesentlichen Abstrichen möglich machen.

Alexandra Münch-Beurle, Psychologin und langjährige Mitarbeiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit, berichtet von ihren Erfahrungen des Mutterwerdens in Zeiten der Corona-Krise. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hatte und hat sie nach wie vor mit Unsicherheiten zu kämpfen (Können Kontrolluntersuchungen stattfinden? Darf mich mein Mann zur Geburt begleiten?). Isolation und fehlende Unterstützung in der Kinderbetreuung stellen eine große Belastung dar.

Susanne Herbek, Senior*innenbeauftragte der Stadt Wien und Chefärztin des Fonds Soziales Wien, erläutert in einem Praxisbericht, wie sich die Pandemie auf die mentale und physische Gesundheit von Wiener Seniorinnen auswirkt. Da gerade Frauen im Alter eher allein leben, waren und sind sie eine der Gruppen, die Einsamkeit und psychische Belastungen am stärksten spüren.

Corona aus Gender-Perspektive betrachten

Neben den oben genannten Aspekten beschäftigt sich der Sammelband außerdem mit Themen wie der Gesundheit von Einelternfamilien im Corona-Lockdown oder Frauen mit Suchterkrankung in Zeiten der Pandemie und gibt Anregungen, wie Situationen verbessert werden könnten. Als Fazit empfiehlt das Wiener Programm für Frauengesundheit, alle Maßnahmen, die im Rahmen der Corona-Krise getroffen werden, aus einer Gender-Perspektive zu betrachten und frauenspezifische Bedürfnisse künftig mehr zu berücksichtigen.

Ihr wollt mehr erfahren? Den vollständigen Sammelband des Wiener Programms für Frauengesundheit könnt ihr hier downloaden.

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