Die Abblockerin

Wichtig für eine gesunde kindliche Entwicklung ist eine funktionierende „Mutter, Vater, Kind“-Triade. Umso schwerer wiegt es, wenn Mütter sich als „Türsteherinnen“ erweisen: „Maternal Gatekeeping“ nennen Forscher das weibliche Verhalten, das Väter abblockt und es ihnen erschwert, die Triade zu leben.

Da liegt es in seinem Bettchen, das Elternglück-Paket: ein frisch geschlüpfter Fratz - eingepackt in Staunen, Stolz und Liebe. Kaum angekommen, stellt er das partnerschaftliche Duo jedoch vor eine riesige Herausforderung: Er soll mit ihm zur familiären Triade werden.

Der Schlüssel dazu liegt in weiblicher Hand: „Die Mutter hat die Definitionsmacht", sagt der Psychotherapeut Peter Ballnik. „Nur wenn sie dem Vater seinen Platz einräumt, kann er diesen beim Kind auch einnehmen." Im Klartext: Lässt eine Mutter nicht los, kommt sich ein Vater angesichts der auch körperlich engen Beziehung zwischen Baby und Mutter schnell nutzlos vor.

Mutter Ungeduld. Forscher sprechen in solchen Fällen vom „Maternal Gatekeeping". Das mütterliche Verhalten drängt Väter unbewusst aus ihrem Engagement fürs Kind heraus, enthält ihnen elementare Erfahrungen mit ihm vor. „Türsteher-Mütter" haben oft ein geringes Selbstbewusstsein und definieren sich stark über weibliche Werte und ihre Identität als Mutter. Sie glauben, die Bedürfnisse ihres Babys am besten stillen zu können - nicht nur im Wortsinn. „Mütter agieren mitunter sehr ungeduldig", sagt Pädagoge Reinhard Winter. „Wenn der Vater zum ersten Mal sein Kind wickelt und es nicht gleich richtig macht, wird es ihm wieder entrissen."

Weiter geht´s auf Seite 2!

In Österreich will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek einen bezahlten Papamonat direkt nach der Geburt einführen. Und wie machen es die skandinavischen Vorbildstaaten?

Finnland. Zur Geburt erhalten Neo-Väter 18 Tage Vaterschaftsurlaub und Lohnausgleich – bis zu 75 % ihres Einkommens. Bei der bezahlten Elternzeit von 158 Arbeitstagen, die sich das Paar teilen kann, bekommen Väter 12 Tage zusätzlich frei, wenn sie die letzten 12 Tage der Elternzeit nehmen.

Schweden. Zehn Tage „Pappadagar“-Urlaub schenkt man Jung-Vätern. 60 Tage des bezahlten Elternurlaubs müssen Männer nehmen. Insgesamt stehen dem Paar 480 Tage bezahlter Elternurlaub zu.

Dänemark. Väter bekommen zwei Wochen Vaterschaftsurlaub bezahlt. Im Anschluss erhalten beide Elternteile für 32 Wochen Elternurlaub, den sie zusammen nehmen oder untereinander aufteilen können.

Quelle:Verschenkte Potentiale? von Jutta Allmendinger (Campus Verlag, 2010).

Es ist oft der Beginn eines Teufelskreises: Denn unterstützt die Mutter ihren Partner nicht darin, sich in seinem Stil ums Kind zu kümmern und spricht ihm so die Kompetenz ab, engagieren sich Väter tatsächlich weniger, belegen Studien. Umgekehrt tragen aber auch Männer zum Gatekeeping bei: wenn sie etwa die Berufstätigkeit nicht reduzieren und die Arbeitsteilung in der Partnerschaft traditionell bleibt. Zündstoff lauert erst recht, wenn das Paar eigentlich vorhatte, familiäre und berufliche Belastungen auf beide Schultern gleichmäßig zu verteilen. Erkennen Männer die Leistungen ihrer Frau in der neuen Rolle nicht an, knabbert dies an ihrem Selbstbewusstsein - was sie womöglich durch Gatekeeping wieder aufzubauen sucht.

Sind also die Frauen selbst schuld, wenn ihre Partner keinen Finger rühren? So simpel geht die Rechnung natürlich nicht auf. Sicher kann die Blockadehaltung mit hineinspielen. Doch jede Frau wünscht sich einen Partner, der ihr beisteht. Beide Seiten sollten ihr Verhalten also ehrlich hinterfragen. Zum Wohle des Kindes. Denn Fakt ist: Eine funktionierende Triade ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Wenn Eltern ein vernetztes Familienbild entwickeln, haben Babys weniger Schlafprobleme oder Koliken, und Kinder zeigen mit neun Jahren ausgeprägte soziale Kompetenzen.

Schauen, nicht werten. Wie Mütter verhindern können, zur Abblockerin zu werden? Experte Winter empfiehlt einen „nicht wertenden Blick": „Lösen Sie sich von der festen Vorstellung, wie man mit Babys umgehen muss. Beobachten Sie aus der Distanz, wie Ihr Partner es ganz anders macht, begleiten ihn wohlwollend." Heißt auch: Loben Sie ihn mal.

Aktuell