Die 8 größten Irrtümer im 1. Jahr als Eltern

Trotz großzügiger neun Monate Vorbereitungszeit kommt nach der Geburt des ersten Kinds sowieso alles anders als man denkt. Eine Rückschau von Papa-Blogger Michael - mit hohem Wiedererkennungswert für alle Eltern!

Die Natur meint es ja gut mit werdenden Eltern. So viele Monate Vorbereitungszeit hätte ich auch gerne bei vielen beruflichen Projekten. Natürlich lädt dieses lange Zeitfenster auch dazu ein, Recherchen anzustellen, Pläne zu schmieden und fixe Parameter für die neue Elternrolle festzulegen. Unser Sohn korrigierte seine Eltern bereits in seinem ersten Lebensjahr und zeigte die größten Irrtümer auf.

Falsch gedacht: Die größten Irrtümer junger Eltern

1. Wir leben so weiter wie bisher

Dieser Punkt stand ganz oben auf unserer „Wir-werden-Eltern“-Liste. Knapp vier Jahrzehnte bauten wir unser Leben auf, sahen uns als pragmatisch denkende und mit beiden Beinen im Leben verankerte, coole Erwachsene an. Davon kann ein kleiner Mensch doch nur profitieren. So lautete unsere Theorie. Mit seinem ersten Schrei auf dieser Welt warf mein Sohn jeglichen strukturierten Alltag über den Haufen, wollte von uns Antworten zu noch nie gestellten Fragen. Jeder Tag war einfach anders. Spannend wie herausfordernd zugleich.

2. Wir hören nicht auf andere

Ratschläge sind Schläge, posaunte ich selbstbewusst zu Beginn meiner Vaterschaft. Schließlich war ich der Meinung, dass ich selbst bei meiner Premiere als Vater weiß, was mein Kind braucht und will. Aber ich war es auch, der beim ersten schwierigen Thema spätnachts Hilfe suchend am Handy hing.

3. Unser Kind schläft nicht bei uns im Bett

Wie sehr bemitleideten wir andere Eltern, die berichteten, dass ihr Kind nachts nur bei ihnen im Bett Ruhe findet. Oder gar behaupteten, dass sie das gerne so machen. Für meine liebe Ehefrau und mich stand nach diesen Geschichten stets fest: Wir machen es anders. Und zogen das konsequent durch. In den ersten Monaten. Dann erweichte uns nachts Samuels Suche nach Nähe. Zuerst nur für ein paar Minuten, dann nur zum Einschlafen und schließlich nur zum Aufwachen. Heute pennt der kleine Mann ein gutes Drittel seiner Schlafenszeit in unserer Mitte. Weil wir es so wollen.

4. 3-Monats-Koliken

Warum der Dreier davor steht, frage ich mich noch heute. Eher beschreibt die Zahl einen wiederkehrenden Zyklus als einen Zeitraum. Sehnsüchtig erwarteten wir damals den 3. Monatstag unseres Sohnes für seine windige Erleichterung. Bis wir im 6. Monat desillusioniert aufgaben und die Blähungen zu seinem Alltag zählten.

5. Wir haben genug Zeit für uns

Naiv beschenkten wir uns zu Anlässen mit Tickets für Konzerte und Events. In der festen Überzeugung, dort auch gemeinsam hinzugehen. Drei Anläufe benötigten wir, um einen babylosen Abend tatsächlich als Paar zu erleben. Sonst machte uns unser Sohn jeweils einen Strich durch die Rechnung. Über die Karten freuten sich Freunde und Verwandte.

6. Windeln stinken

Das Wechseln der Windel gehörte zu einem meiner wenigen Trockentrainings während der Schwangerschaft. Die Zielvorgabe lautete, schnell und fehlerfrei die Problemstellung zu meistern. Schließlich setzt sich niemand freiwillig einer stinkenden Angelegenheit länger als notwendig aus. Dabei wurde mir oftmals versichert, dass die Windeln des eigenen Kindes für Eltern nicht riechen. Da muss meine lehrende Hebamme wohl selbst öfters verschnupft gewesen sein. Tatsächlich hinterlassen sie einen kritischen Duft. Nur steht die Mission eindeutig im Vordergrund und damit lassen sich die Tatsachen ignorieren.

7. Wir paniken nicht gleich bei der ersten Krankheit

Kinder sind empfänglicher für Viren, haben ein schwächeres Immunsystem als Erwachsene und werden daher nun mal auch krank. Aber sie werden auch wieder gesund. Jo, eh … Aber tritt dieser Krankheitsfall dann ein, lösen Rat- und Hilflosigkeit jeglichen rationalen Pragmatismus ab. Mehrere Nächte machten wir kein Auge zu, strapazierten die Batterie des Fieberthermometers, tanzten in fünf Tagen zweimal beim Kinderarzt an. Der Infekt war heilbar. Daran sollten wir uns, die selbsternannten pragmatisch denkenden Eltern, auch beim nächsten Mal erinnern.

8. Ich werde ein konsequenter Vater sein

Kinder brauchen Regeln. Das konnte ich in allen Ratgebern nachlesen. Also sollte ich als Vater ein gutes Vorbild und in Erziehungsfragen konsequent sein. Doch hielt ich es – als mutmaßlich emotional gefestigter Mann – auch nicht für möglich, wie ein kleiner Mensch mit einem einfachen Lachen mich so weich kochen kann. Wickelt er mich auch in Zukunft so um den Finger, kann ich mir mein Rollenbild des strengen, aber gerechten Vaters wohl abschminken.

Michael Winischhofer berichtet auf www.papa-blog.at über die alltäglichen Herausforderungen eines Jung-Vaters. Sein Sohn Samuel kam Ende vergangenen Jahres auf die Welt, gemeinsam mit ihm und seiner Ehefrau lebt Michael in Wien.

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