Dick im Geschäft

Nie zuvor waren wir so sehr einem idealisierten Schönheitsideal ausgesetzt. Dagegen kämpfen jetzt auch die Betroffenen selbst – die Stars.

Überall wird über den Magerwahnsinn geredet. Trotzdem haut die Boulevardpresse jeden Promi, der auch nur ein Gramm zu viel hat, gnadenlos in die Pfanne. Nie zuvor waren wir so sehr einem idealisierten Schönheitsideal ausgesetzt. Dagegen kämpfen jetzt auch die Betroffenen selbst – die Stars.

Text Julia Wagner Mitarbeit Antonia Pasquali Fotoswww.viennareport.at, Corbis Outline

Moby Dick vor Hawaii gestrandet. Das war noch eine der nettesten Zeilen, die auf der Internetsite des US-Magazins People über die Schauspielerin Jennifer Love Hewitt geschrieben wurden. Was war passiert? Eigentlich gar nichts. Außer, dass die 28-Jährige Urlaub gemacht hatte, am Strand einen Bikini trug und einige Rundungen ihre bisher gertenschlanke Figur zierten. So wie bei Millionen anderen Frauen eben auch. Nur wurde sie ­dabei von Paparazzi fotografiert. Kurz darauf landeten jede Menge hämischer Artikel in der Klatschpresse. Jennifer Love Hewitt hatte eine Schlagzeile produziert, indem sie etwas Alltägliches zur Schau stellte: Cellulitis. Die einzigen Dellen, so scheint es, die in Hollywood noch erlaubt sind, sind jene, die man sturzbetrunken in seinen nagelneuen Mercedes fährt.

Während medienwirksam über zu dünne Models und deren Body-Mass-Index diskutiert wird, werden Prominente mit Speckrollen mindestens ebenso öffentlich abgewatscht wie ihre untergewichtigen Kolleginnen. Immer mehr Stars lassen das nicht mehr auf sich beruhen. „Ich habe lange darüber geschwiegen, wie weibliche Körper ständig prüfenden Blicken ausgesetzt sind. Ich rege mich jetzt vor allem für alle Frauen da draußen auf, die Probleme mit ihrem eigenen Körpergefühl haben. Größe 36 ist nicht dick und wird es niemals sein. Und Größe Null macht einen garantiert auch nicht schöner“, schrieb Love ­Hewitt kurz darauf erbost in ihrem Internetblog.

Immer mehr Schauspielerinnen, die von Produzenten und Studios regelrecht zum Hungern gezwungen werden, melden sich ebenfalls zu Wort. „Dünn zu bleiben ist eine Folter“, klagt Desperate Housewife Marcia Cross, die jahrelang auf einer Diät aus Wasser, Sirup und ­Cayennepfeffer gelebt hat. „Für mich ist das Hungern ein ständiger Kampf. Es ist, als würde ich dafür bezahlt, nicht zu essen. Es ist die Hölle“, sagt die 45-Jährige.

„Ich war 17 Jahre auf einer Diät aus Koks und Brechmitteln. Mit 30 hatte ich dann eine Herzoperation“, sagt das Model Carré Otis, die heute mit Größe 38 gerne als Plus Size Model verunglimpft wird. Auch jedes der 73 Kilo von Ex-Supermodel Tyra Banks wurde nach der Veröffent­lichung wenig schmeichelhafter Paparazzi-Fotos schamlos kommentiert. „Tyra Schweinekotelett“ lautete eine Titelzeile.

„Es geht heute nur mehr um Skandale“, bestätigt die Kulturwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld. „Es werden Mythen von Medien aufgebaut und dann mit Vorliebe zerbrochen.“ Da sei es relativ egal, ob jemand nun dünn oder dick sei. In unserer glatt retuschierten Medienlandschaft würden Fettpolster dann eben schnell zur Titelstory.

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Muss man schlank sein? Und welche negativen Folgen bringt das Hungern mit sich? Wie sich die Stars gegen den Mager-Look wehren, lesen Sie in der Februar-WIENERIN.

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Jennifer Love Hewitt löste einen Aufschrei aus, als sie von einer zarten Größe 32 auf 36 erhöhte.

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