Dialog der Raupen. Karen Müller über Buben-Gefühle

Manchmal ist es mit Männern schön, oft ein K(r)ampf. Was damit zu tun hat, dass sich in der Beziehung zwei kleine Kinder streiten.

Manchmal ist es mit Männern schön. Und oft genug ist es ein K(r)ampf. Was meistens damit zu tun hat, dass sich in der Beziehung zwei kleine Kinder streiten.

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Er stand vor mir, groß und schwer wie ein Bär. Der Mann war Mitte 50, schick angezogen und erfolgreicher Unternehmer. Und dennoch sagte sein Körper zu mir, „ich war doch immer nur ein braver Bub“, und in seinen Augen sah ich den hilflosen Schmerz des zu kurz gekommenen Kindes schimmern.

Haben Sie schon einmal eine Familien-Aufstellung gemacht? Wenn ja, dann kennen Sie solche Szenen vermutlich. Wie es denn aussieht, wenn ein erwachsener Mensch aus seinen Schutzschichten herausgeschält wird und einen Kern zeigt, der aussieht wie eine zerschrammte kleine Raupe. Nun: Ich war vor einer Woche zum ersten Mal bei so einem Seminar dabei. Eigentlich wollte ich ja nur abklären, auf welchen Positionen die Mitglieder meiner Patchwork-Familie stehen sollen, damit es allen gut geht. Aber was ich von den zwei Tagen dann im Besonderen mitgenommen habe, war ein ganz neuer Blick auf Männer.

Normalerweise halten wir Frauen die Männer – bei allen Lästereien – nun doch für groß und stark und mächtig, weil sie ja auch so ausschauen. Und dann sind wir fassungslos, wenn ein Mann den Himmel verspricht und sich plötzlich zurückzieht. Wir sind stinksauer, wenn er dauernd arbeitet und sein Zuhause wie ein Hotel behandelt. Wir halten ihn für einen Vollidioten, wenn er seine Gefühle nicht zeigen kann. Oder vor Nähe zurückschreckt wie ein Vampir vor Knoblauch. Hunderte Male habe ich Frauen über diese Themen schon schimpfen hören wie die Rohrspatzen, und von ihrer frust­rierten Warte aus hatten sie ja auch alle recht. Das Problem ­dabei ist nur: Wir sehen da die Schutzschicht von Männern. Aber nicht die Raupe.
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Karen Müllers Blick hinter die Schutzschicht von Erwachsenen finden Sie vollständig in der Jänner-Ausgabe der WIENERIN.

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Oft spricht das Kind aus dem Mann - ohne dass wir es merken.

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