Deutscher Kindergarten will auf Schweinefleisch verzichten und alle zucken aus

Die BetreiberInnen zweier Kindertagesstätten im deutschen Leipzig kündigten an, im Speiseplan zukünftig auf Schweinefleisch zu verzichten. Darauf hagelt es Hasskommentare und Drohungen. Nach einem Gespräch mit der Stadt zogen die Kitas die geplanten Änderungen zurück.

"Kita streicht Schweinefleisch für alle Kinder", titelt die BILD Anfang dieser Woche empört auf ihrer Titelseite. Ausschlaggebend dafür war die Entscheidung zweier Kindertagesstätten in Leipzig, die knapp 300 Kinder betreuen. "Aus Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt werden ab dem 15. Juli nur noch Essen und Vesper bestellt und ausgegeben, die schweinefleischfrei sind [...]." Die Kindertagesstätten wollten so Rücksicht auf zwei muslimische Mädchen im Alter von zwei und drei Jahren nehmen. Die Änderung des Speiseplans sorgte deutschlandweit für Aufregung.

Kritik, Rassismus und Hass wegen Verzicht auf Schweinefleisch

Unter den Artikeln der BILD entladen NutzerInnen ihren antimuslimischen Rassismus. Manche sprechen vom "nahenden Untergang", andere meinen, Deutschland wäre "unterwandert" und halten den "Kniefall vor dem Islam" für eine "Schande".

Auch die rechtspopulistische Partei AfD sprang sofort auf das Thema auf und meint, dass "demokratische Prinzipien durch dieses Minderheiten-Diktat" außer Kraft gesetzt würden. Die AfD-Bundestagsfraktionsvize Beatrix von Storch ortet gar eine "kulturellen Unterwerfung."

Die sächsische CDU sprach derweil von einem "Verbot von Schweinefleisch" und die deutsche Ernähungsministerin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete die Entscheidung gegenüber der BILDals falsch: "Alle anderen für die Essgewohnheiten anderer, die auch mal gerne Schweinefleisch essen, in Mithaftung zu nehmen, ist nicht förderlich für ein gedeihliches Zusammenleben"

Kritik kam auch von der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli von der SPD. Dass eine muslimische Politikerin der Sozialdemokraten sich gegen die Speiseplanänderung aussprach, brachte ihr auf Twitter von "jenen, die [ihr] sonst die Hölle wünschen [...] Applaus". Chebli sprach sich deutlich gegen diese Zustimmung aus.

Deutsche Kitas verzichten doch nicht auf Schweinefleisch

Zunächst verteidigte der Chef der Kindertagesstätte, Wolfgang Schäfer, den Entschluss noch: "Auch wenn es nur eine Familie wäre, die das Seelenheil ihres Kindes aus religiösen Gründen durch unreines Schweinefleisch beeinträchtigt sieht, setze ich diese Neuerung jetzt durch." Wie die Zeitung am Mittwochabend berichtet, nahmen die Kindertagesstätten die Speiseplanänderung kurzfristig wieder zurück.

Nach zahlreichen Beschwerden von Eltern, die vor allem empört gewesen sein sollen, weil die Entscheidung über dein Speiseplan ohne sie gefällt worden war, hätte sich schließlich das Sozialdezernat der Stadt Leipzig eingeschalten. "Das Jugendamt hat sich mit dem Träger in Verbindung gesetzt und die Angelegenheit fachlich erörtert", sagte ein Sprecher gegenüber der BILD. Kurz darauf gab die Einrichtung bekannt, die Entscheidung auszusetzen. Laut dpa will Schäfer im kommenden Kindergartenjahr, das im August beginnt, das Thema bei einem Elternabend nochmals ausführlich diskutieren.

Und die FPÖ? Fordert eine Schnitzelpflicht

An Österreich ist der Bahö ums Schweinerne auch nicht vorbeigegangen. Die Freiheitliche Jugend und ihr Bundesobmann Maximilian Kraus fordern auf Facebook Schnitzelgenuss für jedes Kind: "Wer aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch isst, soll es bleiben lassen. Aber wir werden es nicht dulden, dass unsere Kinder deshalb zu einem Verzicht von Schweinefleisch gezwungen werden."

Ein Verzicht, wie es in Leipzig kurz der Fall war, sei abzulehnen, so die FPÖ weiter. "Das ist falsch verstandene Toleranz gegenüber Zuwanderern, die klar abzulehnen ist. Nicht wir müssen unsere Essgewohnheiten anpassen, sondern umgekehrt."

 

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